Das Anthropozän

Seit ca. 70 Jahren greift der Mensch massiv in die Natur ein – vor allem negativ. Das neue geologische Zeitalter ruft die bewusstere Verantwortung des Menschen für diesen Planeten und die Menschheit auf den Plan

Wir haben es neuerdings mit den Leugnern des Klimawandels zu tun, die meinen, es hätte schon immer düstere Zukunftsszenarien gegeben in Bezug auf die Natur. Das mag sein, aber die Verhältnisse haben sich radikal verändert. Die Natur nimmt nicht ihren Lauf, sondern wird vom Menschen stark beeinflusst bzw. geschädigt. Senile Nobelpreisträger sowie Scheininstitutionen wie EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) die sich wissenschaftlich gerieren, aber nur Zahlungen aus der Industrie und aus anderen dubiosen Quellen erhalten, wollen den Klimawandel widerlegen… Ja, man will die Sonne für den Klimawandel verantwortlich machen und die Menschheit sowie die Wirtschaft freisprechen. Diese These ist widerlegt und sie soll die hohe Wahrscheinlichkeit der Eingriffsthesen unterminieren.  Also Freispruch für den Menschen, der weiter Raubbau, Verpestung, Vermüllung und Vergiftung betreiben will. Dass dies alles schon gesundheitsschädlich  auf den Menschen zurückwirkt, will kaum einer bestreiten, wenn er denn noch ein wenig Verstand hat. Aber man will nichts tun für eine Verbesserung der Lage. Schon die Lebensmittel sind zum Teil für den Organismus das reine Gift, werden aber weiter produziert gegen jede Aufklärung. Wirtschaft hat kein Interesse an der Gesundheit von Menschen, sondern am Profit. Natürliche, ökologische und gesunde Nahrungsmittel werden immer teurer, also ein abnehmendes Gut. Die Böden sind ausgelaugt, was den ökologischen Anbau schwer macht.

Wertschätzung der Natur

Zynischerweise gibt es die Wende in Richtung  Verantwortungslosigkeit. Es wird die Massentierhaltung weiter beworben und die konventionellen Lebensmittel, die belastet sind oder einfach für den Organismus unverträglich. Das Bewusstsein ist geschrumpft für die Gefahren, die die Wirtschaft und ein unaufgeklärtes Bevölkerungswachstum anrichten. Die Bereitschaft, einen Umbau der Wirtschaft mitzutragen, darf aber nicht schwinden, denn der Mensch lebt schon lange nicht mehr im Einklang mit der Natur und will die Schäden an sich selbst nicht einmal wirklich zugeben. Wer die Natur und ihre Gaben wirklich schätzt, der will auch alles für ihren Erhalt tun. Wenn wir den Baum nicht ehren, der die Luft reinigt und der hier hoffnungsvoll überfordert ist, dann geht es wohl zu Ende mit der Menschheit und dies mit Pauken und Trompeten oder der schlimmsten Waffengewalt im Kampf um Wasser, Bodenschätze, Energie und Nahrungsmittel. Aber das Denken scheint bei vielen auszusetzen und der eigene vermeintliche Nutzen der Gedankenlosigkeit (wird schon nicht schlimm werden…) übernimmt die Herrschaft. Man will für sich das Beste, das angenehme Leben und will das Elend nicht sehen. Das Prinzip Verantwortung wir zurückgefahren auf die Sicherung des eigenen vermeintlichen Wohlergehens., das sich immer mehr abschottet.

