Antistressverordnung

Der Psychoneuroimmunologe Christian Schubert hat den Zusammenhang von schweren Erkrankungen und Stress erforscht.  Er analysierte soziokulturelle Veränderungen und Ereignisse wie z.B. die Finanzkrise, die das Immunsystem von Menschen negativ beeinflussen können über sogenannte Top-down- und Bottom-up-Prozesse. Der systemtheoretische Ansatz bezeugt die Wirkung von komplexen Systemen auf weniger komplexe Systeme und umgekehrt. Wie Wahrnehmung auf unser Denken einwirkt, ist weiterhin ungeklärt. Die Tatsache, dass es eine Korrelation gibt, ist aber unbestritten. Bei Stress als mentalem Zustand spielt die Erfahrung der Ohnmacht eine große Rolle. Erlebe ich Prozesse und Entwicklungen als nicht beeinflussbar, entsteht existenzieller Stress, der Gehirn und Körper erheblich schädigt. Die Psychosomatik geht davon aus, dass Körper und Geist eine Einheit bilden und nicht zwei voneinander getrennte Entitäten sind, die aufeinander wirken. Den Dualismus hat man aufgegeben, weil man nur über die Quantentheorie erklären kann, wie der Geist auf den Körper wirken könnte. Das scheint vielen nicht auszureichen bzw. es wird bestritten, dass wir ein Quantengehirn hätten. Deshalb wurde der Dualismus angezweifelt. Sind Körper und Geist aber eine Einheit, ein wesensmäßiges Ganzes, dann kann man nicht erklären, wieso über Meditation, d.h. über eine freie und willentliche Maßnahme,  das Gehirn verändert werden kann. Ich muss also eine unabhängige Kraft voraussetzen, die auf den Körper einwirkt. Dass es so ist,  hat Richard Davidson weitgehend bewiesen. Damit steht die Identitätstheorie im Verdacht, etwas zu vereinfachen, was doch komplexer ist.

Ob nun eine Identität von Typen oder von Token (Identität der Vorkommnisse, wie Donald Davidson annimmt) ist dabei egal. Die Identitätstheorie hat ihre Mängel. Descartes hatte deswegen von unterschiedlichen Entitäten (res extensa und res cogitans) gesprochen, die aufeinander einwirken, aber eben auch eine  spezielle geistige Energie und ein Vermögen voraussetzt, das beeinflusst und verursacht, d.h. das nicht determiniert ist. Freiheit ist unter den Bedingungen der Identität kaum denkbar, denn der Körper ist weitgehend determiniert und kann nur durch den Geist initiiert werden, nicht aber wieder durch körperliche Ereignisse und Vorgänge. Meditation kann auf die Entzündungsprozesse durch Stress auf den Körper Einfluss nehmen wie auch alle Gefühle des (geistigen) Glücks, wie es sich  im Flow manifestiert, der bis in die Epigenetik hineinwirkt. Wir sind nur dann in der Lage, unseren Körper zu steuern, wenn wir dem Geist dafür die Macht geben und diese Mächtigkeit auch entsprechend befördern. Das gelingt nur unter Stresslosigkeit. So lässt sich Resilienz auch trainieren, ist also  keine angeborene Fähigkeit. Die Identitätstheorie lässt keinen Raum für den freien Willen, durch den wir Dinge realisieren und uns selbst und unsere Einstellungen verändern. Aber dieses Zusammenwirken ist eben anfällig und wird durch Stress außer Kraft gesetzt.

Die IG Metall wie auch die Linken und die Grünen wollen eine Umsetzung einer Antistressverordnung, weil zu viele Menschen durch Stress und vor allem durch existenziellen Stress zum Teil schwer erkranken. Diese Einwirkungen sind kaum zu steuern und können das gesamte organische und mentale System aushebeln. Der Mensch sollte intrinsisch motiviert sein gegen eine unverantwortliche Zulassung von Stressoren, die den Arbeitenden antreiben sollen, Höchstleistungen zu bringen. Will ich, dass Menschen gut und zuverlässig arbeiten, muss ich sie eigentlich nur entsprechend gut bezahlen und motivieren, anstatt ein Angstsystem zu etablieren, das Menschen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt. Existenzieller Stress ist auch nicht durch Bewusstseinsarbeit reduzierbar, da hier eine Grenze überschritten wird. Die Grundlagen des Seins dürfen nie zur Disposition stehen und damit wäre dann auch ein rechtlicher Schutz vor Existenzbedrohungen eine Notwendigkeit.  Der Mensch kann sich gegen Stress nicht immunisieren. Darauf muss die Politik auch gegen wirtschaftliche Interessen endlich Rücksicht nehmen und Menschen vor schweren Schädigungen schützen, so dass Stressverursachung ein einklagbares Vergehen wird. Stress ist eine Form von struktureller Gewalt und muss deshalb in einer Gesellschaft als das zu Vermeidende begriffen werden, denn die Folgen wie Arbeitsunfähigkeit sind für den Betroffenen wie für die Gesellschaft schädlich. Fortschritt im sozioökonomischen Bewusstsein erlangen wir aber nur über Rechte, die den Einzelnen in seiner Gesundheit bestärken und schützen.

Christian Schubert, Madeleine Amberger: Was uns krank macht, was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin. Münderfing 2016

Human-holistic-health-project – ganzheitliches Heilen

 

Die Gründung einer gemeinnützigen Organisation für ganzheitliches Heilen – human-holistic-health-project – richtet sich vor allem an Menschen, die unter mentalen Erkrankungen leiden und wenig Geld haben. Sicher, Geld ist manchmal auch eine Erleichterung, aber die Gründung einer Stiftung ist bisher nur angedacht. Zunächst sollen aber die Maßnahmen thematisiert werden, die jeder auch ohne Vermögen vornehmen kann, um seine gesundheitliche Lage zu verbessern und mehr Lebensqualität zu erreichen. Die Schulmedizin unternimmt in dieser Hinsicht so gut wie gar nichts und die derzeitige Politik hat wieder begonnen, Menschen mit mentalen Erkrankungen extrem zu stigmatisieren und zu diskriminieren. Hintergründe sind ein negatives Menschenbild und horrende Vorurteile, die wegen einer menschenfeindlichen Politik eher wieder zunehmen. Hier war  man in den 70er Jahren schon sehr viel weiter. Gegen Rückschritte hilft nur die Aufklärung und eine massive Gegenbewegung auch gegen die Vorherrschaft der Pharmaindustrie, die ein erhebliches Interesse daran hat, Menschen einseitig und schädigend zu behandeln. Medikamente können kurzfristig helfen, sind aber nicht die Lösung des Problems. Auch die Psychotherapie ist hier weitgehend negativ infiziert und nicht bereit, entstandene Probleme intensiv durchzuarbeiten. Betroffene werden schlichtweg oft nicht ernst genommen.

