Eine Kirche in Bewegung?

Der synodale Weg hat Vorschläge ausgearbeitet, die längst überfällig waren. Die Frage bleibt aber offen, ob sich die Kirche nun endlich verändern wird oder nicht

Es geht um das Selbstverständnis der katholischen Kirche, die hochmütig über das Schicksal von Menschen gerichtet hat und nun selbst demütig werden muss. Die Demut forderte sie von den Mitgliedern auch durch die Mittel der Ausgrenzung, des Totschweigens, der Vertuschung und der Diskriminierung. Altes klerikales Machtgehabe hat lange genug Menschen unter Druck gesetzt und auch krank gemacht. Jetzt steht die Kirche insgesamt mächtig unter Druck und muss den Ruf nach Reformen und Erneuerung ernst nehmen. Das behagt ganz vielen Vertretern der Kirche überhaupt nicht. Die Frauenordination, die Anerkennung von Homosexualität und Geschiedenen, die Abschaffung des Pflichtzölibats sind für viele noch undenkbar. Die Glaubwürdigkeit hat schwer unter den Missbrauchsfällen gelitten. Die muss sie nun durch überzeugende Veränderungen zurückgewinnen. Ein ewiges weiter so ist nicht  mehr denkbar.  Die Kirche hat viel Vertrauen verspielt und viele Menschen vor den Kopf gestoßen mit ihrer Haltung der Ignoranz, ja der Arroganz.  Diese klerikale Geheimbündelei muss nun einer Transparenz weichen, die für alle eine Erleichterung bedeuten könnte. Sagen, was ist und kein Blatt vor den Mund nehmen ist nicht die Stärke ihrer Vertreter. Sie wollen sich nicht wirklich auseinandersetzen, sehen nicht die Notwendigkeit. Der synodale Weg ist ein Vorstoß in demokratischere Verhältnisse, die den Menschen wieder gerecht werden könnte und in einen freien Dialog ohne Vorbehalte führen könnte. Die Zuversicht in diese heilsame Dynamik fehlt völlig.

Klerikalität ist nicht vorwiegend männlich

Die Männerkirche, die ohne Frauen nur degenerieren konnte, hat ausgedient. Um zu heilen, bedarf es einer Mitwirkung von Frauen bis in die höchsten Ämter. Die Angst, dem Zölibat nicht gewachsen zu sein, brachte eine Misogynie zum Vorschein, die sich bis in viele Haltungen hinein auswirkte. Was nicht männlich dachte, war sowieso suspekt und wurde bekämpft. Diese Kirche hat ausgedient, denn der Missbrauch ist männlich und die Zahl der Opfer auch ganz allgemein ist hoch. Man scheut die Offenheit und damit die Möglichkeit, Dinge wirklich zur Sprache zu bringen für eine bessere und gesündere Verständigung. Der Dünkel männlicher Klerikalität hat heute nur noch einen schlechten Nachgeschmack, weil er die Frau diskriminiert, indem er nicht nur die Weihe verweigert, sondern das weiblich Vermittelnde schlichtweg ablehnt. Aber was macht eine gute Kirche aus? Sicher die spirituelle Begleitung in allen Lebenslagen und ganz besonders in schwierigen. Aber wer wurde nicht alles von der Kirche gerade hier verlassen, weil sie an Dogmen festhält, die unserer Lebenswirklichkeit widersprechen. Man will Menschen weiterhin in ein Korsett zwängen, anstatt sich für ihre Freiheit einzusetzen und für eine reife Spiritualität, die sich auch anderen Religionen öffnet und so neue Angebote integrieren könnte. Die Sinnvermittlung ist auf der Strecke geblieben. Dabei könnte sie ein deutliches Gegengewicht zum profanen Hedonismus liefern.

Eine moderne und bunte Kirche könnte nun möglich werden

Mit überkommenen Vorschriften kann man heute keine Menschen mehr gewinnen. Sie hat ihre Heiligkeit grundlegend verloren auch durch die, die die Kriminellen gedeckt haben und lieber weiter von Sünden sprechen in Bezug auf Homosexuelle und Geschiedene. Das ist peinlich und unverzeihlich. Sie hat nicht differenziert und zeigte keine Barmherzigkeit. Menschen begehren nun auf, aber vielleicht gerät die Kirche auch in die Bedeutungslosigkeit, wenn wieder keine Reformen umgesetzt werden. Zu lange war man sich sicher, dass man die alten Zöpfe noch lange erhalten könnte. Eine aufrichtige und reuevollen Kirche muss ihre Fehler endlich eingestehen und das Fehlende benennen. Sie ist einseitig und eindimensional und vermag Menschen nicht mehr zu begeistern. Das sollte aber wieder ihr Programm werden  mit Menschen, die sich dieser Aufgabe annehmen wollen – egal mit welchem legalen Hintergrund. Starrsinn ist nur noch Schwäche und öffnet nicht den Raum für ein moderne und bunte Kirche. Viele sehen sich nicht integriert und treten aus. Um Menschen wieder zu gewinnen, bedarf es nun besonderer Anstrengungen und Wiedergutmachungen, auch um das wahrhaft Heilige zu retten. Menschen möchten der Kirche wieder vertrauen können. Dafür muss sie jetzt viel leisten, wenn sie denn endlich in Bewegung kommen würde.

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