Höheres Bewusstsein und Ökologie

Auch die Natur sendet Informationen und die besagen deutlich nicht, dass alles in Ordnung wäre. Hier fehlt es vollkommen an Sensibilität, aber die reklamierten Empfindlichkeiten in Bezug auf die eigene Person wachsen. Wirklich sensitive Menschen haben eine Intuition für den ächzenden Planeten und die geschundene Natur. Schon allein der Blick in den Himmel fordert uns auf zu handeln und zu begreifen, dass mehr auch spirituelles Bewusstsein unser Verhalten lenken muss. Bewusstseinsentwicklung und Ökologie gehören zusammen. Wir müssen mit allem bewusster umgehen und schätzen lernen, was uns die Natur liefert an Naturheilmitteln und auch an Nahrungsmitteln gegen eine chemische und pharmakologische Verseuchung. Eigentlich sollte das 21. Jahrhundert aufgeklärter sein, aber das Gegenteil ist der Fall. Menschen leben und ernähren sich sehr ungesund und wissen nicht einmal, wer sie eigentlich selber sind und was sie einfach nicht mitmachen wollen. Zivilcourage beginnt dort, wo man Nein sagt zu durchschaubarem Lobbyismus, der Menschen Schaden zufügt und keine Probleme löst. Höheres Bewusstsein befördert die Verantwortung auch im Hinblick auf eine Postwachstumsökonomie einerseits in Bezug auf sinnlos vermüllenden Kommerz und gesundheitsschädigende Mittel bzw. Maßnahmen in Kombination mit ökologischem Wachstum auch in Bezug auf mehr ökologische Nahrungsmittel und Energien. Also, unterstützen wir diese Regierung, die es schwer hat wegen der jahrzehntelangen Unterlassungen und ewigen Rückschritte durch die konservativen Parteien auch im Hinblick auf den Menschen, der hier der Wirtschaft untergeordnet wurde. Der Schutz der Natur, der Tiere, der Pflanzen, des Planeten muss eine Herzensangelegenheit werden.

https://www.giss.nasa.gov/staff/crosenzweig.html

Die Bhagavadgita im Alltag leben

Das Buch von Eckard Wolz-Gottwald über die Yogalehre, die sich nicht nur auf die körperlichen Übungen des Hatha-Yoga beschränkt, sondern die geistigen Phänomene in den Vordergund stellt, beleuchtet die Relevanz einer uralten Schrift für die Moderne

Den Zeitpunkt der Niederschrift des Gesanges Gottes- so die Übersetzung von Bhagavadgita – liegt noch vor der Geburt von Jesus Christus, genaue Angaben gibt es nicht. Wenn hier auch noch eine gewisse Vielgötterei thematisiert ist, so spricht sie schon von dem einen Gott, dem universellen Geist. Dieser Einheitsgedanke erweist sich auch als sehr hilfreich, wenn es um die Erklärung einer Macht des göttlichen Guten geht. Diese Schrift unterscheidet auch zwischen prakriti  und purusha. Ersteres ist der Mensch als geistiges und unvergängliches Wesen, der zweite Begriff thematisiert die körperliche Erscheinungswelt. Die vier Übungswege, die Wolz-Gottwald beschreibt lauten wie folgt: Karma-Yoga (Handeln), Jnana-Yoga (Denken), Bhakti-Yoga (Gefühl)  und Dhyana-Yoga (Meditation). Sie beziehen sich auf prakriti und damit auf unsere geistige Verfassung, die wir durch Denken, Handeln, Fühlen und Meditation (Verbindung mit dem Göttlichen)  in eine Einheit bringen. Ziel aller Übungen ist das Loslassen und das Nichtanhaften, um Leid zu überwinden und sich zu öffnen für die universelle Energie. Der Autor beschreibt die jeweiligen Haltungen, die zur Erlösung führen auch über den Ausgleich der drei Grundeigenschaften, der Gunas –  möglichst in ihren positiven Formen: Tamas (neg. Trägheit/Gelassenheit), Rajas (Aktivität/neg. Getriebenheit) und Sattva (Klarheit/Reinheit/das Gute). Um in die Homöostase zu kommen, bedarf es einer Übung, die sich aber weniger am Erfolg bemisst, als an dem Weg als solchen, die innere Bestimmung zu erforschen und dann auch zu leben, indem sich das Innere für die Innenschau öffnet und für die Schau Gottes.