Das human-holistic-health-project soll helfen, wieder ein neues Selbstbewusstsein aufzubauen, ohne dass eine Überwindung dieser Krankheiten kaum möglich ist. Keiner der Betroffenen ist selbst schuld an seiner Erkrankung. Es sind Verletzungen, zu viel Stress, zu viel Gewalt in unserem Leben, auf das manche Menschen sensibel reagieren. Sie sind die Seismographen für Fehlentwicklungen in Politik und Gesellschaft. Wir können also viel von ihnen lernen, wohin sich eine Gesellschaft besser nicht entwickelt. Mental kranke Menschen werden durch rücksichtsloses Verhalten extrem chronifiziert und damit in gewisser Weise abgeschrieben. Wer sich gegen eine reine Einnahme von Medikamenten wehrt, gilt als unbelehrbar. Dabei hat jede Erkrankung einen Grund, der sehr virulent sein kann und der behoben werden muss. Dafür sollte der Betroffene primär diese Arbeit in die eigene Hand nehmen und sich nicht auf andere verlassen. Die Bewusstseinsarbeit kann mit anderen im Dialog oder auch alleine bewältigt werden, indem man sein Problem klar erkennt und in Worte fassen kann. Dies kann er also schriftlich tun oder auch im symmetrischen Gespräch. Was für den Einzelnen traumatisch gewesen ist, beruht auf einem subjektiven Erleben, das nach und nach objektiviert werden kann, wenn der Kern des Problems erfasst wurde. Dies kann jeder für sich leisten, denn er steht sich selbst am nächsten und besitzt dieses Wissen über sich. Dass solche Probleme nur in einer Therapie zur Sprache kommen können, ist ein Vorurteil.

Die Bewusstseinsarbeit ist ein Teil der Philosophie und der Psychologie, wobei auf Pathologisierungen weitgehend verzichtet werden sollte, denn eine Diagnose ist kein Existenzial, sondern eine zum Teil unannehmbare Simplifizierung komplexer Zusammenhänge, die analysiert werden müssen. Darum besteht die Empfehlung, täglich aufzuschreiben, was man gerade denkt. Auch expressives Schreiben kann hier zielführend sein. Sich selbst zu ergründen ist nicht Menschen vorbehalten, die vermeintlich gesund sind. Es gibt viele kranke Verhaltensweisen, die andere dann eben real krank machen, da sie zu Symptomträgern für kranke Verhältnisse geworden sind. Auch diese externen Verhältnisse müssen analysiert werden. Die Medizin und weitgehend auch noch die Psychologie  gehen davon aus, dass der kranke Mensch sein Problem nicht benennen kann oder dass das Unbewusste hier regiert. Bewusstseinsarbeit geht aber davon aus, dass es nichts Unbewusstes gibt, das nicht aufgedeckt werden könnte durch den Betroffenen selbst. Auch sogenannte oder vermeintliche Irrtümer führen zum Ziel, da es hier meistens um Symbole geht, die durch den Betroffenen selbst entschlüsselt werden können. Sicher, es ist ein anspruchsvolles Unternehmen, das aus der Philosophie stammt, die ja das Denken zum Inhalt hat und jedem zugänglich machen sollte. Jeder kann auch mit sich selbst in einen Dialog treten und erkennen, wie sein Problem aussieht. Nur dann kann er Maßnahmen ergreifen, die Veränderung bewirken. Mental kranke Menschen werden sehr in die Defensive gedrängt und zum Teil auch mundtot gemacht. Die Bewusstseinsarbeit ist eng an die Sprache gekoppelt und über dieses Instrument verfügt jeder.

Es geht also um einen Ansatz in der Heilung in Kombination mit anderen Bewusstseins- und Entspannungsmaßnahmen wie Meditation und Yoga. Da mentale Erkrankungen immer mit geistigen, seelischen und körperlichen Energieverlusten verbunden sind, ist es ratsam, auf alle Verhaltensweisen zu verzichten oder diese stark einzuschränken, die die Energie mindern. Deshalb wird zu einer asketischen Orientierung geraten, ohne dass das Genießen des Lebens dadurch zu kurz kommen würde. Geistige Energie und Klarheit stellt sich dann ein, wenn auf bewusstseinseinschränkendes Verhalten verzichtet wird. Das ist ein uraltes Wissen mit einer langen Tradition, die heute auch weitgehend bestritten wird, weil auch ein hohes Bewusstsein viele Selbstverständlichkeiten hinterfragt. Wie ein gutes und gelingende Leben bei hohem Bewusstsein aussieht, hängt von der individuellen Einsicht des Einzelnen ab.  Der kranke Mensch wurde in seiner Potenzialentfaltung oft tief gestört. Kann er diesen Faden wieder aufnehmen und zu seiner Ganzheit zurückfinden, hat er auch seine Krankheit überwunden. Mentale Krankheiten sind heilbar, aber wir haben das Wissen darum verloren oder nicht deutlich genug gewonnen. Und für Veränderungen jeder Art bedarf es enorm hoher Energien, die nicht verschleudert werden dürfen. Transformation gelingt dann, wenn alles klar und übersichtlich bleibt und vor allem die Hoffnung neu initiiert wird. Man begebe sich dann in die Nähe von Menschen, die Glaube, Liebe und Hoffnung wirklich leben und vermitteln können. Diese neue Zuversicht ist eine notwendige Bedingung für Heilung.

Internetseite:   http://mindethics.eu

Me Too und die Gewalt gegen Frauen

Wir Frauen dachten eigentlich, dass die Zeiten für uns besser geworden seien. Aber die Realität zeigt ein anderes Bild. Es geht nicht nur um physische Gewalt gegen Frauen, sondern auch um strukturelle und psychische Gewalt, deren Aufklärung oft schwierig und langwierig ist. Viele der betroffenen Frauen werden arbeitsunfähig und das ist das größte Problem, denn zu den traumatischen Gewalterfahrungen kommt die schwierige soziale Lage hinzu. Beides erfordert viel Kraft und Energie, um diese Hürden gegen ein gelungenes und emanzipiertes Leben zu beseitigen. Die Me Too Bewegung ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Offenheit, über Gewalterfahrungen zu sprechen und Täter auch öffentlich anzuklagen. Frauen suchen oft den schwierigen Weg einer Verständigung, um keine Fehler zu machen. Das ist aber nicht immer der klügste Weg, denn wenn Gewalterfahrungen schwerwiegende Folgen haben, dann kann es nicht nur bei einer Debatte bleiben und dem Wunsch nach Aufklärung. Wir sehen, dass selbst Richter des Supreme Courts offenbar schuldig und eben auch mit allen Wassern gewaschen sind, sich gegen berechtigte Vorwürfe zu wehren. Da werden Professorinnen als unglaubwürdig hingestellt und entsprechend zusätzlich gedemütigt.

