Resilienz

Der Begriff der Resilienz wird normalerweise mit Widerstandskraft gegen schädigende Einflüsse übersetzt. Sie ist die Kraft, die verhindert, dass sich ein Trauma entwickelt bzw. somatisiert. Zu den Somatisierungen gehören auch Bahnungen im Gehirn, die sehr stark determinieren. Jeder geschädigte und verletzte Mensch wird auf sich selbst zurückgeworfen und verliert damit die Freiheit zur Selbstdistanz und zur Distanz zum negativen Erlebnis. Resilienz ist eine zur Sprache gebrachte seelische Kompetenz, die aber Schwankungen unterworfen ist. Wer fassungslos wird und damit meistens auch sprachlos, der hat seine Resilienz verloren, kann sie sich aber durch Narrative wieder erarbeiten. Je weiter ich hier abstrahieren kann, um so mehr Resilienz gewinne ich zurück. Es geht bei der Resilienz vorwiegend um die Bewältigung und Verhinderung von mentalen Erkrankungen von Menschen, die eben kein dickes Fell besitzen. Anstatt aber von Vulnerabilität zu sprechen, die diskreditierend gemeint ist, sollte man von Sensibilität sprechen. Maike Schulte weist   in ihrem Beitrag in Ohnmacht und Angst aushalten (Cornelia Richter Hrsg.) darauf hin, dass das Pathologische nicht immer in der krank gewordenen Person zu suchen ist:“Was ist eigentlich das Krankmachende unserer Verhältnisse, und zeigen nicht die , die Symptome ausprägen, eine recht gesunde Reaktion  auf die ‚Pathologie der Realität‘? Weiterhin kommt sie zu dem Schluss: „Resilienz und Trauma sollten darum weniger antagonistisch als komplementär verstanden werden. “ Das Trauma symbolisiert die Abwesenheit, das Versagen von Resilienz gegenüber pathologischen Prozessen, die oft nicht in der eigenen Person selbst liegen.

Wir leben in einer Zeit, in der der Einzelne als selbstverantwortlich für seine Krankheit angesehen wird. Aber nicht jeder leidet unter einer gedanklichen Verengung und Selbstdeterminierung. Resilienz ist auch nicht unbedingt eine Tugend, sondern eine Fähigkeit, die sich äußern will und muss, was Cornelia Richter richtig erkannt hat. Sowohl Kommunikation als auch das Aufschreiben von Erlebtem im Sinne der Selbstreflexion sind hilfreich. Bleibe ich offen und filtere die Informationen achtsam, kann ich zu besserem Verständnis und damit zu den Selbstheilungskräften gelangen. Über die Sprache baue ich also die Resilienz wieder auf und finde über die Bewusstwerdung der inneren und äußeren Zusammenhänge wieder einen Weg in die Gesundheit. „Resilienz ist eine Praxis bewussten Lebens“  -so Saskia Wendel-, das nicht nur mentales Bewusstsein  beinhaltet, sondern auch körperliches, die aber nur als sehr bewusst gesteuerte wirksam ist.  Der Körper sendet ständig Signale, aber man darf sich hier nicht tyrannisieren lassen. Selbstdisziplin und Selbstfürsorge sind für den Erhalt des Bewusstseins auch für höhere Bewusstseinszustände notwendig, die sich dann in einer entsprechenden Sprache mitteilen.

Jeder kann an seiner Resilienz arbeiten – Tag für Tag und Schritt für Schritt in Bezug auf Klärung und Erklärung negativer Ereignisse und anhand von Ideen, die aus den Sackgassen aktiv hinausführen. Radikaler Hedonismus ist aber kein Weg aus der Falle. Je weniger man im Außen lebt, desto wirksamer werden die Strategien der Resilienzsteigerung. Auch eine christliche Haltung kann helfen, das Leid zu verringern. Wir sollten uns aber nicht mit dem Leid Jesus Christus messen und so das eigene Leid relativieren. Vielmehr müssen wir uns an die Eigenkompetenz erinnern, die man schon einmal hatte und die das Trauma aber verschüttet hat.  Zur Resilienz gehört vor allem die Hoffnung, dass es besser werden kann, auch wenn man sehr gelitten hat. Leid verunstaltet, wenn man es nicht auflöst und die Verhältnisse nicht kritisiert, die die Gesundheit angreifen. Wer auch über sehr viel Humor verfügt, hat große Chancen auf Heilung. Dennoch muss man den Titel des Buches von Cornelia Richter kritisieren, denn es geht nicht um ein Aushalten, sondern um die Fähigkeit möglichst schnell einen Gegenentwurf zu entwickeln. Passives Aushalten schwächt alle Kompetenzen. Der Betroffene muss aber dagegenhalten, damit dem Trauma der Nährboden entzogen wird und sich nicht somatisiert. Eigentlich sollte der Mensch nicht in die Situation von Ohnmacht und Angst kommen, denn damit verbunder Stress löst schwere Krankheiten aus. Kein Schmerz und kein Leid wird besser, wenn man es einfach nur aushält. Ich muss also handeln und mir den traumatischen Verlauf aus der Distanz anzusehen, um über das Bewusstsein der Zusammenhänge zu neuen Möglichkeiten zu kommen. Die Verengung des Lebens auf negative Empfindungen lösen sich mit dem Wachsen der Resilienz wieder auf. Also muss die passive Haltung durch eine aktive abgelöst werden. Resilienz ist kein Vermögen der Passivität. Der Aufbau resilienter Strukturen und Kompetenzen durchbricht die Krankheit, die kein Schicksal und kein Existenzial ist, und führt zu einer beglückenden Selbstermächtigung gegen die vielen Downsizingprozesse. Ein Trauma reduziert das Potenzial der Resilienz, das die Erneuerung möglich macht. Die Resilienz gewinnt, wenn sie einen sicheren, komplexen  und sinnvollen Weg gefunden hat gegen Traumatisierungen und Vertrauensverluste.

Cornelia Richter (Hrsg.): Ohnmacht und Angst. Kritik der Resilienz in Theologie und Philosophie.Stuttgart.  1. Auflage 2017

Das Vokabular der Propaganda

Wie die Diffamierung von Menschen als sozial Schwache, so enthalten und generieren Begriffe ein zwanghaftes Weltbild, das eigentlich längst überholt ist. Dennoch sprechen wir von Leistung, Schuld (außerhalb des juristischen Kontextes), Pflicht (extrinsische Motivation), institutionalisierter Bildung, die sich auf Zertifikate stützt, darwinistischer Unterscheidung von sozial Schwachen und sozial Starken, die sich am Materialismus orientiert, von Individualismus im Sinne von Egoismus,  anstatt neutrale Begriffe zu verwenden wie Verantwortung, Berufung, Interesse, Produktivität und Fehlern. Fehler kann man auch gut korrigieren, um zu innerem Wachstum zu kommen.  Es liegt dem Menschen offensichtlich  im Blut, sich als besser zu betrachten und sich dadurch abzugrenzen bzw. andere auszugrenzen. Der Kriegszustand hat sich eigentlich nur verinnerlicht. Auch Freud sprach ja von einem Trieb zum Krieg. Wir moralisieren und bewerten lieber, als dass wir  verstehen und befördern. Die Befürchtung, Menschen würden sich nicht mehr anstrengen, wenn man sie nicht antreibt und diffamiert, gehört in eine Zeit des generellen Pessimismus der Nachkriegszeit und der schwarzen Pädagogik.

