Was sich heute christlich nennt…

Wahlen sollten Ausdruck des Volkswillens sein. Dafür sollte man sich Parteien einmal wieder genauer ansehen. Unter der konservativen Regierung, die sich tatsächlich christlich nennt, sind eine Reihe von Gesetzen verabschiedet worden, die nicht nur die Ungleichheit befördern, sondern immer Menschen ins Abseits drängen. In einem reichen Land wie Deutschland kann es nicht sein, dass man eben gerade genug zu essen und ein Dach über dem Kopf hat. Es kann auch nicht sein, dass es Anstellungen gibt, die für den Lebensunterhalt nicht hinreichen. Auch institutionell hat sich ein seltsamer Sozialdarwinismus durchgesetzt. In der Bildung zählt wieder das Geld. Wer es nicht hat und sein Studium selbst finanzieren muss oder gesundheitliche Schwierigkeiten hat, wird von der Universität einfach rausgeschmissen. Es gibt viele solcher Beispiele, die Menschen abhängen. Dies wird dann auch noch von derselben Partei diffamiert im Sinne, man sei doch selber schuld. Die Hierarchisierung der Gesellschaft ist nichts christliches, ist aber eindeutig gewollt. Eine Teilhabe für jedermann wird nicht unterstützt. Und wer Karriere machen will, muss eben über Leichen gehen.

Soziale Marktwirtschaft sieht anders aus. Und so geschieht es, dass die Anliegen der linken Partei die eigentlich christlichen sind. Hier wird auf das Wohl aller Menschen geachtet. Wer genug Einkommen hat, hat auch bessere Chancen auf Gesundheit und eben deswegen auch auf Glück, das ja bedauerlicherweise  nicht in der deutschen Verfassung verankert ist. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass die Reichen und Superreichen so vermögend sind, weil andere dafür ausgebeutet bzw. schlecht bezahlt werden. Solche Ungerechtigkeiten sind nicht hinnehmbar. Die Allianz von Kirche und konservativen Parteien ist scheinheilig. Die Aufrechterhaltung und Zementierung eines Repressionssystems anstatt eines Förderungs- und Integrationssystems kann man nur als beschämend empfinden und als menschenfeindlich. Jeder Mensch will sich entwickeln und entsprechend seiner Interessen und Fähigkeiten arbeiten. Das etablierte System geht aber davon aus, dass der Mensch faul und antriebslos ist und er ordentlich unter Druck gesetzt werden muss, damit er etwas leistet. Von solchen falschen Annahmen lässt sich diese Politik inspirieren und liegt hier mit der Kirche, die den Menschen nur als Sünder sehen will auf einer Linie. Christlich im Sinne der Botschaft von Jesus ist das nicht. Er hat uns gelehrt, das Gute in jedem Menschen zu sehen und ihn entsprechend zu motivieren, damit sein Leben gelingen kann. Zur Elite gehörend kann man nur den verstehen, der in der Lage ist zu begreifen, dass Menschen sich entfalten wollen. Dahingehend sollten sie unterstützt werden.

Aber die Realität sieht eben anders aus. Menschen werden durch ein Repressionssystem an den Abgrund gedrängt, aus dem in einem doch recht unflexiblen Land kaum ein Entkommen möglich ist. Reichtum verpflichtet aber im christlichen Sinne zur Unterstützung, zur Förderung, zur Teilhabe.  Menschen fühlen sich nicht ausgegrenzt, sie sind es. Damit ihnen das nicht so bewusst wird, setzt man sie eben vor den Fernseher – ein Medium der Scheinteilhabe. Dabei wäre es so einfach, sich zu überlegen, dass durch Förderung bei entsprechender Kommunikation alle profitieren. Eine Universität beispielsweise, die Menschen der Identität beraubt, hat ihre Aufgabe verfehlt. Und hier wäre es leicht, eine win-win-Situation zu schaffen, wenn man mit den Menschen entsprechend reden würde. Aber man hat sich auch hier für die Repression entschieden.  Das ist symptomatisch die Entwicklung seit Anfang der 90er Jahre. Entsprechend dieser Entwicklung sitzen mittlerweile auch Absolventen (angestellte Akademiker) an der Universität, denen es ganz offensichtlich an Bildung mangelt. Bildung kostet Zeit und ein Nachdenken über notwendige Entwicklungen ebenfalls. Umfassende Bildung wird heute aber nicht mehr gewollt und man sollte sich fragen, warum das so ist.

Angesichts zunehmender Digitalisierung besteht die Gefahr, dass der Mensch zur Maschine degradiert wird und seine Leistungen entsprechend bewertet werden. Wir sind dabei, das kreative Potenzial zu unterminieren, wenn nicht gar zu zerstören. Nur das aber kann uns vor einer Mechanisierung und Technisierung des Lebens bewahren. Der gesunde Menschenverstand ist nicht der materiell reduzierte. Leider argumentieren einige Akademiker schon in diesem Sinne. Es handelt sich um einen deutlichen Rückschritt in Bezug auf die conditio humana, auf die Natur des Menschseins. Hier ist er vor allem ein geistiges Wesen, das durch die Beschaffung sein Gehirns sich entwickeln will, um gesund zu bleiben. Wenn wir dies verstanden haben, hören wir vielleicht auf, Menschen auszugrenzen und gezielt abzuhängen. Es gibt eben Menschen, deren Leben verläuft nicht so geradlinig. Aber auch daraus kann man schöpfen. Verurteilen darf man das keinesfalls, denn Gleichschaltung ist unmenschlich. Die Politik muss sich öffnen für die Vielfalt des Lebens und sollte die Eigeninitiative auch unterstützen, anstatt sie unmöglich zu machen.

Die Etablierung eines Konkurrenzsystems anstatt eines Kooperationssystems schon in der Ausbildung hat natürlich auch Folgen für das Arbeitsleben. Mobbing ist hier an der Tagesordnung. Das Bewusstsein, dass niemandem mit Stress, Ausbeutung und Unterdrückung geholfen ist, müsste sich doch eigentlich durchgesetzt haben. Menschen in unpassende Arbeitsstellen zu zwingen, ist ein Angriff auf die Gesundheit des Menschen. Und in einem reichen Land sollte es für jeden eine Nische geben, in der er wachsen kann, damit er sein Leben als sinnvoll erfährt. Die selbsternannten Christen sind also nicht die wahren Christen, denn die wären Humanisten und wollen das Beste im Menschen zur Entfaltung bringen. Ein Diffamierungs-, Denunzierungs-  und Repressionssystem ist das Werk des sogenannten  Teufels.

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