Männliche Aggressionen sind allgegenwärtig und kommen immer wieder offen zum Ausbruch. Die damit verbundene Fassungslosigkeit in Zeiten angeblicher Gleichberechtigung und Selbstbestimmung darf Frauen aber nicht lähmen, nicht ohnmächtig machen. Auch Rechtsverletzungen gegen Grundrechte beinhalten Gewalt und Gewalterfahrung, die sich schädigend auf den gesamten Menschen auswirken kann, wenn die Aufarbeitung gezielt blockiert oder sogar unterminiert wird. Als Frau möchte man Klarheit und keine Unschuldigen verdächtigen oder anklagen. Sie sind aber zu defensiv und das wissen Männer. Die spekulieren auf die Aufgabe von Recherchen und investigativen Untersuchungen. Man sollte mal untersuchen, wie viele Karrieren von Frauen durch Männer ruiniert worden sind. Die haben aber durchaus kein schlechtes Gewissen, sondern beschuldigen die Frau als zu wenig karriereorientiert oder schlichtweg als unfähig oder noch schlimmer: Sie versuchen, den Spieß umzudrehen und so den Wunsch nach Aufklärung zu diskriminieren. Vertuschung hat viele Gesichter, ist aber in erster Linie männlich. Frauen gehen zu oft davon aus, dass Aufklärung ein gegenseitiges Bedürfnis ist. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihnen vormals vertraute Menschen so etwas angetan haben ohne jeden Grund, einfach um zu schädigen. Das sind Akte der Aggressionen, die vor allem dann in die Tat umgesetzt werden, wenn mit Gegenwehr kaum zu rechnen ist, weil auch der Durchblick in diesem Moment fehlt.

Das Bewusstsein von Frauen für Gerechtigkeit ist ausgeprägter als das des Mannes. Der leugnet im schlimmsten Fall alles und sucht sich dafür Mitstreiter. Das ist eine Frage des Machtmissbrauches, aber keine der Einsicht in die Notwendigkeit von Aufklärung und letztlich auch von Recht. Da werden dann auch Gesetze verabschiedet, die Menschen eindeutig zu schädigen beabsichtigen, obwohl es Alternativen gäbe. Auch das ist männliche Gewalt , die man überall in der herrschenden Politik finden kann. Daran konnte auch eine Frau als Bundeskanzlerin nichts ändern. Biografien von Frauen werden sich immer von denen der Männer unterscheiden. Und die Bürde der Mehrfachbelastungen werden sie wohl auch so schnell nicht los. Überall, wo nur männliche Maßstäbe angelegt werden, sollten Frauen aufbegehren und öffentlich auf diese Missstände hinweisen. Wer sich hier selbst zerfleischt, um es Männern recht zu machen, der hat den feministischen und emanzipatorischen Auftrag nicht verstanden. Im Zuge der Me Too Bewegung hat es aber auch einige Verhaftungen gegeben – ein kleiner Lichtblick in einem langen Tunnel der Gewalt gegen Frauen und deren Urteilsvermögen. Dieses kommt der Wahrheit nicht selten näher als alles männliche Ansinnen und Denken. Es gibt also keinen Grund, sich zu verstecken, sondern offensiv die Defizite zu nennen und sie auch anzuklagen, wo Ermittlungen gezielt behindert werden. Es geht nicht nur um Frieden, sondern um Aufklärung für mehr Gewaltlosigkeit in allen Bereichen unseres Seins. Aber eine dezidierte Sprache ist immer erlaubt und sogar notwendig, um etwas  zu bewegen.

Was bedeutet diese Bewegung aber für Mann und Frau? Ist es der Anfang eines Geschlechterkrieges oder der Anfang einer neuen Debatte über Grenzen und Einfühlungsvermögen. Männer müssen entschieden sensibler mit Frauen umgehen, denn deren gesamtes Leben ist den unterschiedlichsten Anforderungen ausgesetzt.  Aber auch Frauen sollten deutlicher Grenzen setzen und ihre Meinung deutlich äußern, wenn Männer sich an nichts halten. Deutliche Signale schützen auch manchmal vor Gewalt. Dafür bedarf es eben der Geistesgegenwärtigkeit, die man aber oft erst im Alter erreicht. Wir müssen also eine klarere Verständigung kultivieren und doch lernen, auf vieles gefasst zu sein. Ein generelles Misstrauen ist aber ebenso schädlich wie grenzenloses Vertrauen. Bleiben wir also auf dem Teppich und strengen uns trotzdem für mehr Gemeinsamkeit an.

Der Planet der Dicken

Adipositas ist längst eine Volkskrankheit und leider auch eine des Bewusstseins. Fast jeder weiß, dass das viszerale Fett Diabetes, Arterienverkalkung, Bluthochdruck und sogar Demenz sowie andere schwere Erkrankungen wie Krebs verursachen  kann. Und dennoch wird mehr gegessen, als der Körper braucht. Dicke verlieren das gesunde Körpergefühl und halten ihr Übergewicht für normal. Aber hinter dem Dicksein stecken oft tiefe Probleme, die man durch Bewusstseinsarbeit klären könnte. Was will ich wirklich vom Leben  und welche Leute versuchen, mir Türen zu verschließen, anstatt Möglichkeiten zu eröffnen. Es gibt nicht nur Einsichtige da draußen, die zu Rücksicht fähig sind. Viele durchschauen die meisten Zusammenhänge auch nicht. Sie sind vielleicht gute Rationalisten, aber sie begreifen den Menschen nicht. Rationalismus hat Grenzen, der Homo oeconomicus ist Gott sei Dank eine Utopie. Im Grunde wollen und brauchen wir den homo empathicus, der den ganzen Menschen erkennt und all seine Facetten sieht, die ihn in seiner Einzigartigkeit ausmachen. Der Dicke hat aufgegeben, seine innersten Wünsche nach Anerkennung zu erinnern und danach zu handeln. Immer weniger Menschen finden also einen Kontakt zu sich selbst und scheitern dann im Umgang mit anderen.

Das Zuviel an Nahrung ist ein Tod auf Raten, wie wir heute wissen. Da tut sich jemand nichts Gutes, sondern schadet sich und seiner Gesundheit. Das zu wissen kann ein erster Schritt sein in Richtung Heilung. Hier ist es sinnvoll zu realisieren, dass Menschen auf dieser Welt an Hunger sterben. Der Dicke, der krank wird durch Nahrung, könnte sein Budget für Ernährung halbieren und die Hälfte an die Hungerhilfe spenden. So tut er in zweierlei Hinsicht etwas Gutes und ist vielleicht auch mal bereit, eine heilende Fastenkur einzulegen, um den Stoffwechsel zu normalisieren. Dünn wird man nicht im Schlaf, sondern nur durch Bewusstseinsarbeit, die Persönliches und Globales miteinander verbindet und zu einem neuen Denken führt. Die Welt kann wieder in ein Gleichgewicht kommen, wo Menschen beginnen, ihr Herz zu heilen, indem sie sich für die freundschaftliche Liebe öffnen und das Vertrauen wieder lernen, es dann aus eigener Kraft schaffen zu können. Und Yogaübungen führen wieder zu einem gesunden Körpergefühl der Energie und der Beweglichkeit mit dem seelischen Nebeneffekt der Gelassenheit.