Aber erst die intrinsische Motivation des Findens einer Aufgabe, die Sinn stiftet, verbessert das Menschsein, das nicht nur die eigene Entfaltung anstrebt, sondern sie allen Menschen gönnt. Der Mensch ist begeisterungsfähig für die gute Sache, für die man möglichst alle gewinnen muss, damit eine Gesellschaft zusammenhält. Würde sich jeder für diesen Planeten verantwortlich fühlen, käme man zu wirklich schnellen Lösungen. Verzicht ist nur so lange notwendig, bis tragfähige neue Lösungen erarbeitet worden sind. Eine Gesellschaft, die auf Leistung und Konditionierung getrimmt wurde, sieht aber nicht ein, wieso sie auf etwas verzichten sollte, bis die Wirtschaft umgebaut wurde. Die Devise lautet: weniger Egoismus und dafür mehr Individualisierung, von der auch die guten und hilfreichen Ideen kommen, denn der Entfaltete fühlt sich für den allgemeinen Fortschritt verantwortlich. Repressive Methoden haben keine Konjunktur, sie führen in die Rezession. Humankapital ist wichtiger als technologische Fortschritte, da es  im Sinne der Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung eingesetzt werden kann. Der voll entfaltete Mensch muss nicht dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen, um sich zu erholen von den Entstellungen des Arbeitsalltags, der keinen Raum für ein Nachdenken lässt. Dieses Nachdenken fordert Rücksicht auf die Natur und den Planeten, der bewohnbar bleiben muss. Leistung wird von einer Industriepolitik  gefordert, die ein Interesse an Hierarchisierung hat und mit der Angst spielt, völlig mittellos dazustehen.

In den meisten Religionen spielt die Askese, der Verzicht eine große Rolle. Das Haben wird durch ein spirituelles Sein abgelöst. Es sind Nischen der Achtsamkeit, die unser aller Leben korrigieren könnten und zwar weg vom Konsum der andauernden Selbstbelohnung, weil das eigene Leben zu wenig Sinn ergibt und wir nicht in unser eigenes Potenzial kommen. Die sprachlichen Konventionen und Parolen wirken sich schwächend aus. Menschen weiter zu schwächen, anstatt sie zu befähigen, hat negative soziale Konsequenzen. Die Dystopie wäre Verteilungskriege, die Utopie eine materielle Gerechtigkeit, durch die der Mensch gestalten und organisieren kann. Weltwirtschaftskrisen wurden nicht selten von einem Mangel an staatlicher  Flexibilität ausgelöst. Wir sind auch an einem Punkt angekommen, wo sich kein Rückschritt mehr einschleichen darf, da der technologische Fortschritt uns zum individuellen Fortschritt zwingt in Bezug auf unser Menschsein als Ausdruck der Demut dem Leben gegenüber, die aber nie Unterwerfung werden darf. Hören wir also auf zu moralisieren und widmen uns der neutralen Beobachtung von Tendenzen und schaffen Verhältnisse, in denen sich die Produktivität verbessern ließe für eine Gesellschaft, die sowohl  mitfühlt und vergibt, als auch vor allem qualitativ wächst. Hier kommt es auch auf jeden Einzelnen an und wie sehr er sich von der Propaganda manipulieren lässt. Hoffnung und Verantwortung sollten universelle Werte sein in Verbindung mit Wahrhaftigkeit. Die Angst vor dem grundlegenden Wandel darf sich nicht radikalisieren.

Die Auflösung von Denkmustern

Wer gerne Musik hört – insbesondere Jazz , der hat die Möglichkeit, belastende, eingefahrene Denkmuster aufzulösen. Mentale Erkrankungen beinhalten nicht nur negative Erinnerungen, sondern die Unfähigkeit, Verletzungen und Verluste zu überwinden oder abzuschwächen. Es ist unter Einfluss der Musik möglich, das Gehirn zu flexibilisieren für Erneuerungen, für den Wandel. Gewohnheiten schwächen die Neuroplastizität des Gehirns, das immer wieder Traumata reproduziert und die Kreativität  beträchtlich einschränkt. Man kann sich auch negative Gedanken verbieten wie im Raja Yoga. Besser ist es jedoch, ich mache neue positive Erfahrungen, so dass die alten negativen ihre Bedeutung verlieren. Mentale Erkrankungen beruhen auf dem Verlust, Sinn und Fülle zu empfinden. Musik aktiviert das Großhirn und beruhigt das limbische System. Ängste treten in den Hintergrund. Die meisten Krankheiten sind eigentlich Angsterkrankungen, die das Gehirn dann falsch überwinden will. Verletzungen steigern die Angst erheblich, so dass das Gehirn mit Krankheitssymptomen reagiert. Es ist schwer, diesem Kreislauf zu entkommen, wenn man nicht wüsste, dass auch alles ganz anders gesehen werden kann auch durch Musik.

Sowie die Selbsterkenntnis zu einem besseren Weltverständnis führt, gelingt es dem Geist, das Gehirn zu durchschauen. Musik erlaubt es, zu sich selbst in Distanz zu treten und die Perspektive zu wechseln. Hier ist das Bewusstsein hoch beweglich und kann tiefe Einsichten in Zusammenhänge bewirken. Die geistigen Lockerungsübungen verhindern das Einrosten virulenter und konventioneller Gedankengänge. Wahrer Wandel im Verständnis vollzieht sich leichter unter Einwirkung von Musik. Die alten Zöpfe haben hier keine Chance. Musik kann sogar zur Erleuchtung werden und damit zu einem höheren Bewusstsein bezüglich des Wesentlichen, das man im Leiden immer wieder aus den Augen verliert. Vom Leid kann ich mich distanzieren, indem ich innerlich  und geistig aktiv werde, so dass ein Wandel eintreten kann. Das ist kein einfacher Prozess, aber immerhin möglich. Lesen, schreiben und Musik hören können Veränderungsprozesse in Gang setzen, die stressresistenter machen und  die Selbstreflektion mobiliseren, ohne die wir den Anderen auch nicht erkennen können. Wer sich selbst gut kennt, der erfasst auch andere in ihrem Sosein, d.h. im Wesenskern und öffnet die Wahrnehmungsfähigkeit auch hinsichtlich der vielen Informationen, die wir verarbeiten, wenn wir im Modus der Kreativität sind. Wer hier seinen Ausdruck findet, der kann auch mit  Heilung rechnen. Über geistige Prozesse gewinne ich Macht über mein Gehirn, das geschädigt wurde. Diesen Schaden kann ich beheben, wenn ich mein Gehirn nicht mit meinem Geist gleichsetze.

