Tatsachen, Wahrscheinlichkeiten versus Meinungen und Vorurteile

Immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass Meinungen und Vorurteile keine Tatsachen sind und sogenannte Wahrscheinlichkeiten oft nur auf heillosen Unwahrscheinlichkeiten beruhen. Selbst in gebildeten Kreisen bedenkt man nicht diese wichtigen Unterschiede, die zu diversen Populismen führen gegen die klärende Intention des Differenzierens, das uns im Alltag offenbar eher schwer fällt. Wir begnügen uns schnell mit Vorurteilen, Unterstellungen und fragwürdigen Ideologien, anstatt nachzudenken, ob das alles so in Ordnung ist, also überhaupt stimmen kann. Sicher, wir haben das Bedürfnis, uns zu äußern, aber wir sollten das möglichst direkt tun, denn wir erhalten so eine Richtigstellung der vielen falschen Annahmen. Es ist die Korrektur, die der Diskurs ermöglicht und damit lösungsorientiert ist.

Alles Indirekte ist lösungsvermeidend. Hier wird deutlich, der Sender möchte auf seinen Vorurteilen und Unterstellungen bestehen und sie zu Wahrheiten stilisieren, die sie nicht sind. Ein Mangel an Reflektionsvermögen verbirgt sich auch dahinter, denn die Aussagen könnten ja durch andere revidiert werden und man müsste neu denken. Aber das passt dem Ideologen nicht und so versteckt er sich hinter indirekten Mitteilungen, die viel über seine eigene Verfassung verraten, aber nichts über den Gemeinten aussagen. Die Vermeidung des Direkten ist ein Ausdruck von Hinterhältigkeit, die solche Menschen dann auch in anderen Zusammenhängen gerne an den Tag legen und somit Menschen vorsätzlich schaden. Das Indirekte ist also kein Weg zur Wahrheit, sondern die Haltung, die zu unlösbaren Konflikten und Streitereien führt und damit den Unfrieden etabliert. Alles Indirekte, weil es nur den Sender überhöht, der sich hier hoffnungslos selbst überschätzt, kann also nicht als Philosophie gelten, denn es führt die vorsätzliche Verdunkelung (maya) und nicht zum vollkommenen Wissen des brahma zumindest als Intention. Daran müssen wir uns messen lassen, was wir als Denkende dazu beitragen. Verfehlen wir diesen Anspruch, diskreditieren wir auch diese Berufung, Wir gelangen zum höchste Wissen über die Einsicht, über das denkende Wissen, das sich aber immer dann in Bewegung setzen muss, wenn gegen den höchsten Auftrag verstoßen wird. Hier müssen wir in den Dialog gehen, mag er auch noch so unangenehm sein. Dieser Dialog will nicht Beziehung schaffen, wo sie nicht gewollt ist, sondern möchte die Verzerrungen auflösen, die entstehen, wenn Tatsachen nicht von Meinungen und Vorurteilen geschieden werden.

Sicher, es ist unangenehm, wenn man Vermutungen direkt ausspricht, aber eine Situation wird dadurch immer auch geklärt. Man vermutet einiges und schließt vieles zurück, aber Wissen ist das nicht. Wir müssen also offen bleiben für jede Form der Korrektur, auch der Selbstkorrektur, wenn Vermutungen zu scheinbaren Wahrheiten mutieren. Bei sehr guter Introspektion und Selbstkritik offenbart sich der eigene Schatten. Den sollte man kennen und sich fragen, ob man aufgrund von Vermutungen verurteilt oder eben offen bleibt für Richtigstellungen. Alles Indirekte verzögert die Wahrheitsfindung erheblich und behindert auch Heilungsprozesse vehement. Aber auch daran hat nicht jeder ein Interesse. Soll der andere doch leiden und krank bleiben, ich stehe auf jeden Fall so besser da und dokumentiere durch die Verweigerung direkter Rede:  „Ich habe doch gar nichts damit zu tun…“

Das Unwahrscheinliche wird nicht wahrscheinlicher, wenn ich die Gegenrede eigentlich nicht hören will. Man steckt den Kopf in den Sand und meint, nun hätte man gesprochen und Widerrede sei nicht erlaubt. Der Hintergrund solchen Verhaltens ist wenig sympathisch und eigentlich menschenfeindlich. Es wundert hier nicht, wenn diese Misanthropie sich auch im restlichen Denken zeigt und seine seltsamen Blüten treibt. Der Wille zur Verletzung ist stärker als der Wille zur Versöhnung. Und damit wird es für so Geschädigte  auch nicht möglich, solchen Menschen zu vergeben, da sie keine Einsicht zeigen. Hier bleibt nur das Bedauern auch darüber, dass tiefes Denken nicht das Ziel solcher Menschen ist, denn dafür müssen wir Gesicht zeigen und nicht in die falsch verstandene spirituelle Haltung abgleiten, die vermeintlich vor allem schützt. Sie vermag aber nur denjenigen zu schützen, der das höchste Wissen anstrebt und die Wahrheitsfindung nicht blockiert – gerade dann nicht, wenn für andere viel davon abhängt oder -hing. Die Zeit, die das kostet, kann man sinnvoller verbringen.

Völlig Einsichtslose sollte man schlichtweg vergessen und sie Ihres Berufes nicht für würdig erachten, der offenbar keine Berufung ist, denn der zur Wahrheit Berufene ist ihr inniglichts verpflichtet in allen seinen Handlungen. Wer sich nur detailverliebt dem akademischen Betrieb verschrieben hat, der hat keinen Zugang zum Ganzen des göttlichen Wissens, das den tiefen Wandel bewirkt zum bedingungslosen Selbstsein in Verbindung mit höchster Weisheit. Somit wäre alles Indirekte Ausdruck der fehlenden Erleuchtung, eines Mangels an Licht. Und wer befürchtet, er würde “ das Auge des Adlers“ (Thomas von Aquin) verlieren, dem sei versichert, dass Beobachtung eine Haltung ist, die man nicht einbüßt, wenn man in den Dialog tritt. Und der verhindert die Sabotage.

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