Essen kann glücklich machen, wenn man es sehr reduziert und sich nicht jeden Tag alles gönnt. Der Dicke muss lernen, Bedürfnisse aufzuschieben, aber soll sich die nicht für immer versagen. Letztlich ist hier weniger mehr und Qualität entsteht durch den zeitweisen Verzicht. So wird die Kartoffel mit Kürbiskernöl zur Delikatesse. Der sogenannte Jojo-Effekt tritt nur dann ein, wenn keine Bewusstseinsänderung stattgefunden hat und der Betroffene nach einer Diät wieder viel zu viel isst und sich dann in Fitnesscentern abstrampeln muss. Dafür haben viele Menschen einfach keine Zeit und kein Interesse.  Wenn der Dicke also die grundlegenden Fragen seines Lebens nicht wirklich klärt, wird er dick bleiben. Wen die Bewusstseinsarbeit, der Dialoge einschließt, überfordert, der kann auch einen Therapeuten für die Selbsterkenntnis aufsuchen oder er schaut im Umfeld, wo ihm eine Hand gereicht wird für die Erreichung eines langen und gesunden Lebens und um alte und belastende Probleme aufzulösen in Liebe und Verständnis. Das Leben wird eher komplizierter und belastender auch angesichts globaler Probleme. Also schaffen wir uns nicht auch noch so unnötige wie Adipositas.

Vergebung und Versöhnung

Die Kirche spricht im Vaterunser täglich davon, wie wichtig Vergebung ist. Aber es ist da nur so dahingesagt, der Weg dorthin ist schwierig, denn zur Versöhnung gehören immer mindestens zwei Menschen. Verweigert der Eine den Dialog, bleibt der Andere ratlos und belastet. Meistens will derjenige, der die Antworten verweigert, denjenigen weiter verletzen, der ohnehin schon verletzt ist. Es scheint, dass der Unversöhnliche weiter belasten will und kein Interesse hat an Aufklärung und Verständigung. Man muss ihm die Möglichkeit geben, über seine eigenen Verletzungen zu sprechen. Manche Belastungen machen krank, verursachen Schmerzen, auch gerade weil man weiß, dass man bezüglich Vergebung den Anderen braucht. Versöhnung heißt nicht, dass ich alles ungeschehen machen will, sondern ich kann es aushalten, ertragen, was geschehen ist, weil ich weiß, dass versöhnliche Worte heilen, dass jahrzehntelange Auseinandersetzungen, wenn sie auch einseitig gewesen sind, zu einem friedvollen Ende kommen können und die Betroffenen sich wieder als die Menschen wahrnehmen, die sie sind gegen all die Unterstellungen, Missverständnisse, Verunstaltungen, falschen Einschätzungen, Beleidigungen und Vorurteile hinweg. Die quälen Menschen regelrecht und rauben einen wichtigen Teil der Energie, die man braucht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und sich weiter in Richtung Gesundheit zu entfalten. Wahres Wachstum ist erst nach Versöhnung möglich. Wenn zwei Menschen sich geschadet haben, kann kein Gott die Notwendigkeit ersetzen, dass sie sich versöhnen, um frei zu werden, auch wenn sie deswegen längst nicht in allem einer Meinung sind.  Alles schaukelt sich auf, wenn ein versöhnliches Ansinnen immer wieder abgelehnt wird und die Leidtragenden sich nicht an das ehemals freundschaftlich Gute erinnern, das sie verbunden hat. Rüdiger Dahlke meint, dass eine direkte Auseinandersetzung immer einer Therapie vorzuziehen ist. Aber dazu gehört ein hohes Vermögen und viel Wohlwollen.

Natürlich kann man sagen, ich habe mich in dem Anderen geirrt und er ist nicht das, was ich in ihm gesehen habe oder sehen wollte. Er ist nicht der kommunikative und offene Mensch, der sich verständigen will, von dem aus man vergeben könnte. Da geht es an das zutiefst Menschliche von uns allen, die Verletzung des  inneren Raums betreffend, in dem wir geachtet und geliebt werden wollen. Die Weiterbeschädigung des inneren Raumes durch anhaltendes und enges Verweigern von Versöhnung und Kommunikation, weil man heute vielleicht anderweitig gebunden ist, bedenkt nicht, dass diese Verletzungen und auch das Verletzen überall hineinwirken, tiefe Begegnungen sogar unmöglich machen, weil da jemand die Tür geschlossen hat durch seine Verweigerungen. Das ist kein Thema, das man allein mit einem Gott ausmachen oder glauben könnte, man sei von Gottes Gnaden erlöst. Die Kraft zur Vergebung kann von Gott kommen wie auch der Wille zur Versöhnung. Aber umsetzen müssen wir das schon selbst. Wir Menschen haben das Potenzial, uns zu heilen und uns die Kraft zurückzugeben, die wir brauchen für das tägliche Leben sowie auch für die Selbstheilungskräfte. Dass etwas scheitert im Leben ist nicht das Schlimmste, aber wenn man dieses Scheitern nicht in eine höhere Form der Begegnung und Auseinandersetzung transformieren kann, bleibt es virulent. Ignoranz ist kein wahrer Friede, sondern vielleicht sogar der verletzendste Affront.

Dieser sehnliche Wunsch nach Offenheit und Versöhnung in der Hoffnung, dass man wieder diese tiefe Ergriffenheit in manchen Situationen empfinden kann, in denen Gott sehr nahe ist und die gesamte Verunstaltung durch einen anderen Menschen aufgehoben ist. Aber das reicht nicht.  Keine Maxime, keine politische Haltung, keine Moral kann ein Hindernis darstellen für den Wunsch nach Versöhnung, der aufhört, dem Anderen Schlechtes anzudichten. Und hier sind Unversöhnliche sehr produktiv und scheuen nicht davor zurück, selbst Opfer zu beschuldigen.  Aber es hilft ihnen nicht bei der Bewältigung, sondern vergiftet sie selbst. Ist es so schwer, wieder sehenden Auges zu werden und wieder einen Menschen zu entdecken, der unter den Verkennungen und Fehleinschätzungen vielleicht zerbrochen ist, aber der noch immer in der Tiefe seines Herzens im Licht steht. Wenn wir dieses Licht im anderen sehen, erkennen wir den Frevel der Beleidigungen und der verletzenden Worte.

Es geht nicht darum, Entscheidungen, die jemand getroffen hat, revidieren zu wollen, sondern es geht darum zu erkennen, dass sich zwei Menschen (oder einer dem Anderen)  etwas angetan und die Realität völlig aus den Augen verloren haben. Versöhnung bringt die Realität zurück, so dass Achtsamkeit wieder Platz hat im Umgang miteinander und man das Unterscheidende ruhiger thematisieren kann. Daran hängt nicht mehr der ganze Mensch, es steht nicht immer alles auf dem Spiel, sondern ich kann differenzieren. Ich erinnere mich dann auch immer an den inneren Raum des Anderen, der nicht verletzt werden will und darf. Diese innerste Selbstgewissheit darf man  niemandem nehmen. Und wenn etwas unklar ist, dann bleibt man vorsichtig und respektvoll und versteht den Wunsch nach versöhnlicher Beendigung eines langen Kampfes um Verstehen und um Aufklärung von schwer verletzenden und schädigenden Begebenheiten, für die man dann einen Anwalt braucht, wenn unrechtes Handeln nicht als solches begriffen wird. Wer meint, sich schädigend in die Lebensführung anderer Menschen einmischen zu dürfen, dem sollte man deutlich die rote Karte zeigen. Das hat meistens auch eine gesellschaftspolitische Komponente, die unser Zusammenleben besser regeln muss. Hier geht es um Fortschritt im Humanen.