Man kann also über sich selbst hinauswachsen und so zu einem Bewusstsein kommen, dass sich nicht länger versklaven lässt. Der Flow der Kreativität befördert auch die Selbsterkenntnis und die wahrhaft innere Freiheit, das Leiden zu beenden in einem Akt der Entscheidung und des Willens. Ohne Rationalität geht es also nicht. Aber Rationalität allein überwindet das Leid nicht, das  in tieferen Regionen des Gehirns wirksam ist. Mit Hilfe von Musik gelingt die Entscheidung einfach leichter, nicht mehr länger belastet zu sein. Sie bahnt sich den Weg zur Selbstwerdung, durch die das Leiden und die Ängste schwinden. Letztlich muss auch jeder begreifen, wo er selbst Fehler gemacht hat. Einsicht schützt vor einseitigen Urteilen.  In der Musik wie in jeder Kunst geht es ja auch darum, den eigenen Horizont gefühlsmäßig zu erweitern, um so auch den produktiven Handlungspielraum zu vergrößern. Wer selbst Musik macht, darf sich glücklich schätzen.

Schuld

Ferdinand von Schirach beleuchtet das Thema Schuld als ehemaliger Strafverteidiger literarisch und will verdeutlichen, dass Straftaten auf einem Brechen des dünnes Eises beruhen. Er hat hier viele Nachfolger, die betonen, dass ein Verbrechen in jedem in uns angelegt sei als Mittel der Konfliktbewältigung und auch als Ausdruck zutiefst archaischer Motive, die den/die Geschwächte(n) und Geschädigte(n) weiter schädigen, anstatt zu helfen und zu schützen. Dieses brutale und teilweise bestialische Prinzip macht auch vor Bildungskreisen keinen Halt. Menschen in Umbruchphasen ihrer Ordnung sind meistens geschwächt. Schwäche allerdings schädigt niemanden, sondern nur Menschen, die ihre Macht missbrauchen, um andere schwerstens zu instrumentalisieren und zu unterwerfen. Dieser Destruktivitätstrieb wird nicht selten von Männern der gesamten Bevölkerung unterstellt.  Da werden Ausdruck von Schwäche als Angriffsmodalität uminterpretiert. Mal abgesehen davon, dass der Destruktivitätstrieb, der geschädigte und irritierte Menschen weiter schädigt,  ein männliches Prinzip ist. Was Menschen aber hinsichtlich ihrer Empathiefähigkeit unterscheidet, muss näher ergründet werden. Was eine Gruppe von maskierten Männern in Volksfest (Ferdinand von Schirach) veranlasst, eine zu Boden gestürzte Frau, die sich auch noch an den Biergläsern geschnitten hat, massenhaft zu vergewaltigen, muss analysiert werden und darf nicht jedem Menschen als Potential zur Destruktivität unterstellt werden und schon gar nicht Frauen. Was aber macht den Unterschied aus, der Menschen hier eindeutig trennt. Bildung allein ist es nicht und auch nicht die Gnade Gottes. Es ist ein Wissen um die Welt und ein reines Herz, das liebt, auch wenn es nicht in derselben Weise geliebt wird.

Man könnte sagen, dass eine junge Frau auf einem Volksfest nicht ohne BH bewirten sollte oder dass Eltern ihre Tochter nicht zum Arbeiten auf solchen Festen veranlassen dürfen. Aber was heißt das? Es bedeutet, dass wir überall mit solcher Brutalität und Bestialität konfrontiert werden können, wenn wir uns der Gesellschaft aussetzen. Normale Menschen können zu Monstern werden , wenn das soziale Konstrukt zerbricht. Das gilt aber nicht für die Gesellschaft im Allgemeinen, sondern für Menschen, deren Sinn für Empathie längst abhanden gekommen ist auch in einer Leistungsgesellschaft, in der die Konkurrenz mehr zählt als der Gemeinschaftssinn und die Liebe. Wo aber wahre Liebe ist, das entsteht keine Brutalität und keine Gewalt, sondern es ist die ordo amoris, von der Max Scheler spricht. Liebe ist keine Leidenschaft, die kopflos macht, sondern ein umfassendes Gefühl der Verantwortung. Hier sind alle  höheren Emotionen tätig, die gerade Streit und Auseinandersetzungen vermeiden wollen, um in der Symbiose des Verstehens aufzugehen. Hier können wir niemanden schädigen, sondern sind um das Wohlergehen eines Menschen bedacht, auch wenn es nicht der eigene Vorteil ist.

Man kann getrost anhand der Kriminalitätsstatistik behaupten, dass Gewalt ein Männerproblem ist. Schuld ist aber nicht nur das Testosteron, sondern auch eine Sozialisierung, die die rücksichtslose Ichdurchsetzung präferiert gegen die Liebe und das Verständnis. Dass solche Fehleinschätzungen vonseiten von Männern krank machen können, muss nicht weiter erklärt werden. Eine Frau kann selten von einem Mann durchgehend verstanden werden. Hier bleibt es bei außergewöhnlichen Ausnahmen, die dann auch sehr glücklich sein können. Aber die Masse reagiert aversiv auf Angebote der Verständigung über komplexe Kontexte, die eben nicht die Umwertung aller Werte beinhalten, sondern um Verständnis bitten für einen Wandel im Bewusstsein, dem eine Änderung in der Lebenssituation folgen muss, damit es nicht zu einer manifestierten Krankheit kommt. Auch kranke Menschen werden oft weiter geschädigt, je weniger man eine Erkrankung versteht. Im dritten Reich wurden so geschwächte Menschen ermordet, anstatt Menschen trotz ihrer Belastungen zu integrieren. Da wären wir und sind wir wohl immer noch bei den Neanderthalern. Das ist weniger beruhigend. Was nicht einwandfrei funktioniert, wird vor allem informell eliminiert und ausgegrenzt, was für den Erkrankten eine große Belastung ist. Hier schimmert der Destruktivitätstrieb wieder durch, der aber auch ein Mangel an Intellekt sein kann. Auf keinen Fall  kann man ihn jedem Menschen unterstellen. Er beruht auf einem Mangel an Einsicht, auf einer Gottesabgewandheit der Egozentrizität. Wer sich für die wahre Liebe entscheiden kann und im Leben diese Erfahrung macht, der schädigt keinen anderen Menschen, aber ermahnt zur Aufrichtigkeit, die nicht immer angenehm ist.

