Neue Werte der Verfeinerungen und Veredelungen

Viele suchen nach Antworten in der Vergangenheit, um die entstandenen Probleme zu lösen. Aber es bedarf neuer Werthaltungen, um eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

Es wurde nicht alles schon einmal gedacht, sondern vielleicht mal eben angedeutet, aber nicht ausdifferenziert. Die Bewusstseinswissenschaften, die keinesfalls verschult werden dürfen, sondern höchstmögliche Offenheit für uneingeschränkte Möglichkeiten etablieren sollten gegen die Tendenzen von Wissenschaften festzulegen und zu indoktrinieren. Die Kombination von Rationalität, Intuition, Kreativität, Erfahrung und Spiritualität erschaffen ein neues Feld der Intellektualität und damit gleichzeitig ein neues Spektrum an Gestaltung und Handlungsmöglichkeiten. Faktisch bewegen wir uns gesellschaftspolitisch eher in einer Sackgasse und Zwickmühle, was man deutlich an den Entwicklungsländern sehen kann, die nicht in den Klimaschutz investieren können und wollen, denn der verursacht Kosten, weil sie durch uneingeschränktes Wirtschaftswachstum vor allem die Armut bekämpfen wollen. Wir alle wissen, was Mangel nach sich zieht: soziale Unruhen, Kampf um Ressourcen, Kriminalität, Feindseligkeit und unsägliche Konkurrenz sowie Ungerechtigkeiten.  Eine globale Übereinkunft gibt es zurzeit nicht, Entwicklungsländer machen also dieselben Fehler, um den Lebensstandard zu erhöhen auf kosten der Umwelt und auf kosten auch der Gesundheit von Menschen. Dieser Zusammenhang ist nicht deutlich geworden, weil wir Wohlstand und Glück an Materielles gebunden  haben, das im Überfluss vorhanden sein soll. Den westlichen Ländern ist das rechte Maß abhanden gekommen und dies wird eben weiter globalisiert, anstatt inne zu halten und sich zu fragen, wie eigentlich ein Leben aussehen könnte, dass in Liebe zu Tieren, Pflanzen, Umwelt und Planeten aussehen könnte. Es ist ein destruktives Leben, das andere nun einfach nachahmen, weil in den westlichen Ländern keine neuen Werte erarbeitet worden sind, die jenseits von Mangel doch einen Suffizienzgedanken entwickeln könnten bei einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit, die in der Lage ist, die Schäden, die sie verursacht, auch wieder zu beseitigen und qualitativ hochwertige Produkte auf den Markt bringt, einen Kreislauf der ökologischen Produktivität schafft.

Jeder kann die Destruktivität überwinden

Mittlerweile wissen wir, dass wir subtile energetische Felder um uns herum aufbauen bzw. aufbauen können, die in das Ganze hineinwirken und es auch so mitgestalten,und die uns zu einer besonderen Verantwortung veranlassen. Wir sind also aufgerufen, die destruktiven Momente in einer Gesellschaft zu mindern, indem wir immer feinsinniger und feinstofflicher werden – gedanklich sowie körperlich und damit sensitiver miteinander, mit Tieren, Pflanzen und der Umwelt umzugehen erlernen. Jeder trägt hier die Selbstverantwortung. Diese Verfeinerungen und Veredelungen, wie sie Claus Eurich nennt, führen zu einer bewussteren Gestaltung und Entfaltung, die sowohl Rücksicht auf die eigenen gesundheitlichen Belange als auch auf die der anderen nimmt. Dieses zunehmende Bewusstsein dahingehend, was ich wirklich brauche und was mich wirklich beglückt, bezieht ein supramentales Wissen mit ein, das mir nur zur Verfügung steht, wenn ich mich nicht andauernd ablenke und zerstreue durch Vergnügungen aller Art, sondern der Stille und Kontemplation eine Chance gebe, mediale Durchsagen zu erhalten. Ich kann es lernen, dem Universum zu lauschen und seine Informationen zu verstehen. Dafür bedarf es der Verfeinerung der Sinne bis ins Übersinnliche hinein. Dieser Evolutionsdruck ist mehr als deutlich und wir tun gut daran, uns hier zu besinnen, denn die Wirtschaft wird sich nicht aus eigenen Stücken transformieren. Vielleicht müssen wir neue Formen des Zusammenlebens finden, um  mehr Erfüllung im Dasein zu erreichen, die den unersättlichen Konsum ersetzen könnte durch eine lebensdienliche Qualität des Kooperierens und Kommunizierens bzw. Experimentierens für neue Gestaltungsmöglichkeiten. Vereinzelungen des Menschen ersetzen oft die Medien als letzte Instanz und Fenster zur Welt. Vereinsamende ältere Menschen und Generationenkonflikte gehörten der Vergangenheit an, denn man lebte wieder zusammen und respektierte sich, arbeitete am gemeinsamen Entwickeln neuer Fähigkeiten und Potenziale.

Wir müssen wieder in Verbindung treten

Die Gesellschaft derzeit  ist keine Einheit, kein Arbeiten an gemeinsamen Zielen. Sie divergiert immer stärker und führt zu unheilvollen Trennungen bzw. Abspaltungen. Die Bewusstseinswissenschaften haben zwar erkannt, dass alles  miteinander in einem Zusammenhang steht und dort, wo Menschen sich verfehlen, aus der Verständigung herausfallen, schlimmste Konsequenzen entstehen in gesundheitlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Zu denken, es käme hier nicht so darauf an, ist ein Fehlschluss. Jede Verfehlung aus meistens Unwissenheit und Uneinsichtslosigkeit heraus hat Wirkungen auf das Ganze. Wer sich um Konstruktivität und Verständigung bemüht, um unnötige Verletzungen, Blockaden und Determinierungen zu verhindern, trägt viel zum Frieden und zur Freiheit aller bei. Dafür bedarf es immer einer ausgeprägten Selbstreflektion und Erkenntnissen von Zusammenhängen, in denen wir alle stehen und denen wir nicht entkommen können. Eine spirituelle Orientierung ermöglicht tiefste Einsichten in unser eigenes Leben und in das Miteinander. Manchmal scheitern Verbindungen, weil sie keine sind. Gerade hier muss man sich fragen, wo eigentlich der gemeinsame Nenner oder die Gleichgesinnung liegen könnte oder eben auch nicht. Letztlich sind wir alle aufgerufen, uns an gemeinsamen Werten zu orientieren, die ein Überleben auf diesem Planeten ermöglichen. Manch einer begreift es nie, andere brauchen sehr lange, um zu verstehen, viele arbeiten aber schon an der Verfeinerung ihrer Sinne und verzichten auch auf alles Gewalttätige in ihrem Leben und in der Kommunikation wie auch auf das Schlachten von Tieren etc. All diese Entscheidungen wirken in uns hinein und aus uns heraus und schaffen nach und nach ein Klima der Friedfertigkeit, auch wenn wir nicht in allem einer Meinung sind. Wenn diese Bedingungen nicht erarbeitet werden können, bleibt das Damoklesschwert der Destruktivität über allen Gedanken und Handlungen bestehen und die Gesellschaft degeneriert weiter wie auch der Einzelne und die Kultivierung seiner Unfähigkeiten. Dennoch muss eine zunächst doch weitgehend abstrakte Verbundenheit bleiben, die irgendwann wieder im Konkreten gelebt werden kann, wenn die inneren Transformationen gelingen.

Claus Eurich: Endlichkeit und Versöhnung. Minima Spiritualia. München 2022

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*