Es reicht durchaus nicht, zur Beichte zu gehen und zu glauben, damit sei nun alles erledigt. Das ist unglaublich naiv. Zur Vergebung gehören immer zwei Menschen, die sich nicht übergehen, sondern die sich annehmen als eine Herausforderung zu Wachstum und Einsicht. Es ist doch gottgewollt, dass Menschen sich aus ihren  gegenseitigen Gefängnissen befreien. Das Gefängnis der Verkennung ist eine schwere Belastung des Herzens. Dass ein Mensch, der einem mal etwas bedeutet hat, den Versuch einer Versöhnung immer wieder ausschlägt, verrät sein verhärtetes Herz und meistens auch seine Schuld. Da ist nichts mehr im Fluss. Der Mensch ist Mensch, weil er vergibt, vergeben will, aber dafür auf Entgegenkommen angewiesen ist. Alles andere ist wieder nur eine Verletzung oder eine Eintagsfliege, die nichts Grundsätzliches verändert. Wenn der Andere anfängt zu verstehen, worunter jemand leidet, wird er seine Befürchtungen, etwas könnte gegen seine Entscheidungen und gegen seinen Willen geschehen, aufgeben und durchatmen, bis sich die guten Empfindungen wieder einstellen und es möglich erscheint, dass vieles in Ordnung kommt. Vergebung ohne Versöhnung ist schwer möglich. Dafür müssen sich beide Parteien verstehen und ihre Kränkungen benennen.

Johnny Cash erinnert in seinem Lied One daran, dass wir alle Schwestern und Brüder sind und uns in dieser Liebe gegenseitig tragen können für ein harmonisches Miteinander. Dafür müssen wir miteinander sprechen.

https://www.youtube.com/watch?v=CGrR-7_OBpA&start_radio=1&list=RDCGrR-7_OBpA&t=0&pbjreload=10

Die reaktionäre Rede von Exzellenz

Wir werden mittlerweile mit einer Horde der gute Noten Schreiber konfrontiert, die an der Universität dann so weitermachen, um sich vom so genannten Pöbel der Nichtstreber zu unterscheiden im Wettkampf um die besten Stellen. Aber was sich heute Exzellenz nennt, ist noch lange nicht die Geisteselite, es ist die Streberfraktion, die das wiedergibt, was man ihr eingetrichtert hat. Eigentlich kann sie auch nichts anderes. Entsetzt ist man schon in Interviews mit denjenigen, die sich zur Exzellenz zählen. Auf komplexe und schwierige Fragen werden platteste und simpelste Antworten gegeben. Man hat weder gelernt, dialektisch zu denken, noch seine Statements zu relativieren angesichts doch sehr umfangreicher Kontexte und diffiziler Inhalte. Das Differenzierungsvermögen läuft gegen Null. Man kennt solche Antworten vor allem aus der absolutistischen CSU, die es ja noch nie nötig hatte, Dinge differenziert zu sehen. Dieses Differenzierungsvermögen ist trotz der immer neuen Etikettierungen von Streberleistungen abhanden gekommen. Da bedienen heute junge Wissenschaftler, ohne mit der Wimper zu zucken, schlimmster Vorurteile und liefern so weitere Berechtigungen für politisch eindimensionales und sogar schädigendes Handeln. Sie sind Sprachrohre einer dumpfen Politik geworden um der Karriere willen. Die Politsprache hat sich ihren Weg in die Wissenschaft gebahnt und gibt sich hier den Anschein von Exzellenz, die qua ihrer Institutionalisierung Kritik von vornherein unterminiert und damit den Dialog auf Linie zwingt. Exzellenz ist lediglich die dekorierte Karriere des Mittelmaßes.

Dass Politik kein intelligentes Unternehmen ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass aber Parteipolitik sich institutionalisiert und die Wissenschaft beherrschen will, indem sie nur noch das Konforme zulässt, ist ein Angriff auf die Demokratie. Hinter dem Exzellenzbegriff verbirgt sich der Wille zur Macht, zur Abgrenzung vom Rest der Menschheit, den man als untauglich einstuft im Sinne eines weiter zementierten hierarchischen Systems, das Menschen kategorisiert, anstatt einen heterogenen und flexiblen Wachstumskontext zu etablieren, der es Menschen ermöglicht, sich je nach Lage weiterzubilden und aufzubauen. Wir wissen heute , dass IQ und Noten nicht korrelieren müssen.  Und es gibt wichtige Begabungen wie beispielsweise die Menschenkenntnis, die man nicht lernen kann, aber die einige Menschen besitzen. Sie erkennen Zusammenhänge durch Intuition und Kombination. Aber es sind viele andere wichtige Begabungen, die die Schule überhaupt nicht abdeckt und die man sich nach dem Schulunterricht aneignen und kultivieren muss, was auf Kosten der ach so guten Noten geht. Einstein war ein denkbar schlechter Schüler, aber einer der intelligentesten Menschen dieser Welt. Erklärt hat man sich das, indem man ihn pathologisiert hat. D. h. wer sich nicht an den Schulstoff anpasst, ist krank (derzeitiges Exzellenzwissen…). Viele aber sind anderweitig interessiert, lesen komplexere Bücher, machen sich Gedanken, die die Schule nicht einmal annähernd aufgreift. Genialität lässt sich nicht aneignen. Man hat sie oder man hat sie nicht. Und sie ist alles andere als konform. Kein Ausbildungssystem wird Genialität erkennen, da es sich der Konvention widersetzt. Dieses konventionelle Denken  ist oft dumm und falsch, es schärft nicht das Urteilsvermögen und dient denjenigen, die sich ständig profilieren müssen, als Selbstbestätigung. Sogenannte Exzellenz, die dem alten Leistungsbegriff der Quantität unterliegt,  und niedere Instinkte liegen nahe beieinander.