Wo ein Destruktivitätstrieb erkennbar ist, da ist auch Schuld und nicht das Eingeständnis der Schwäche, denn nicht Schwäche ist der Grund der Destruktivität, sondern die Macht. Die Facetten der Unterwerfung sind vielfältig und sei es unter ein Gesetz einer  Religion. Das war nicht im Sinne von Jesus Christus. Sein Thema ist die wahre Liebe, die sich nicht von Formalien beeindrucken lässt. Und den Destruktivitätstrieb hat nicht jeder. Wir werden nicht archaisch, weil wir geschwächt sind.

Schmerz oder das Verschwinden der Sprache

Die Macht der Sprache zu entdecken liegt lange zurück. Damit verbunden war die sogenannte geistig-seelische Reifung und das ungetrübte und glückliche Bewusstsein, dass Probleme lösbar sind. Wer gerne liest und sich von der Ausdruckssprache faszinieren lässt, der redet auch viel. Man liebt den Dialog und denkt, dass alle so denken und danach handeln. Die Sprache ist es auch, die zu einem höheren Bewusstsein führt. Diese Gewissheit ermutigt, auch in Differenzen eine Haltung zu artikulieren. Hier müssen wir nicht verschreckt auseinander laufen, sondern sind herausgefordert, in den Fluss des Sagens zu kommen. Ich teile mich mit, damit der andere versteht, worum es mir geht und weshalb ich ihn erwählt hatte, sich auf sprachliches Neuland zu begeben. Konfuzius meint, dass die einen auf den Wind der Neuerungen mit dem Bau einer Mauer beantworten und andere Windmühlen bauen. Der erzkonservative Fundamentalist hat wenig Verständnis für das Anliegen, den Einzelfall zu benennen und zu besprechen und versteckt sich hinter Konventionen. Jede sprachliche Schöpfung kann Anlass zu solchen Erneuerungen sein, weil sie den Handlungsspielraum erweitert. Lesen, sprechen  und schreiben sind daher elementare Tätigkeiten, die auch einen existenziellen Status haben.  Vermutlich weiß das jeder, aber diese Fähigkeiten werden immer wieder sabotiert, was den Fortschritt im Miteinander sehr behindert. Wer geistig in Bewegung ist, der verweigert nicht die Sprache. Das tun nur die, deren Anliegen nicht rein sind; sie produzieren Sackgassen und können zum Verlust der Sprachfähigkeit bei denen bewirken, die sich frei verständigen  und vor allem in Kontakt bleiben wollen.

Auch die Wissenschaft muss ständig nach neuen Formulierungen und Begriffen Ausschau halten, damit neue Erkenntnisse unser Vorstellungsvermögen bereichern. Es gibt keine sinnlosen Sätze, sondern nur Bequeme, die den Prozess des Wandels nicht mitmachen wollen, weil sie selbst fest stecken und ihre eigene Tiefe nicht ausloten wollen. Es ist nie alles gesagt, sondern Chancen sind vertan worden, Prozesse in Gang zu setzen, die sich von Konventionen darin unterscheiden, dass neue Möglichkeiten des Diskurses erweiterte Handlungspielräume entwickeln, denen  beide Parteien zustimmen können. Die Kreativität wird dort mobilisiert, wo nichts geblockt, abgebrochen, unterdrückt oder verdrängt wird. Wir können nicht nur im eigenen Schaffen in  einen Fluss der Gedanken geraten, sondern auch im Gespräch, das sich auf ein immer höheres Niveau begibt, um dann endlich rational zu siegen über Denkmuster und Gewohnheiten aller Art, die nicht zum Erfolg führen.

Die Sprache ist Ausducksmedium. Sie vermag, Bewusstseinszustände zu erklären, zu verdeutlichen und zu kreieren. Die epigonale Haltung mag zwar Sicherheit geben, aber sie ist nicht schöpferisch. In der Bibel müsste eigentlich stehen, dass man Worte finden sollte für all die Zustände in uns, damit wir reifen und im Reifungsprozess zueinander finden. Sicher, Worte können auch verletzen. Das tun sie vor allem dann, wenn einer spricht, ohne zu denken. Wer aber nachdenkt, der kommt zu erstaunlichen Ergebnissen über sich und die Welt. Sie ist der Weg zur Selbsterkenntnis. Ich ordne und organisiere mein Inneres über die Sprache und entdecke Möglichkeiten der Übereinstimmung und der Differenz, ohne aber wieder in den Status der Sprachlosigkeit zurückzufallen, die meistens eine Art der Aggression ist, ein Ablehnen desjenigen, den man noch  nicht einmal im Ansatz verstanden hat. Es wird immer Menschen geben, mit denen wir uns nicht genügend verständigen können, aber eben auch Menschen, mit denen wir uns verständigen müssen, weil eine Begegnung mit ihnen zu schmerzhaft war und dies  zum Verlust der Sprache geführt  hat. Wer sein Leben über den sprachlichen Ausdruck bestreiten muss, ist hier besonders betroffen. Die Verweigerung der Sprache ist keine Tugend, sondern eine Art Kriegsführung der Negation. Im Grunde sind das faschistoide Haltungen, die jede symmetrische Kommunikation unmöglich machen wollen. Dieser Wille irritiert und schwächt Menschen, deren Selbst sich mit der Sprache identifiziert – verlorene Jahre des Verstummens und des Drängens in eine Rolle der Ratlosigkeit gegenüber  dem Willen zur Macht. Hier wird deutlich, dass jemand auf einem Gefälle besteht gegen die prosaischen Anliegen von Autoren. Über das Lesen und Schreiben will man hier ins Gespräch kommen, um die Quantensprünge tun zu können, die auch das eigene Leben absichern.

Wenn man bedenkt, wie viel Mühe es kostet, einen Verstummten wieder zum Denken und Reden zu veranlassen, wird deutlich, dass  wir die Fähigkeit zum Erschauen benötigen. Jeder kann den Gedanken- und Sprachfluss wieder in Gang setzen, wenn endlich die Fehlurteile wegen des Verschwindens der Sprache eingesehen werden. Sie aber ist das Therapeutikum, nämlich endlich wieder bei sich selbst zu sein. Kann ich meinen Zustand mit den entsprechenden Worten beschreiben und erklären, habe ich auch den Schlüssel für die Lösung. Worte sind keine Taten, sondern ein Tasten in die Richtung der Selbstwerdung, die man gerne mit wohlgesonnen Menschen bespricht oder sich zumindest in dem Kleid präsentiert, das wirklich zu einem passt. Das kann dann wirkliches Glück sein.