Die innere Freiheit

Der Mensch erlangt keine Erlösung, wenn er sein Selbst nicht erkennt und befreit von all den Verstellungen, die die Alltagswelt aufbürdet. Diese Verzerrungen führen oft in die Irre und zu neuem Karma im Handeln, weil der Mensch nicht wirklich zu sich selbst kommt in der Kontemplation über das, was wirklich wichtig ist und auch der gesamten Menschheit dient. Prakriti ist keine Selbstsucht, sondern das Erleben von Verantwortung und Verbundenheit, das das Karma auflösen kann, wenn man sich und andere denn wirklich versteht auch über die Übungswege des Yoga. Wir brauchen dazu keinen anderen Menschen oder Therapeuten, der ja letztlich auch nur ins unverstellte Selbst führen sollte, sondern können uns auf die eigenen Vermögen in Verbindung mit dem Göttlichen verlassen. Ohne diese Konnektivität verliert sich der Mensch in seinen Egoismen und sieht sich wie auch andere falsch. Der Yogaweg ist ein Wahrheitsweg. Er räumt alles aus, was sich im Irrtum befindet und Leid verursacht im Besonderen wie im Allgemeinen. Wir können uns also den Weg bahnen von Gott zu unserem tiefsten Inneren und diese Schau ist dann die innere Klarheit, innere Führung und das Erkennen des eigenen Sinns. Diese Einführung von Wolz-Gottwald in die Übungen des Yoga über die körperlichen Übungen hinaus, die letztlich auch keine Gymnastik sind, sondern Möglichkeiten der Harmonisierung von Geist und Körper für mehr Freiheit und Losgelöstheit von der Geschäftigkeit und der Unwissenheit in der Außenwelt, die überall Probleme machen, eröffnet uns erst die Welt durch die  wahrhaftige Selbsterkenntnis.

Meditation, um verändert und gestärkt  in die Welt zu gehen

Die hohe Kunst des Yogas besteht darin, richtig zu handeln, aber sich innerlich nicht von den Misserfolgen oder Erfolgen abhängig zu machen, so dass der Mensch seine innere Freiheit verliert und so zum Spielball von äußeren Einwirkungen wird. Davor will die Yogalehre schützen. Wer sich also auf diesen heilsamen Weg begeben möchte für mehr Klarheit und Wahrheit, der beginne mit dem Buch von Eckard Wolz-Gottwald, um den Einstieg in eine faszinierende Welt der Heilung zu wagen. Die Freilegung des tiefen Wissens über dieses Leben und dieses Seins für die Vorbereitung auf die Ewigkeit ist der Einstieg in die Verbindung mit einer Universalität, die wir dringend brauchen, um zu überleben. Affektgesteuerte Unbeherrschtheit, die sehr viel negatives Karma erschafft, scheint das Credo der Zeit zu sein und damit ein falsches Selbstverständnis: Ich bin so wie ich bin. Dieses falsche Selbstbewusstsein zerstört die Grundlagen unseres Miteinanders und vergrößert das Leid in der Welt. Das wahre Selbstbewusstsein verändert die innere Struktur und ist sich der Wirkungen seines Handelns bewusst. Es geht hier nicht um reines Schönreden, sondern um die Befreiung durch Klarheit, Wahrheit und Schönheit, die das Gute zum Ausdruck bringt. Yoga darf nicht als ein Eskapismus in die Passivität verstanden werden. Wir sind immer aufgefordert, die Welt durch die Übungen der Yogalehre zu einem besseren Ort zu machen – für sich und für andere. Hierfür ist vor allem die Kultivierung des Sattva unabdinglich und des Jnana-Yogas, des philosophischen Übungsweges. Ohne ein tiefes und geklärtes Denken bleiben wir stehen und sind selbst unsere Gefühle von Eigensucht durchdrungen. Yogaübungen sowie vor allem die  Meditation sind die Suche nach Gott und die Vorbereitung auf die Ewigkeit.

Eckard Wolz-Gottwald. Die Bhagavadgita im Alltag leben. Die vier großen Übungswege des Yoga. Via Nova Verlag Petersberg 1.Aufl. 2022

 

Jeder kann dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen

69 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben das Vertrauen in den Staat verloren, was auch daran liegt, dass viele notwendige Reformen einfach nicht stattgefunden haben und Zukunftsideen einfach vom Tisch gewischt wurden. Zu verzeichnen ist auch eine weltweite Resignation wegen der immer deutlicher werdenden Rückschritte überall