Es wird Zeit, Menschen anders zu sehen und über andere Schulen nachzudenken, die viel stärker auf das individuelle Potenzial eingehen können, das wir in Zukunft verstärkt brauchen, denn das Meiste, was in der Schule gelernt wird, können Computer einfach besser.  Bildung ist nicht Wissen und Weisheit ist nicht Bildung. Es fehlt leider auf der ganzen Linie die Einsicht und die Weisheit, dass viel Intelligenz brach liegt und gebrochen wird. Das liegt an ungeeigneten Lehrern und an einem völlig überalteten Bildungssystem, das sich nicht eingestehen will, dass Intelligenz keine feste Größe ist, sondern von Förderung, von Sympathien und anderen Subjektivismen abhängt. Wer in einer Fernsehsendung als Professor behauptet, zunehmdende psychische Erkrankungen bei Jugendlichen hätten etwas mit mangelnder Intelligenz zu tun, den sollte man umgehend entbeamten. Diese (CSU) Politik der Verblödung hat ein großes Interesse an einem Gefälle, dem real nicht viel entspricht. Schule macht dumm und wer  kennt nicht die vielen, die gute Noten geschrieben haben, aber nicht komplex denken können. Sie erfassen keine Zusammenhänge und richten in der Gesellschaft großen Schaden an durch fehlendes Urteilsvermögen.  Hinter dem Begriff der Exzellenz steckt nun der Versuch, ein sinkendes Schiff zu retten. Für den Klassenerhalt gibt es wenig gute Gründe, denn vorangebracht haben uns ohnehin nur die wirklich Genialen und die kann keiner erfassen. Es sind diejenigen, die sich durchsetzen trotz dümmster Konventionen und himmelschreiender Vereinfachungen, die dann nur noch Falsches generieren.  Und so kommt es, dass geniale Autodidakten fundierter argumentieren und den Bluff der Blender demaskieren. Leider sind die Medien immer seltener in der Lage, Schwachsinn von Geist zu unterscheiden, denn auch hier zieht die Generation der Bulämielerner und der inhaltslosen Studiengänge ein.

Und.: Genialität und Intelligenz sprechen für sich. Da verweist man nicht auf gute Noten, sondern auf die Einsicht, dass das Maß der Dinge eben nicht die Selektion ist, sondern die Offenheit für Querdenken, Andersdenken und Zweifel, der jeden Dogmatismus hinterfragt.  Wo der Zweifel stirbt und einfache scheinbare Wahrheiten kommuniziert werden, sollte der Denkende hellhörig werden gegen einen zunehmenden Sozialdarwinismus der Platt- und Falschheiten. Aber viele, die sich zur Exzellenz zählen, entlarven sich in ihrer Dummheit selbst und das freut dann den Kritiker.

 

Wachstum ermöglichen

Schopenhauer wusste, dass die meisten Beziehungen aus Selbstsucht geschlossen werden. Da kauft man der Freundin Goldketten für die erwiesene Gunst, anstatt sich zu fragen, was dieser Mensch braucht, um zu wachsen und zu sich selbst zu finden. Die Idee, dass man nur durch einen anderen zu sich selbst käme, entspricht nicht der Realität. Ein Partner unterliegt der Selbstsucht des Eros und ordnet meistens alles andere dieser Haltung unter. Die eigenen Bedürfnisse stehen also im Vordergrund. Nicht selten ist dieser Egoismus dann an Narzissmus gekoppelt. Man akzeptiert nur das Eigene im anderen und empfindet das Verschiedene als Bedrohung und selten als Bereicherung, als eine Herausforderung für Entwicklung. Ja, der Mensch ist schwach und will so gar nicht stärker werden im Laufe des Lebens, zu bequem ist der Weg der Eliminierung von Unterschieden. Aber die gibt es trotz aller Gleichheit und wird dann als Gefährdung erlebt, wenn die verantwortungsvolle Liebe für den Anderen nicht in den Vordergrund tritt auch auf die Gefahr hin, dass Trennendes entsteht und man neu beginnen muss mit der Liebe und dem Vertrauen. Wachstum und Entwicklung gehören zu den gesunden Bedingungen menschlichen Daseins. Wo der Mensch unterdrückt oder gewalttätig in  ein Korsett gezwängt wird, fehlt es an Selbstbewusstsein des Verursachers, der selbst den Partner nicht in die Freiheit des Selbstseins entlassen kann, weil er gesellschaftliche Zwänge internalisiert hat und alles auf eine Linie bringen möchte. Wer sich entfaltet hat, gönnt auch anderen die Entfaltung des eigenen Potenzials. Und nicht jeder Weg ist ebenmäßig.

Viele Beziehungen werden beendet, weil der Reiz des selbstsüchtigen Eros erlahmt und an diese Stelle keine tiefe seelische Liebe getreten ist. Menschen sind nicht in der Lage, den Anderen als Herausforderung zu erkennen, selbst zu wachsen und zu reifen. Dieser Prozess ist nie abgeschlossen, kann sich bis ins hohe Alter fortsetzen, wenn man durch die Einzigartigkeit eines Menschen fasziniert bleibt und er auch dadurch den Erfolg durch Inspiration im Leben hat, den er sich wünscht. Nicht Neid und Missgunst vergiften die Partnerschaft, sondern liebevolle Freundschaft des Verstehens der wahren Bedürfnisse nach persönlichem Wachstum bei entsprechenden Erkenntnissen. Wenn ich die Schwäche im anderen entdecke, muss ich nicht überheblich werden, sondern begreifen, wo die eigene Schwäche liegt, die den Anderen wahrscheinlich auch irritiert. Jeder Mensch hat Schwächen, sie an sich selbst zu leugnen ist extrem unreif und wenig reflektiert. Der Eros als solcher ist nicht in der Lage, Ordnung zu schaffen, die wir Menschen brauchen, um die Sicherheit zu gewinnen, dass auf den anderen Verlass ist. Wenn ich die eigenen Bedürfnisse also zurückstellen kann, damit der andere sich entfaltet, bin ich auf einem guten Weg zu wahrer Liebe, die geben kann und nichts wegnimmt.  Nimmt man dem Anderen die eigenen Chancen, beruht dieses Verhalten nicht nur auf überdimensionaler Selbstsucht, sondern auf Verachtung und ist damit das Gegenteil von Liebe. Ich will den Anderen nur so akzeptieren, wie ich ihn mir vorstelle, aber nicht, wie er ist in seinem Suchen und seinem Zweifeln.

Es ist der liebevolle Wunsch, den Anderen wirklich zu erkennen und zu erfassen, anstatt ihn zu unterwerfen. Wer unterwirft, der hat selbst ein Problem mit der Macht. Geiermäßig hackt er in den Unzulänglichkeiten anderer herum, ohne die eigene zu antizipieren. Dieses Eingeständnis macht vorsichtig, gütig und großzügig. Die Güte eines Menschen erkennt man also nicht an seiner Selbstsucht, sondern am Verstehen dessen, was dem Menschen widerfahren kann, wo er sich durcharbeiten muss, um nicht den Halt zu verlieren. Jemandem den Halt im Leben zu nehmen ist ein brutaler Akt der psychischen Vergewaltigung. Man dringt erst in den innersten Raum eines Menschen ein und zerstört dann diese innere Burg wie ein Trojaner, weil der Andere nicht das tut, was man von ihm erwartet. An diesem Punkt sucht jeder gesunde und entwickelte Mensch das Gespräch, die Verständigung, anstatt einen Schaden zu verursachen. Wahre Liebe kann gar nicht schädigen, so sehr ist sie vom anderen ergriffen und ein Teil seiner Sorgen und ein Teil seiner Sehnsucht nach der Harmonie des Selbst- und Mitsein, das in ständigem Dialog sich an ein Ideal annähert, das trägt und erkennt. Wer also seinen Partner erschauen kann, der erfährt auch das Glück tiefer Dankbarkeit und Erlösung. Der nicht zu sich selbst Gekommene ist eine Belastung für die Gesellschaft, weil er in Bezug auf andere ausgrenzend, restriktiv und repressiv wird.