 

Der Effekt der Resonanz

Im Rahmen der Gesundheitsphilosophie spielt die Resonanz ein zentrale Rolle. Psychische Erkrankungen beruhen nicht selten auf einem Verlust der Resonanzfähigkeit zwischen Menschen. Dieser Verlust kann zu schweren Störungen führen, die, wenn man die Ursachen kennt, aber auch wieder neue Orientierung möglich macht. Hintergrund der Resonanz sind positive verbindende Energien, die befreien, inspirieren und aktivieren. Wer aus der Resonanz herausfällt, befindet sich nicht selten im Irrtum. Diese Verirrung neigt zu einem Hineinsteigern in Polaritäten, denen nichts entspricht. So verliert man die Stimmigkeit, ja sogar die eigene Wahrhaftigkeit und gerät in ein Fahrwasser des Energieentzugs. Gegensätze ziehen sich auch nur bedingt an. Eigentlich sucht man das Gleiche und Ähnliche, weil man sich nicht ständig darüber verständigen will und muss, was nun eigentlich Sache ist. Resonanz ist ein Zeichen von Gesundheit und von Menschenfreundlichkeit, die für die Weiterentwicklung gegen Stagnation gebraucht wird. Wo eine Resonanz ganz zur Polarität entartet ist, da treten nicht selten seelische Schmerzen auf, die belasten, behindern und letztlich krank machen.

Resonanzfähig werde ich, wenn ich einsehe, dass bei einem Scheitern einer Beziehung immer zwei Menschen beteiligt sind und nicht einem die Schuld zugesprochen werden kann. Wir brauchen die freundlichen Kontakte, um zu wachsen. Die Aufregung und der Ärger über Andersartigkeit schränkt die Fähigkeit zum Empfinden von Sympathie stark ein. Meistens sind es Missverständnisse, die zu einem Ausfall der Resonanz führen. Und ist uns der Mensch wichtig, mit dem wir in Resonanz standen, kann das sehr beeinträchtigen und großes Unglück bedeuten. Hohe Resonanz kann sehr beglücken, so dass der Mensch Beziehungen als sehr harmonisch und euphorisierend erlebt. Überhaupt bleiben wir unter unseren Möglichkeiten, wenn das Gesetz der Resonanz nicht wirksam ist. Dafür brauchen wir den Austausch, den Dialog, das Verstehen. Eine Verständigung zu versuchen ist Ausdruck von Gesundheit und eine sehr natürliche Ambition, für die man sich nicht entschuldigen muss. Menschen, die vorsätzlich Resonanz verhindern, blockieren auch auf anderen Ebenen wie den Erkenntnisgewinn, der gerade im Bereich Gesundheit so notwendig ist, sowie auch die Möglichkeit des Vergebens, des Verzeihens. Dafür müssen wir wieder in Resonanz treten.

Es ist nicht trivial, darüber nachzudenken, wo man aus der Resonanz herausfällt, um auch über kognitive Verzerrungen zu unangemessenen Schlüssen kommt. Resonanz kann man üben. Ihr Fehlen ist kein Schicksal. Es lohnt sich also, an die schönen Momente anzuknüpfen, um schlecht verlaufende Beziehungen und Begegnungen wieder in ein Lot zu bringen, das die Unstimmigkeiten mindert und unbedingte Freundlichkeit wieder möglich macht. Hohe Übereinstimmungen können nur dann zum Gegenteil führen, wenn zu wenig darüber nachgedacht wird, was Menschen glücklich macht: Wir wollen gehört werden. Überall wo Energieblockaden auftauchen, wird auch die Resonanz angegriffen und der Mensch fühlt sich vereinzelt und ungeborgen. Miteinander zu kommunizieren verhindert den Zerfall und die Zerrüttung. Viele psychische Krankheiten könnten geheilt werden, wenn der Mensch sich akzeptiert fühlt und so wieder emotionale Sicherheit im Umgang findet. Das Hineinsteigern in Polaritäten verursacht Verfolgungsängste. Dagegen hilft ein Bewusstsein der Verbundenheit auch in schwierigen Lagen. Die Physiognomie der Paranoia weicht so der Sympathie des Verstehens und des Mitgefühls und bleibt in der hohen Energie der Korrelationen. Einseitige Beschuldigungen haben ausgedient. Die Verbundenheit über Verletzungen wandelt sich in Freude darüber, dass man sich begegnet ist, aber den Faden der Anziehung verloren hat. Wir brauchen Worte und manchmal eben auch eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht, um an das zu erinnern, was es positiv einmal war.  Ohne Worte ist ein Miteinander nur schwer möglich. Würden mehr Menschen an dem Projekt der Verständigung mitarbeiten, gäbe es sicher weniger psychische Erkrankungen. Herzen, die in Ketten liegen, brechen irgendwann. Sagen wir also wieder ja zu denjenigen, die wir selbst verprellt haben aus Angst vor dem Verlassenwerden.

Kausaltraining

Kurt Tepperwein behauptet in seinen Vorträgen, dass es keine unheilbaren Krankheiten gibt, sondern nur Symptome, die nicht verstanden worden sind. Wir müssen also unser Problem genauestens erforschen und analysieren, wodurch wir eine Krankheit erkennen. Die Lösung müssen wir durch und in uns selbst finden, die kann ein anderer nur anstoßen. Wir werden selbst ermächtigt, wenn wir ein Problem erfasst haben und es benennen können. Hier müssen wir die Ursache-Wirkungskette verfolgen, um dann  in der Lage zu sein, durch Setzung einer neuen und affirmativen Ursache alte Muster aufzuheben. Das ist ein schöpferischer Prozess der Entscheidung. Und Entscheidungen sind Vernunft- und Verstandesleistungen. Verletzungen aber sind Gefühle, auf die der Verstand nur einwirken kann, wenn er sich mit neuen positiven Gefühlen verbindet, um die alten verletzenden überschreiben zu können. Gefühle liegen tiefer im Gehirn als Denkleistungen. Es ist also nicht ganz einfach, sich für Gesundheit zu entscheiden, wenn man die Rechnung ohne die Gefühle macht, die eine Verbindung zum Körper herstellen. Allein auf der Verstandes- und Vernunftebene können wir nichts verändern. Der tiefgreifende Wandel ist nur in Korrelation mit Gefühlen möglich, die ja auch über Gesundheit und Krankheit entscheiden.  Eine neue Ursache zu setzen für ein ganzheitlich gesundes Leben ist also ein komplexer Vorgang, den man aber erlernen kann gegen die Widrigkeiten des Lebens. Verletzungen heilen, wenn wir uns als selbstwirksam erleben und so  merkliche Fortschritte im Heilungs- und Bewusstseinsprozess machen.

