Antisemitismus

Anlässlich der Wiederausstrahlung des Films Holocaust nach 40 Jahren sollte man den Hintergrund des Antisemitismus beleuchten, denn das Prinzip der Fremden- und Andersfeindlichkeit ist absolut nicht überwunden. Menschen ziehen es vor, aus narzisstischen, bequemlichen und hedonistischen Gründen in ihren Blasen zu leben, anstatt sich geistig (und körperlich) zu bewegen. Sicher, man sucht seinesgleichen, aber man muss offen bleiben für den Diskurs, um eine Dialektik der Aufklärung zu ermöglichen. Letzte Wahrheiten wissen nur ganz wenige, die Meisten müssen sich über das, was ist und was werden soll, verständigen. Das Leben in Blasen ist nichts anderes als die Glorifizierung der Nationalstaatlichkeit, die ausgrenzen will und wegen eigener Nichtauthentizität und Defizienz andere zu hassen beginnt. Dieser Hass vergiftet die Sphäre derer, die immer die Verständigung suchen – nicht aus einem Beziehungswunsch heraus, sondern um des Fortschritts willen, wie man miteinander umgehen sollte, damit Menschen sich entwickeln können, nicht erkranken, sich nicht oder anderen das Leben nehmen. Bewusst Spannung zu erzeugen durch Ignoranz schafft ein Klima des großen Unbehagens, das die Resilienz schwächt. Menschen hegen auch gegen andere Hass, weil sie die Wahrheit sagen, weil sie eventuell authentischer und klüger sind. Auch Neid auf eine sehr erfolgreiche und offene Kultur, die eine beeindruckende charismatische Wirkung hat wie die des Judentums, spielt eine große Rolle.  Und bedeutsamer  als jeder materielle Erfolg ist eben das Charisma, das wir auch von Jesus Christus kennen. Gegenüber diesen Menschen ist der Neid sicher und das gilt für die gesamte geistig nicht gut entwickelte  Menschheit.

Das Charisma einer selbstbewussten Religion wie das des Judentums ist heute gerade wegen des Holocausts ein ganz besonderes und zur Demut zwingendes, was archaische Regression bedeutet. Jeder Rückzug in die eigene Enklave birgt ein hohes Risiko zum Feindbilddenken und zur Projektion des eigenen Hasses auf andere. Hier liegt die Entstehung von Vorurteilen und Unterstellungen. Man glaubt, genug über den anderen zu wissen, ohne ihn zu kennen. Unterstellungen indirekt zu veröffentlichen ist nicht nur extreme Feigheit, sondern auch der Wille zur Nichtverständigung und damit Bezeugung der Interesselosigkeit an Lösungen. Menschen, die solches Verhalten zur Tugend machen wollen, kann man ruhig als Kriegstreiber bezeichnen, die vordergründig von Frieden reden, aber sich hintergründig in Kriegsstimmung befinden gegen einen diffusen Feind, der das eigene Selbstverständnis und die Selbstzufriedenheit  in Frage stellt. Es ist nur ein kleiner Schritt zur hoffnungslosen Selbstverherrlichung des Herrenmenschen, der sich über andere erhebt und sich gegen den Einfluss kultureller Vielfalt sträubt. Diese Haltung durchzieht alle Schichten der Gesellschaft bis heute.

Juden, Roma, Oppositionelle, Behinderte und mental Kranke, sogenannte „Arbeitsscheue“ (meistens Kunst- und Kulturschaffende) wurden im Dritten Reich Opfer der vernichtenden Endlösung. Ein zutiefst heidnischer (Nichtanerkennung göttlicher Wahrheit) und atavistischer Rückfall in vorzivilisatorische Zeiten. Auch das Christentum hat das nicht verhindern können, weil auch hier Machtstrukturen über Menschlichkeit gestellt wurden. Die Nichtbearbeitung des Schattens, also fehlende Introspektion führt zur negativen Projektion auf das Unbekannte, das nicht neugierig macht und als Bereicherung erlebt wird , sondern als Bedrohung empfunden wird. Letztlich verbirgt sich dahinter ein Leben, das nicht zur vollen Entfaltung fähig ist in seinem jeweiligen Sosein. In vielen Fällen wird es abgelehnt oder überhöht in seiner defizitären oder auch ungewollten Struktur. Normenunterwerfung und totale Normenablehnung haben dieselbe Wurzel, nämlich die Unfähigkeit, sich in einem heterogenen Umfeld zu bewähren und Konflikte durch Annäherung an die Wahrheit zu entschärfen. Es ist Aufgabe, ganz bei sich anzukommen, denn hier liegt die Voraussetzung für Toleranz und zumindest marginaler Verständigung für Wachstum und Entwicklung. Diese Phänomene werden besonders dort behindert, wo das eigene Selbst nicht voll entfaltet ist, d.h. nicht in die eigene Wahrheit gekommen ist.  Wir leben in Zeiten, in denen das im Rahmen von Gesetzlichkeit möglich ist.  Das hält eine Gesellschaft in Bewegung und in Resonanz. Können wir nicht in diese Schwingung geraten, die alles belebt und regeneriert, kommt es zur Verhärtung und zur Ausgrenzung. Wer Kritik nicht erträgt und zulässt, wird hinterhältig und bösartig. Und wer meint, es lohne sich nicht, sich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, der muss sich auch als zutiefst undemokratischen Menschen kritisieren lassen, denn Demokratie lebt vom Diskurs, vom Ringen um die besten Lösungen für alle Menschen.

 

 

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