Die selbsternannte Elite

John Stuart Mill meinte einmal, es sei besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein. Die meisten arrangieren sich mit den Unzulänglichkeiten und pflegen ihren Hedonismus. Was geht sie auch die Welt da draußen an. Auch wenn man sie auf Missstände aufmerksam macht, verunglimpfen sie nur die Kritiker. Dass solche Bequemlichkeiten überhaupt möglich sind, liegt an einem System, das man auf der ganzen Linie als überholt bezeichnen muss. Universitäten sind heute nur noch Sprachrohre des Mainstreams. Das kritische Vermögen wurde abgeschafft, die Studenten werden mit Inhalten bombardiert, die kein Nachdenken mehr zulassen. Dem vermeintlichen Wettbewerb wurde alles geopfert und entsprechend verhalten sich nun auch die Professoren, die ja als Beamte wenig zu einem reflektierenden Klima eines besseren Urteilsvermögens beitragen, sich aber doch als die Elite bezeichnen. Nun die Denkelite bewegt sich heute außerhalb der Universitäten. Und die wenigen Ausnahmen haben es nicht leicht, denn weder Wirtschaft noch Politik will diese subventionieren.

Massenuniversitäten bezeichnen sich gerne als Eliteuniversitäten, die die vermeintlich Besten ausbilden will. Aber wer sind die? Es sind diejenigen, die schon in der Schule brav das gemacht haben, was man ihnen vorgesetzt hat. Eigeninitiative in der Schule wird bei diesem Ausbildungssystem oft zum Problem. Wer zu viel Persönlichkeit zeigt, kann unter die Räder kommen, weil schon die Schule auf Eigenarbeit nicht vorbereitet ist. Nun geht es in der Universität weiter so. Es wird gestrebt im Kampf um die besten Noten für den Zertifizierungswahn. Andere, die viel Eigenitiative zeigen, werden in der Universität gebrochen, weil man auf die Besonderheit von Menschen nicht eingehen gelernt hat. Dafür bedarf es Menschen, die Menschen einschätzen und ihr Potenzial erkennen können.  Wer an solchen Schulen gewesen ist, wo dieses Vermögen auch eingesetzt wurde, darf sich glücklich nennen. Kreative und produktive Menschen haben es eher schwer auf solchen Schulen und Universitäten, sie sind es aber, die die Menschheit voranbringen. Die Professorenlaufbahn bleibt ihnen oft versagt, weil die mit enormen – wohl auch verbiegenden – Anpassungsleistungen verbunden ist. Viele innovative Unternehmer meiden daher die Universität, weil sie auf Potenzial nicht reagiert, sondern Leistungen bewertet, die eben nicht innovativ sind.

Wohin also bewegt sich ein Land, das Bildung und Kreativität einem spezialisierten Wissen opfert? Müssen wir nicht Leistung neu definieren und einen erweiterten Bildungsbegriff einführen, um die Gesellschaft zu öffnen für neue Projekte und für neue flexiblere Strukturen, die auch denjenigen gute Chancen anbieten, die sich nicht mit alterhergebrachtem Wissen abfinden möchten? Eine Gesellschaft, die nur noch das Gleichartige akzeptiert, verliert die Kraft der Innovation und das Urteilsvermögen, für das man sehr viel tun muss. Und nur Menschen, die selbst sehr kritisch denken, erkennen das Potenzial zur Erneuerung bei anderen und müssen nicht selektieren, sondern integrieren in einen Kontext der Vielfältigkeit. Dafür bedarf es starker Charaktere, die ein reines Anpassungssystem nicht hervorbringt. Und was passiert, wenn menschliche Schwäche überhand nimmt, wissen wir Deutschen im Besonderen. Elite integriert, motiviert, erkennt Potenziale, kommuniziert  und verzichtet auf jede Art von Schädigung.  Elite findet gute und affirmative Lösungen für Probleme und geht nie den Weg  der Diskreditierung und nie den Weg der Gewalt.  Davon sind wir in Deutschland allerdings weit entfernt.

Die Vergiftung der Politik durch negative Anthropologien

Medial scheint es mal wieder Mode zu sein, denjenigen das Wort zu erteilen, die ein schlechtes Menschenbild propagieren. Das Böse würde in uns allen lauern und sein Unwesen ständig treiben. Politisch bedienen sich die reaktionären Parteien gerne und ausgiebig dieses negativen Denkens und wollen in diesem Sinne immer wieder restriktive und repressive Gesetze erlassen. Befürworter dieser Haltung gibt es viele auch unter denen, die es besser wissen müssten aus Vernunftgründen, denn die Realität gibt diesen Pessimisten durchaus nicht recht. Aber man beharrt konstant auf negativen Anthropologien und der sogenannten Sündhaftigkeit des Menschen, um Menschen schädigen, diskriminieren  und stigmatisieren zu können. Es scheint so zu sein, dass diese menschliche Schwäche einen Gegenpol konstruieren muss. Man erträgt nicht, dass das Böse oft ein archaischer Affekt ist bis auf sehr wenige psychopathische Anwandlungen. Das sind Ausnahmen. Die Regel sieht ganz anders aus. Da sterben Menschen lieber, anstatt durch den Verzehr von Menschenfleisch zu überleben (Flugabsturz in den Anden). Die guten Taten überwiegen eindeutig vor den schlechten. Wir könnten sonst gar nicht überleben. Aber der Mainstream beharrt auf der These, der Mensch sei im Grunde seines Wesens schlecht und man unterstellt ihm dann auch im Zweifelsfalle lieber das Schlechte, anstatt ihn als Gottes Schöpfung zu begreifen. Das Szenario der negativen Unterstellungen ist vielfältig und enorm produktiv, weil es Argumente liefert für die Unterdrückung von Menschen, anstatt sie zu fördern und zu unterstützen auch in schweren Zeiten.

Der Sozialdarwinismus greift also um sich und vergiftet das gesamte gesellschaftliche Klima. Es fehlt komplett die Einsicht, dass Menschen sich so verhalten, wie sie behandelt werden. Klügere Menschen begreifen diesen Zusammenhang und bleiben fair. Pessimisten  suchen Gründe für ihr Fehlverhalten, für fehlende Empathie in den vermeintlichen Defiziten der Anderen, ohne die eigenen Maximen zu hinterfragen. Ein geistig-seelisches Wachstum ist nicht jedem vergönnt. Dieses Gift der Verdächtigungen verunstaltet nur die Verdächtigten. Das wirklich Tragische an diesen Negativhaltungen: Es gibt keine Heilung. Und so verliert man nach und nach auch das Wissen um Heilung, Ganzheit und Gesundheit. Die Realität wird in ein Korsett der Unwissenheit gezwängt, durch das Probleme zementiert, aber nicht mehr gelöst werden. Es fehlt der humane Weg, der sich verantwortlich fühlt und das Bestmögliche aus jeder Situation machen möchte. Ich muss also überzeugt sein, dass sich diese Anstrengungen lohnen und am Ende Heilung und Frieden entstehen, wenn das negative Denken, das zu Schädigungsverhalten führt, enttarnt worden ist. Macht und Machtmissbrauch bedienen sich gerne der negativen Anthropologie, weil man Menschen nicht ernst nehmen muss in ihren Nöten und Sorgen. Die stößt man dann noch gerne nach  unten, weil ja Hierarchie als notwendig erachtet wird. Aber das hat Folgen für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft. Spaltungen führen zu Krankheiten und Schwächungen, die keiner wollen kann.