Für eine vollständige Heilung müssen wir aus der passiven Opferrolle und aus dem Kreislauf der Verletzungen heraus. Wer verletzt wurde, der verletzt auch andere, wenn er sich die Bedingtheit seiner Reaktionen und Handlungen nicht bewusst macht. Die Unterscheidung von Ich und Selbst ist eine sehr hilfreiche, weil unser Selbst und das damit verbundene Bewusstsein alle Heilkraft besitzt, die dem Ich abgeht, weil es anfällig für Verletzungen ist. Unser Selbst aber weiß sich mit dem höchsten Einen verbunden. Jede Krankheit geht einher  mit einem Verlust des Bewusstseins. Darum muss bei jeder Krankheit das Bewusstsein gestärkt werden für die Heilungsenergie, die dem verletzten Menschen abhanden gekommen ist. Bewusst zugefügte Verletzungen lassen auf einen schlechten und schwachen oder einfach destruktiven Charakter schließen und müssen auch als solche verstanden werden. Wenn mich jemand absichtlich verletzt, lasse ich diesen Menschen nicht innerlich zu, sondern entwickle ein Mitgefühl für seine Schwäche und sein  dadurch determiniertes Sein. Er mag ein großes Interesse haben, Bewusstsein als Heilungskompetenz zu verhindern, weil sein eigenes Selbst tief verwundet ist und sich nicht befreien kann. Er kann nicht so leben, wie er es will, also verhindert er es auch bei anderen. Negative Gesetzmäßigkeiten müssen durch schöpferische ersetzt werden.

Kant hatte schon bemerkt, dass es die Freiheit gibt, eine neue Ursache zu setzen gegen verletzende Determinierungen, die eine Heilung so schwer machen. Diese Freiheit muss man sich fast täglich erarbeiten, wenn man erkrankt ist. Dafür braucht es nicht unbedingt viel Zeit, sondern vor allem die Tiefe der Einsichten, die auf die Gefühlsebene, auf das limbische System zurückwirken. Wenn ich Erleichterung verspüre, bin ich auch auf dem richtigen Weg. Wo noch Belastungen sind, bin ich noch nicht befreit zu mir selbst. Dieses Selbst kann nicht verletzt  werden, weil es in Verbindung mit Gott steht, dessen Liebe jeder erfahren kann, um menschliche Unzulänglichkeiten zu kompensieren. Das macht auch Joyce Meyer in ihren Vorträgen immer wieder deutlich. Man kann schlimme Erfahrungen überwinden, wenn man sich in dieser Liebe verortet und die Angreifer als Unwissende und Getriebene erkennt. Sie sind nicht mit sich selbst vereint und vergiften andere durch ihre Triebhaftigkeit, Stagnation und Nichtentwicklung. Sicher, man kann depressiv werden, weil sich die Dinge und Verhältnisse so verschlechtert haben, aber man kann auch Gründe finden für ein Gelingen hinter einem scheinbaren Misserfolg. Dafür muss man ein Sehender werden, der Konventionen und auch Werte hinterfragt, die die Wahrhaftigkeit verhindern.

Die Außenansichten anderer zu übernehmen, heißt, das eigene Selbst zu übergehen. Etwas zu wollen, das nicht sein kann, darf oder soll, macht zutiefst unglücklich bei Verlust der Autonomie.  Ich konzentriere mich also auf die Eigenkompetenz in Korrelation mit der Energie des Höchsten und bin so in der Lage, meine Defizite auszugleichen, indem ich die Belastung der schlechten Erfahrungen auflöse in einer Offenheit dem Leben gegenüber. Es ist dabei wichtig, was Kurt Tepperwein immer wieder betont, dass ich meine Berufung finde, die eben nicht in erster Linie Arbeit ist, sondern Erfüllung. Ein erfülltes Leben kennt keine Verletzungen, die letztlich doch nur auf Unwissenheit beruhen. Wenn ich erkannt habe, bin ich in der Lage, mich  zu entscheiden für eine Entlastung, die Glück wieder möglich macht. Wenn ich mir der Verbundenheit in Gott bewusst bin, finde ich einen Weg aus dem Unerträglichen, das mein Innerstes durchlöchert und die innere Festung einreißt, von der Luther immer wieder gesprochen hat. Ich schütze mein Selbst vor den Eindringlingen, die ein Interesse am Scheitern haben und Unglück für Normalität halten. Dagegen setze ich meine Schöpferkraft und erhelle damit auch das Unbewusste, das nur reagiert, aber nicht im Sinne der Einsicht agiert gegen unschöpferische Verhaltensweisen anderer Menschen. Wenn mich einer schlecht macht, muss ich ihn nicht schlecht machen, sondern entscheide mich für das Gute, das meistens aus Missverständnissen heraus verschleiert wurde. Diese Einübung der Selbstermächtigung auch gegen schwere Erkrankungen ist zu jeder Zeit möglich, auch wenn andere die Mitwirkung verweigern.  So löse ich die Verletzungen auf, damit sie ihre Macht verlieren und ich wieder bei mir selbst ankommen kann. Das wahre Selbst kann kein Mensch verletzen.

Paradigmenwechsel

 

Jeder Paradigmenwechsel ist auch ein Wechsel der Perspektive.  Man kann lernen, Dinge von einer anderen Seite aus zu sehen, wenn wir uns entwickeln oder neue Prämissen und Werte  für eine Haltung finden.  So ist die Bewusstseinsarbeit keine Psychoanalyse, die in Relation zu den freudianischen Annahmen steht und die Übertragung beabsichtigt, die aber dann meistens wieder therapeutisch überwunden werden muss. Die Bewusstseinsarbeit kommt ohne den Therapeuten aus und bezieht sich auf die Möglichkeiten der Selbsterkenntnis, für die man niemanden braucht. Aber  eine gute Introspektion ist notwendig. Die Annahme, nur ein Gegenüber kann die Wahrheit ans Licht bringen, ist einfach falsch. Der Dialog mag gewisse Anteile erhellen, aber die Wahrheitssuche ist ein Prozess der Anschauung des Selbsts, die für jedermann mit Bildung und religiöser Orientierung möglich ist. Letztlich ist die Psychotherapie hierarchisch, man traut dem Klienten oder Patienten nicht viel zu, sieht ihn als Gefangenen seines Denkens und Empfindens. Sicher, meistens sind es verhärtete Standpunkte, die aber durch tiefe Einsichten aufgelöst werden können. So manche verfahrene Situation beruht auf ichhaften , subjektiven Regressionen, die aber erkannt und überwunden werden können. Ich und Selbst sind nicht dasselbe. Das Ich will Recht behalten, will sich gegen andere durchsetzen, anstatt die Situation zu harmonisieren, damit sich jeder verstanden und respektiert fühlt. Aber auch die Grenzen eines Menschen müssen akzeptiert werden. Die virulente Ursache-Wirkungskette kann durch wahrheitsmäßige Einsicht umgewandelt werden, auch durch die Übernahme von Verantwortung und das Setzen einer neuen Ursache, die aus dem traumatisierenden Kreislauf herausführt.

