Freiheit

Dass es immer noch Leugner der Freiheit gibt auch im Bereich der Neurowissenschaften, ist eigentlich kaum verständlich, denn wir haben aus der Medizin immer wieder die Bestätigung, dass über willentliche Maßnahmen der Organismus verändert werden kann. In der Folge heißt das auch, dass selbst der Körper nicht durchgehend determiniert ist, obwohl er den Gesetzen der Kausalität unterliegt. Schon Kant wusste um die Kausalität aus Freiheit, die den Menschen zum Menschen macht, indem er sich entscheiden kann, zum Beispiel etwas für seine Gesundheit zu tun. Wir sind selbst in der Lage, über die Epigenetik Einfluss auf die Genexpression zu nehmen. Der innere Arzt ist also in uns angelegt und der Widerspruch zwischen res extensa und res cogitans ist nicht so groß, wie wir ständig denken. Der Organismus ist dann ein offenes System, wenn ich mir der Freiheit bewusst werde, auf ihn einwirken zu können und Vorgänge dadurch beeinflussen kann. Gesundheit ist also an dieses Geistbewusstsein von Freiheit gekoppelt. Und für dieses Bewusstsein kann ich täglich etwas tun, damit diese Einflussnahme weiter zunimmt. Ohne Freiheit wäre das kaum möglich. Und die Willenskräfte unterliegen auch dieser Übung, Freiheit als Aufgabe zu verstehen. Freiheit ist also mit unserem Denken, mit dem Geist  verschränkt, durch den ich die Macht der Freiheit erkenne und ausübe.

Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Auch unser Glücksempfinden hängt von einem Bewusstsein der Freiheit ab. Wer sich nur Zwängen ausgesetzt sieht, der verliert jedes Glücksgefühl.  Der Mensch braucht also einen inneren Raum der Freiheit, in den niemand eindringt, den niemand zerstören oder verletzen kann. Wer sich diesen inneren Raum sichern kann, der bleibt auch in schweren Zeiten gesund. Hier in Verbindung mit einer höheren Energie  zu sein schützt vor der Angst, nicht freiheitlich handeln zu können. Sicher, es gibt Pflichten, aber die dürfen nicht diese innere freiheitliche Verfassung tangieren. Dessen scheint sich die Politik nicht immer bewusst zu sein, wenn sie Zwänge auf Menschen ausüben will und Menschen unterstellt, sie würden sonst nichts mehr tun. Es gilt aber angesichts dieser freiheitlichen Verfassung,  den Menschen  zu respektieren und intrinsische Konzepte zu erarbeiten, die dem Einzelnen gerecht werden. Wer sich nicht mehr als frei empfindet, wird krank, kann seine Probleme nicht mehr kompensieren und verliert seine natürlichen Kräfte und auch Selbstheilungskräfte.  Freiheit und Energie hängen eng zusammen und müssen vor allem dort gestärkt werden, wo sie bezweifelt werden. Wer sich als unfrei erlebt, verliert in gewisser Weise sein gesundes Menschsein. Innere Freiheit ist an keinen konkreten Raum gebunden und kann auch Teil eines tiefen Glaubens sein, eben als Schöpfung frei zu sein und sich auch weiter befreien zu können von Belastungen aller Art, um zu höchster Energie der Transformation zu kommen und damit auch immer zu sich selbst. Ein Selbstsein, um mit anderen zu sein und für andere da zu sein: Ohne Ich kein Wir.

Es grenzt nicht an Wunder, wenn Menschen hohe Energien entwickeln und sich aus determinierenden Problemen wieder herausarbeiten. Auf ein Wunder haben wir keinen Einfluss, es unterliegt der Gnade. Wir möchten aber wissen, wie wir aus eigenem Vermögen der Schwerkraft entkommen können. Emergenz ist die Überwindung des determinierten Selbsts und für diese Emergenz brauchen wir die Freiheit. Viele Krankheiten könnten allein durch ein Bewusstsein dieser Freiheit wieder geheilt werden. Das kann kein anderer Mensch für uns leisten, das müssen wir selbst vollziehen. Deshalb ist es so wichtig, Freiheit als etwas zu erkennen, was Heilung ermöglicht. Wer dazu spirituelle Energie mobilisieren kann, hat es leichter, denn nichts steht zwischen Mensch und Gott bzw. dem Geist Gottes, der zu meinem Geist wird, wenn er sich als frei begreift. Diese göttliche Energie bedeutet Glückseligkeit, also die Erkenntnis von Sinn und Hoffnung gegen die vielen Irrtümer und gegen das Unvermögen von Menschen, die ihr Freiheitsbewusstsein verloren haben. Niemand kann mich also zwingen, etwas zu tun, was ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Dieses Gewissen braucht eine heilige Dimension und die findet der Mensch im spirituellen Denken, das sich seiner Freiheit ganz bewusst ist und dadurch genesen kann. Diese Freiheit erarbeiten wir uns täglich und auch immer wieder, wenn sie unterzugehen droht. So ist es einer der höchsten Wahrheiten zu sagen: Ich bin frei und ich kann mich jeder Zeit zu einem Neuanfang entscheiden, wenn das alte Korsett zu eng und zu beschwerlich geworden ist.  So kann man auch Fehler, die man als Mensch nun einmal macht, auch leichter verkraften. Sie verlieren ihre Virulenz angesichts der Freiheit durch Einsicht auch gegen dubiose Gefühle, die oft in die Irre führen, denn die sind eben sehr subjektiv. Freiheit ist auch die Fähigkeit zu objektivieren, verschiedene Perspektiven einzunehmen und die Beschränktheiten anderer nicht zum eigenen Problem werden zu lassen. Der freiheitliche Geist bewegt sich aus solchen Gefängnissen heraus und möchte initiieren und nicht in unerlöste und dunkle Gedankengebäude einsperren.

Der voll und ganz entfaltete Mensch lebt also mit einem erlösten Körper, dessen Bedürfnisse dem Geist keine Vorschriften mehr machen. Den Körper erlösen kann nur der Geist.

Thomas von Aquin: De beatitudine (Über das Glück). Hamburg 2012

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