Es wird Zeit für eine positive und humane Anthropologie, die vorsätzliche Schädigungen aus Konkurrenz und vermeintlichen Wettbewerbsgründen unterlässt. Eine Politik, die Menschen instrumentalisiert, hat ihren Ruf verspielt und sollte sich eher fragen, wie man das Beste aus Menschen herausholt, anstatt sie mit dem Übelsten eines schlechten Menschenbildes zu konfrontieren. Das gilt für ein konstruktiveres Ausbildungs- und Bildungssystem, das sich immer mehr dem unklugen Mainstream verschreibt, weil das heute die Karriere sichert.  Menschenfreunde bringen es nicht fertig, andere gezielt zu schädigen. In diesem negativen Bewusstsein zu handeln setzt wohl sehr viel Selbstgerechtigkeit voraus oder eben niederste Rachemotive. Dabei ist es wirklich kein Verbrechen, Zusammenhänge aufzudecken und zu klären, damit weniger Verlogenheit das Zusammenleben belastet. Menschenfreundlichkeit erlaubt mehr Authentizität, das zu sein, was man ist: ein guter Mensch mit guten Absichten und dem Wunsch nach Verständigung. Wer andere Menschen schädigt, hat keine guten Absichten. Er ist der Vergifter und meistens auch derjenige, den er im Anderen bekämpft. Aber die Menschheit besteht nicht aus derart unreflektierten Menschen, die ihre Macht missbrauchen und gerne auf der Schlechtigkeit des Menschen bestehen, um ihre Taten zu legitimieren. Das scheint das eigentlich Böse zu sein. Diesem schleichenden Gift kann man sich nur entziehen, indem man denen den Spiegel vorhält, die immer wieder nach repressiven Gesetzen und nach Gewalt gegen Menschen schreien.

Vom Wert einer philosophischen Praxis

Wer hat nicht schon einmal erlebt, dass es in therapeutischen Gesprächen keine Verständigung gab. Ein Therapeut legt Wert auf ein Gefälle zwischen ihm und dem Klienten, dem schon per se nicht viel zugetraut wird. Sicher gibt es auch sehr verständnisvolle Therapeuten, aber die meisten sind ideologisch gefärbt und berufen sich auf eine Reihe von psychologischen Vorurteilen, die leider zum gesellschaftlichen Konsens gehören. Was Konsens ist, muss aber nicht immer richtig sein. Die Wahrheit ist vielschichtig und unterliegt der Fähigkeit, sie zu offenbaren in Korrelation zur Einzigartigkeit jedes Menschen und seines Problems.

Der Fokus in einer philosophischen Praxis liegt also nicht in der Einordnung stereotyper Haltungen und Ereignisse, sondern in der Herausstellung des individuellen Merkmals des Einzelnen und der  Geschehnisse. Keine Vorannahmen stören den Prozess der Wahrheitsfindung. Der betroffene Mensch wird nicht kategorisiert oder pathologisiert, sondern gerade aus diesen Korsetten, die immer auch viel Falsches beinhalten, befreit und kann so uneingeschränkt zu sich selbst kommen gegen eine Wand von Vorurteilen, die niemandem gerecht werden. Wir wünschen uns von anderen Menschen diese unvoreingenommene Sichtweise, denn sie ist die einzig humane Lösung. Aber die Realität sieht anders aus: Schwache Menschen berufen sich gerne auf Vorannahmen und verstecken ihr eigenes Unvermögen dahinter. Die Urteilskraft von Menschen ist oft etwas sehr Fragwürdiges und wenig Ausgearbeitetes. Nicht selten verbirgt sich dahinter fehlende Selbsterkenntnis.

Die philosophische Praxis ist eigentlich keine Beratung im Sinne des Besserwissens, sondern ein Akt der guten Verständigung zwischen zwei gleichberechtigten Menschen. Man will gemeinsam zu einem guten Ergebnis für das Leben kommen und alles Verstellendes entlarven. Die symmetrische Kommunikation erlaubt diesen objektiven Zugang, der das Subjekt ganz in den Vordergrund stellt, ohne es zu bewerten. Dieser Prozess der Objektivierung erlaubt Distanz, aus der heraus die Probleme gemildert werden können, damit einer Bearbeitung nichts im Wege steht. Intensives Zuhören ist notwendige Bedingung. Erst, wenn man wirklich verstanden hat, kann es zu einer Interaktion kommen, durch die Probleme bewusst werden. Der Bewusstseinsprozess muss empathisch begleitet werden, so dass dem Betroffenen Veränderung möglich wird, wenn diese gewollt ist.  Manch einer möchte aber endlich auch nur verstanden werden in seinem Leid. Und leider leben wir in einer Welt, in der Menschen wenig achtsam miteinander umgehen und erleben immer wieder Menschen, die Rücksichtslosigkeit und Unachtsamkeit rechtfertigen wollen. Die philosophische Praxis sensibilisiert aber auch für eigenes Unvermögen, sich durchzusetzen, sich gut zu positionieren und deutlich zu sagen, was man eigentlich will.  Gelingen des Lebens hat sehr viel mit Selbsterkenntnis zu tun, da wir zu sehr auf bestimmte Lebensweisen konditioniert werden. Gelingendes Leben ist selbstbestimmtes Leben. Dafür braucht man manchmal Unterstützung, um klarer zu sehen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen.

Sokrates hat mit seiner Methode viel Unbehagen ausgelöst, da es auch einen Widerstand gegen Wahrheitsfindungen gibt, die gesellschaftlichen Konsens immer hinterfragen. Wer glücklich ist im einfachen Mitmachen und Anpassen, der geht wahrscheinlich nicht in eine philosophische Praxis, dem ist auch alle Philosophie suspekt, die sich ja gerade nicht korrumpieren lässt, wenn man sie ernst nimmt. Werte sind gut, aber man muss über sie auch konstruktiv streiten können und darf sie nicht absolut setzen. Das lehrt uns doch wohl die Geschichte der Philosophie. Dogmatismus hat hier nichts verloren. Man muss sie aushalten diese Dynamik des Denkens, die sich letztlich an dem Schönen und Guten im Menschen orientiert und nicht so sehr Abgründe sucht, die gar nicht vorhanden sind. Ein guter philosophischer Praktiker muss zutiefst Humanist sein, denn jeder Mensch will in seinem tiefsten Wesen erschaut und erkannt werden.