So konnte die Haltung eines Menschen nicht verstanden, nicht nachvollzogen werden, weil die eigenen Absichten gut  und gesund waren, aber von einem Beteiligten nicht erkannt worden sind. Der befand sich im Konflikt und hat sich zurückgenommen, was als Affront missverstanden wurde und zu einem Entzug des Selbstbewusstseins geführt hat bei Handlungsunfähigkeit und Rückzug aus der normalerweise doch schützenden Institution (z. B. einer Universität). Heute kann man verstehen, was Menschen nicht leisten konnten, weil man selbst gewisse Haltungen nicht umsetzen konnte, eigentlich ohnmächtig dem Abstieg in die Verständnislosigkeit zusehen musste. Dabei hätte es gute Möglichkeiten gegeben, eine verfahrene Situation wieder ins Gleis zu bringen, um so das Schlimmste zu vermeiden. Aber das setzt immer Selbstvertrauen voraus und eine klare Orientierung, die wir auch in der Selbsterkenntnis brauchen. Es gilt, die eigene Begrenzung und Beschränktheit zu erkennen, um der Wahrheit wieder Raum zu geben, die heilt und die tiefen Wunden schließt, die aber vor allem wieder Möglichkeiten der Verständigung eröffnet. Wo etwas heillos verfahren ist, tritt die ordnende Kraft der Zuneigung und des Verständnisses. Jede Herabsetzung ist ein Rückschritt im Miteinander. Der innere Friede kann so nicht erreicht werden, der aber spielt bei jeder Heilung eine große Rolle.  Wenn der Grundkonflikt von Abstoßung und Anziehung (Resonanz) nicht aufgelöst wird, droht der Rückfall und Verirrung ist die Folge. Was  verwirrt, ist der Totalentzug von Auseinandersetzung, der Versuch, einen anderen zu blockieren in der Selbstfindung und in seiner Bemühung um Restauration. Die  mag banal aussehen, ist aber in Wahrheit harte tägliche Arbeit. Und im Zweifelsfall entscheidet die Bibel über richtig und falsch. Sie kann eine Therapie ersetzen, wenn man sie verstanden hat.

Auch Carl Wickland (1861-1945) hält es als Psychiater für möglich, dass fremde Seelen einen Menschen besetzen können, der medial veranlagt ist und/oder den seelische Erschütterungen immens geschwächt haben. In Dreißig Jahre unter  den Toten (1957) versucht er anhand seiner medial veranlagten Frau diese These zu verifizieren. Ganz unmöglich ist seine Erkenntnis nicht, denn wer an die Unsterblichkeit der Seele glaubt, kann sich auch solche Besessenheiten vorstellen. Seelen, die Störenfriede sind und Seelen, die helfen wollen, können sich demnach in einem Geist manifestieren, der dann aber meistens die Orientierung verliert und als psychisch krank gilt. Hier hilft aber kein Exorzismus, sondern die Stärkung des wahrhaftigen Selbsts, um sich durchzuhalten, auch wenn die Umstände schwierig sind. Es muss gelingen, wieder ganz bei sich selbst zu sein, um das Eindringende fern zu halten.  Dafür darf man nicht gegen einen Teil in sich ankämpfen, sondern sollte wohlwollend das gelten lassen, was Menschen verbindet und zum Austausch drängt. Die energieraubende Haltung der Antipathien schwächt  und der Mensch beraubt sich seiner Selbstheilungskräfte gegen das eigene verirrte Unbewusste oder auch Überbewusste möglicherweise in Kontakt mit anderen Seelen, die es gut meinen gegen ungebetene Eindringlinge, die weiter streiten wollen. Man muss nicht überall einer Meinung sein, aber man muss bereit sein, der Wahrheit immer mehr Raum zu geben gegen Spaltungen aller Art. Wo Spaltung ist, da ist auch die Unehrlichkeit nicht fern. Und Glück im Unfrieden ist eben auch nicht echt. Verstehen und Selbstverantwortung sind geeignete Maßnahmen gegen das Phänomen psychische Erkrankung, in der man oft genug nur ohnmächtig wird und sich auf die Anklage kapriziert.

 

Behaviorismus

Es gibt immer wieder Versuche, durch empiristisches Denken das menschliche Schicksal zu verändern. Wir wollen uns aber nicht nur verändern, sondern wir sehnen uns nach ganzheitlicher Heilung. Dafür brauchen wir aber die Metaphysik und die Spiritualität. Beides entdeterminiert und eröffnet freiheitliche Daseinsmodelle.  Die Tendenz, Therapien zu verwissenschaftlichen, beraubt den Menschen seines höchsten Vermögens der Transformation durch Entbindung von Mechaniken und damit der Überwindung des Reiz-Reaktionsschemas, dem das Tier weitgehend ausgeliefert ist. Es ist nicht plausibel, dass die Veränderung von Reiz-Reaktionsmechanismen Heilung verschaffen soll, dies auch gar nicht kann, weil Glück eben nicht ein Resultat dieses Prinzips ist, sondern die Erfahrung von Freiheit und Selbstbestimmung. Das Selbst ist also vielmehr als eine Befriedigung von Trieben. Es denkt und will verstehen. Lust und Unlust sind empiristische Reaktionssweisen, die den nicht denkenden Menschen charakterisieren. Der rationale Mensch bedarf der Metaphysik, um sich selbst ganz erfassen zu können und um sich nachhaltig verändern zu können.

Die Erfahrungswissenschaften können nur einen Teil in uns ansprechen, decken aber nicht das ganze Spektrum unseres Daseins ab. Die Metaphysik überwinden zu wollen, bedeutet, den Menschen einzuengen und ihn auf den Status eines Tieres festzulegen. Sein wahres Menschsein zeigt sich aber erst in seinen freiheitlich-metaphysischen Kompetenzen, indem diese weit über ein Reiz-Reaktionsprinzip hinausweisen. Jeder kann sich zwar neu konditionieren bzw. programmieren, erfährt hier aber keine Heilung und kein inneres Wachstum. Er bleibt in einem einfältigen Mechanismus befangen. Gerade die Befreiung von mechanistischen Bedingtheiten ermöglicht nachhaltiges Glück und damit auch Heilung. Weder Soziologie noch Psychologie noch empiristische Philosophie beinhalten diese Erfahrung von Glück und Heilung. Die Überwindung von Kausalitäten birgt also diesen Befreiungsimpuls, an dem wir lebenslang arbeiten und uns teleologisch ausrichten. Wir dürfen davon ausgehen, dass wir unsere Seele befreien können auch von schlechten Erfahrungen, die nebensächlich werden, wenn wir uns von höheren Standpunkten aus betrachten.