Was ist passiert? Der Mensch hat nicht begriffen, dass das  Ganze immer beeinflusst wird von Anteilen, die sich gegen die Menschlichkeit, den humanen Fortschritt und das bessere Verständnis des Menschen richten. Man glaubte, das würde nicht auffallen, nicht ins Gewicht fallen, wenn man hier und da Menschenrechte per Gesetz verletzt und Menschen vorsätzlich an den Rand der Gesellschaft drängt. Geschädigte werden skrupellos weiter geschädigt und man holt sich dafür das Einverständnis ein über Manipulation von Meinungen. Ein Staat, der Zwang und Gewalt ausübt, sich in endlosen Bürokratismen verzettelt und Neuerungen aufgrund wissenschaftlicher Ereignisse verweigert aus Gründen wirtschaftlicher Interessen, ist nicht mehr glaubwürdig. Der Mensch wurde der Wirtschaft unterworfen sogar in Fragen der Gesundheit und hier hört der Spaß endgültig auf, denn es geht um das Wohl des Menschen, das so oft mit Füßen getreten wird und um das es eigentlich gar  nicht mehr geht. Das hat Auswirkungen, die man unterschätzt hat, denn wo ein System degeneriert ist, wirkt es in alle Bereiche hinein und verhindert die Evolution, die wir dringend brauchen, damit dieses Schiff nicht untergeht. Eine Glanzleistung ist es wirklich nicht und das schon seit den 90erJahren nicht mehr, in denen es zu falschen politischen Entscheidungen kam und zu einer Reihe schwerer Unterlassungen bei einseitiger Politik, die nicht begreifen wollte, dass nur der Wandel, die Verbesserung der Lebens- und Gesundheitsbedingungen nachhaltigen Wohlstand schaffen.

Individuation und Spiritualität für neue Energie

Die Lethargie ist erschreckend und hat nichts mit der derzeitigen Politik zu tun, sondern mit der Erkenntnis, dass es überall so große Defizite gibt, die zuvor einfach ignoriert wurden. Alle Ideen wurden weitgehend zerschlagen, jeder Zukunftsoptimismus unterminiert durch ein stupides Immer-weiter-So. Aber alles ist normalerweise in Bewegung und verändert sich. Wandel ist ein Zeichen von Gesundheit und nicht die Stagnation und die Erstarrung. Trotz der Grenzen des Wachstums waren die 70er sehr hoffnungsvoll und einsichtig. Heute wird nur noch gejammert und sich mental selbst blockiert, was zu Energieverlusten auf allen Ebenen führt. Es fällt schwer, sich zu öffnen und zu empfangen, um dann zu neuen Lösungen und notwendigen Verbesserungen zu kommen. Jeder will genau Bescheid wissen,  hat die Wahrheit für sich reklamiert und sitzt eigentlich nur bedauerlich fest. Nichts fließt mehr, nichts bewegt sich wirklich. Aber diese Unbeweglichkeit ist ein Sitzen auf dem Pulverfass, das bei nächster Gelegenheit explodiert, weil es ein verschlossenes System ist, das nicht mehr hinhört, sich nicht inspirieren lässt, keinen Pioniergeist zeigt und auch noch eindeutig Falsches verteidigt, weil das Gute, Schöne und Wahre eben Veränderung beinhaltet und damit auch Selbstkorrektur. Offene Systeme explodieren nicht, sie sind bereit, Neues zu denken, Neues umzusetzen und auch Neues von einer Politik zu fordern, die immer verbesserungsbedürftig ist. Wie wichtig in diesem Zusammenhang Individuation in Korrelation mit Spiritualität ist, sagt uns das Buch des Mönchs David Steindl-Rast: Ich bin durch Dich so ich.  Wirksam in dieser Welt ist die wahre Entfaltung.  Wir brauchen neue Ideen und den evolutiven Fortschrittsglauben der früheren Nachkriegsjahre. Die Generationen müssen wieder in Bewegung kommen, um Freundliches zu realisieren, an dem alle teilhaben können und für sich Ziele definieren, die Sinn und Mut machen.