Wir brauchen also die Metaphysik, um neue Möglichkeiten zu generieren und um  uns aus dem Korsett der scheinbaren Notwendigkeiten zu befreien.  Unsere Vorstellungs- und Gedankenwelt ist deswegen nicht irrational. Ich erweitere meinen Horizont auf das Mögliche und begrenze nicht auf das faktische Reale, das nur in den faschistoiden Fatalismus führt und Menschen sehr unglücklich und unzufrieden macht, was gesellschaftliche und psychische Konsequenzen hat. Die soziale Realität ist nur ein kleiner Baustein, der gegen ein begründendes Denken nur wenig Bestand hat. Ich entscheide, was mich prägt und bedingt und was mich befreit, so dass sich mein Geist öffnen kann für die Möglichkeiten des Seins. Ich kann meinen Geist befreien, er ist nicht das Produkt meines Gehirns, das mechanistischen Prinzipien folgt. Ohne dieses Wissen und ohne diese Erfahrung erfasst der Mensch nicht seine Daseinsmacht und -kraft. Erst aus der Verbindung mit einem universellen Geist werde ich ganz Mensch und befinde mich im Zustand der Einwirkung auf mein Selbst aus einem freiheitlichen Impuls heraus. Diese Transformationsmacht erhalte ich auch durch einen Glauben an einen Gott, der nur dann wirksam werden kann, wenn ich ihn auch gedanklich antizipiere. Ohne diese Verankerung bleiben meine Bemühungen, mich aus der Misere der Bedingtheiten zu befreien, fruchtlos. Wenn Alain Ehrenberg also von der Mechanik der Leidenschaften (2019) spricht, empfindet man solches Denken eher  als einen Rückschritt im therapeutischen Kontext. Auch ein Nutzen von rein mechanistischer Denkweisen ist nicht erkennbar. Ehrenberg betont, dass ein Leid oder eine psychische Erkrankung nicht nur Handicap ist, sondern in einem Trumpf, in eine individuelle Befähigung verwandelt werden kann. Kognitive Verhaltensübungen kann man als notwendige Bedingung erachten, aber nicht als hinreichende. Die individualistische Potentialentfaltung hat immer auch eine soziale Dimension. Ehrenberg geht allerdings von einer neuronalen, psychen und sozialen Identität aus. Wenn ich aber über mein mechanisches Gehirn entscheiden kann, überwinde ich diese Determinierung und bin nicht identisch mit meinem Gehirn. Selbstkontrolle und Selbstregulation können eine Veränderung und einen Wandel bewirken, weil es sich um eine unabhängige Entität handelt. So weit geht Ehrenberg in seinem Buch nicht. Leid ist eine Mechanik, die ich überwinden kann.

Alain Ehrenberg: Die Mechanik der Leidenschaften. Berlin 2019

Der Hochstapler

Wir erkennen den Hochstapler daran, dass er Entwicklung und Wahrheitsfindung ablehnt, denn sein Metier ist die Täuschung und die Selbsttäuschung bzw. die Selbstlüge. Er kann auch zwischen Lüge und Wahrheit nicht differenzieren, weil sein Dasein ein unechtes ist, das bei genauem Hinsehen keiner Prüfung standhält. Der Hochstapler gewinnt überall dort Land, wo nicht richtig durchgeblickt wird oder sich Menschen finden, die sich täuschen lassen, weil sie den Impetus der Täuschung gar nicht antizipieren. Hintergrund der Täuschung ist völlig fehlende objektive Selbsterkenntnis in Verbindung mit der Unfähigkeit zur Selbstkorrektur. Das Ego ist dermaßen falsch aufgebläht und falsch stabilisiert, dass eine korrigierende Besinnung keine Chance hat. Hier werden andere Menschen instrumentalisiert, um das falsche Selbstbild zu bestätigen. Eigentlich ist es ein tiefes Minderwertigkeitsgefühl, das hier kaschiert werden soll, denn es ist für den oft narzisstischen Autisten unerträglich, in den Spiegel zu sehen, sich selbst als das zu begegnen, was er ist mit der Chance auf gesundes Wachstum, das zu entsprechenden Maßnahmen führen könnte. Doch von Realität hält er nichts. Dabei geht es ja nicht um Fatalismus, sondern um die richtige Einschätzung für einen Wandel im Bewusstsein und um ein Loslassen des Falschen und Unpassenden oder des sich Sperrenden.

Das gute Urteilsvermögen hängt davon ab, wie gut sich der Mensch selbst einschätzen kann. Allmachtsfantasien und Größenwahn schleichen sich dort ein, wo keine höhere Macht anerkannt wird, sondern sich der Mensch absolut setzt. Der Schatten, die Schwächen werden ausgeblendet und durch eine einseitige Sicht auf die Dinge des Lebens kompensiert. Dieser Mensch lebt nicht in der spirituellen Fülle der Wahrheitssuche, sondern in dem Existenzial der Lüge. Somit kann er auch nicht in eine wahrheitsorientierte Kommunikation eintreten, der Dialog gestaltet sich hier schwerfällig und energieraubend, denn seine Entlarvung wäre gleichzeitig sein Untergang. Also hält er fest am Paradigma der Unwahrheit und lebt in einer hermetischen Welt als Wille und Vorstellung, die in großem Kontrast zur Außenwelt vor sich hindämmert. Anziehend findet er die esoterischen Gedanken, die eben ein Ausweichen vor der Realität möglich machen. Er ist hier nicht gezwungen, sein Selbstbild zu revidieren. Menschen mutieren hier zu Statisten eines unwahrhaftigen Selbstbewusstseins gegen eine gewisse Illegalität und führen beim Hochstapler zu einem Veitstanz der Hysterie beim Erwähnen und Ermahnen zu einer Orientierung am Göttlichen. Hintergrund und Vordergrund sind nicht kohärent.

Man erkennt ihn am fehlenden gesunden Menschenverstand. Zwar bedient er noch die Anforderungen einer vordergründigen Denkfähigkeit, aber scheut die Tiefe des Denkens in seiner demaskierenden Funktion. Das Licht der Erkenntnis blendet ihn lediglich, denn innere Entwicklung und Reifung stehen ihm fern. Seine Teleologie ist die egozentrische Icherweiterung bzw. Selbstverherrlichung, die einer gesunden spirituellen Selbstentwicklung entgegensteht, die zu wahrem inneren Wachstum und Erfahrung von Sinn führt. Das energetische Niveau ist das der Ausbeutung, denn unmögliche Synergien hemmen den Austausch. An diese Stelle treten dann obsessives eingeschränktes Denken, das den Perspektivenwechsel nicht zulässt und als ein inneres Gefängnis den Blick trübt. Der Hochstapler ist Sinnbild für eine verfehlte Existenz, dessen Selbstausdruck nicht gelingt. Der Anschein von Tugend ist hier die Waffe der Abwehr jeder Kritik. So schafft er sich eine Festung aus Selbstbetrug und Verfehlung des eigenen Daseins.