Raus aus den Inhumanisierungen

Das mitreißende Lied von Curtis Mayfield aus dem Jahr 1970  Move on up sollte uns einfach daran erinnern, dass es auf uns alle ankommt, dass sich die miesen Verhältnisse ändern, weil es mittlerweile gute Alternativen gibt, die oft die Wirtschaft unterbindet, weil sie damit kein Geld verdienen kann. Sie darf aber nicht den Ton angeben, wenn es um Menschen geht. Da sind Machtstrukturen entstanden, die völlig in eine zunehmende Inhumanisierung führen können, wenn man hier nicht deutlich  umdenkt. Der Mensch wird oft für blöd verkauft und wenn er sich gut informiert, bemerkt er den Betrug. Diese Möglichkeiten haben wir zum Glück, uns nicht von Interessenvertretern einreden zu lassen, es gäbe gar  keine andere Lösung. Die gibt es immer. Die erfordern aber Engagement, das keiner mehr so richtig für nötig hält. Schließlich hat man ja studiert, damit man sich nicht mehr anstrengen muss und eine ruhige Kugel schieben kann, die aber leider in die Sackgasse führt.  Das ist die zynische und materialistische Gesellschaft, die Inhumanität verteidigt bis ins Private hinein, wenn auch so viele Erkenntnisse schon so lange dagegen sprechen. Wie kann das im 21. Jahrhundert  möglich sein, wo doch so vieles kommuniziert wird? Nun, Informationen auch richtig zu verstehen und zu begreifen, dass sie Auftrag sind und nicht Blumenschmuck, den man sich mal eben leistet. Jeder Einzelne ist aufgefordert, dem Unheil ein Ende zu setzen, damit es sich nicht ausbreitet und alles verseucht. Der Abstieg einer Gesellschaft beginnt mit den Inhumaniserungen auch über bürokratische und rechtliche Hürden sowie durch völlig unnötige repressive Maßnahmen gegen Menschen, die anderen keinen Schaden zufügen. Solange ein Staat archaisch handelt, sind wir nicht weit entfernt von einer möglichen wiederholten Barbarei, weil alles und jeder auf das Ganze einwirkt. Wenn wir diese Verantwortung endlich begreifen würden, wären wir befreit zu einem Engagement, das aus dem Jammertal herausführt in eine bewusste Aktivität im wahren christlichen und demokratischen Sinne, das keine Partei momentan so richtig angehen will auch gegen ein determinierendes Pathologisierungssystem, das sich gegen die Gesundheit und das Wohl von Menschen richtet: Ausgrenzung statt Verständnis. Und was wir nicht verstehen wollen, können wir nicht heilen.

David Steindl-Rast: Ich bin durch Dich so ich. Münsterschwarzach 2016

Auf dem Weg in ein neues Paradigma: Die Heilung der westlichen Seele

Durch die Bewusstseinswissenschaften ist die Spiritualität neu erwacht, auch weil die erweiterten Perspektiven ein neues Licht auf den Menschen geworfen haben. Was heute leider noch pathologisiert wird, kann heute aber schon verstanden und unterstützt werden. Dies dokumentiert anhand vieler Beispiele das Buch von Judith S. Miller.

 

Die Menschheit ist unfreier geworden noch im Gegensatz zu den 60er und 70er Jahren, was die zunehmenden Pathologisierungen zeigen, die vor allem neue Absatzmärkte für Psychopharmaka schaffen wollen, aber dem Menschen nicht mehr wirklich helfen, denn Krankheiten müssen verstanden werden, damit sie wieder heilen können. Das alte Paradigma versteift sich auf den materialistischen Ansatz und glaubt, damit sei das Problem gelöst. Aber der Mensch, der aus der Balance geraten ist, macht oft spirituelle Erfahrungen, die eindeutig falsch diagnostiziert werden als psychische Erkrankung, weil hier Symptome auftauchen, die man gänzlich als pathologisch eingestuft hat. Dies ist Ausdruck von Intoleranz und Leugnung einer geistigen Welt. Gerade wer Schlimmes erlebt hat, ist offen für spirituelle Ereignisse und für Synchronizität, die erstaunen und auch beunruhigen können, weil sie auf eine geistige Welt hindeuten, die eine Heilungsfunktion hat.  Geistige Welten sind uns fremd geworden im materialistischen Zeitalter, das den Körper glorifiziert, obwohl der determiniert und Freiheit hier eher kein Thema ist. Dies scheint aber keiner zu bemerken und so etabliert sich ein Mainstream, der Menschen an den Rand stellt, die einfach nur relevante spirituelle Phänomene wahrnehmen. Spiritualität ist kein Luxus, sondern nach Abraham Maslow eine Lebensnotwendigkeit, wenn der Mensch Ganzheit erfahren will. Es geht hier um weit mehr als um einen Kirchengang, auf den man die Spiritualität im Westen festlegen will, sondern um eine individuelle Erfahrung mit dem Göttlichen, die viele allgemeine Komponenten enthält und damit auch kollektiv ist.

Die Spiritualität der jüdisch-christlichen Tradition auch als Wiederentdeckung

Die Professorin für Psychologie Judith Miller plädiert für die Rückbesinnung auf die westliche Spiritualität schon auch in Kombination mit den östlichen Traditionen, die es ermöglichen, das Ego zu relativieren und Distanz zu sich selbst aufzubauen. Aber die Individuation ist im Westen ein entscheidendes Thema für das Gelingen des Lebens und für die Erfahrung von Sinn. Der Mensch braucht eine Aufgabe, eine Mission, eine Vision, die uns Jesus Christus nahe gelegt hat. Die westliche Seele ist aber durch und durch materialistisch und agnostisch determiniert, weil man die Erfahrung von Fülle an materiellen Überfluss gekoppelt hat und die Angst vor diesem Mangel umgeht. Aber dieser materielle Wohlstand hat sich als trügerisch und hohl herausgestellt, wenn er nicht mit einer geistigen und spirituellen Intention korreliert, die den Konsum kritisch hinterfragen kann, weil eine Erfüllung hier nicht möglich ist. Aber das Verlorene kann zurückgeholt werden ins eigene Leben mithilfe von spirituellen Begleitern, die auch spirituelle Erfahrungen nicht pathologisieren, sondern den Menschen in seiner Suche nach wahrer Fülle begleiten auch durch Anwendung von Meditationen, die alle Religionen kennen und in ihren unterschiedlichsten Formen wirken wie auch das Beten. Und: Erleuchtung – so Judith Miller – ist kein gradliniger Weg, sondern auch immer eine Aufforderung, sich mit dem eigenen Schatten auseinanderzusetzen.

Heilung durch geistig-spirituelle Erfahrungen

In Zukunft muss sich also das psychiatrische System öffnen und ihre Deutungshoheiten aufgeben, was sie wohl nicht freiwillig tun wird, weil wirtschaftliche Interessen hinter diesen zum Teil schädigenden Ab- und Entwertungen stecken. Als normal gilt, was sich dem Materialismus unterordnet und das ist eine sehr verengte Welt- und Menschensicht, die immer mehr ins Unmenschliche abgleitet, da es den ganzen Menschen weiterhin ignoriert. Und hier ist sehr viel Potenzial für Heilung und Selbstheilung wieder möglich, wenn die geistige Welt nicht weiter verleugnet und abgestritten wird. Unser Geist kann mit diesem universellen Geist Kontakt aufnehmen für eine unbeschreibliche Erweiterung und Erfüllung unseres Daseins, das von immer mehr Problemen belastet wird. Die Lösungen liegen beim jedem Einzelnen und müssen unterstützt werden, damit der Mensch über sich selbst hinauswachsen kann für die notwendigen Verbesserungen im Miteinander. Angesichts wachsender Bevölkerung ist sonst das Gegenteil wirksam, was wir schon an vielen menschenfeindlichen Beschlüssen sehen. Schon Rudolf Steiner hat das Böse im materialistischen Denken erkannt. Wer seine Spiritualität entdecken und sich von ungerechtfertigten Pathologisierungen befreien will, muss das Buch von Judith Miller lesen, die die transpersonale und positive Psychologie zum Maßstab einer neuen Orientierung macht. Die Kritik am vorherrschenden System ist in Amerika viel ausgeprägter als in europäischen Ländern, was an der nichtstaatlichen Forschungsfreiheit  liegt.

Judtih S. Miller: Heilung der westlichen Seele. Die eigenen spirituellen Wurzeln wieder entdecken.  Via Nova Verlag Petersberg 1.Aufl. 2017