Bewusstseinsstufen

Jede Emergenz ist mit einem erweiterten Bewusstsein in Form von Erkenntnissen verbunden, die zu einer Veränderung drängen

Systeme und Beziehungen oder Partnerschaften können stark determinieren, wenn Ungleiches sich nicht voneinander trennt. Echte Emergenzen geschehen aufgrund von erarbeiteter genuiner Selbsterkenntnis oft in Verbindung mit äußeren positiven Impulsen. Dem Bewusstseinswachstum kann man sich nicht entziehen, er braucht den Wandel, da sonst eine Emergenz rückgängig gemacht wird oder gar zerstört wird, wenn sie nicht erkannt wird in neuen Begegnungen. Hier ist die Zerstörungsmacht hoch, wenn emergente Zustände sich an nichtemergente andere Zustände binden. Jede gefühlte Verbindung braucht den Klartext, um sich in dieser Verbindung zu vergewissern und um Fortschritte in der Erkenntnis machen zu können. Emergenz ist nicht allein ein Produkt höherer komplexer Bildung, sondern gelingt nur in der Kombination mit gesunder und hoch bewusster Selbstwerdung. Wo das eigene Selbst nicht klar organisiert und erkannt wurde, findet es nicht zu einer Sprache und verunsichert. Jeder emergente Zustand hat die Befürchtung zurückzufallen, also nicht von einer Außenwelt aufgefangen und beantwortet zu werden. Die Ablenkung in eine diffuse und schwammige Allgemeinheit führt zu schweren Missverständnissen und verschleiert die Klarheit der Emergenz, die immer in direkter Weise wirksam werden will, da wir nur hier in eine konstruktive Verbindung kommen, auch um zu klären, ob die Emergenz zu dem Zustand des anderen passt, d.h. hier weitere Entwicklung möglich ist oder eben nicht. Ein Selbst, das von Ideologien und Dogmen und Autoritäten verunstaltet und belastet wird, findet keine Sprache der Emergenz, die immer auch objektiviert und in Distanz zu sich selbst gehen kann.  Etwas ist auf der Strecke geblieben, die Identität ist nicht rein und nicht geklärt, wenn sie sich nicht direkt äußert. Es führt kein Weg an der Bewusstmachung der eigenen Wahrheit vorbei. Wer sein Selbst nicht befragt, hat kaum Chancen auf Emergenz und damit zu einer höheren Wahrheit, die die Fehler der unteren Stufen beheben und überwinden kann. Zerstörte Emergenzen aus Unkenntnis anderer können zu Krankheiten führen, wenn man auch die Erkenntnisfähigkeit anderer überschätzt.

Emergenz braucht Direktheit, um sich zu stabilsieren

Höhere Bildung ohne Emergenz bleibt hohl und reine Reproduktion, sie wirkt nicht erhellend und aufbauend, sondern verschleiert und bleibt bei einer Geheimnistuerei, die nur darauf bedacht ist, zu verhindern, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Sie ist rücksichtslos, weil sie andere so in den Sog nach unten zieht oft aus dem Sog in die Vertikalität heraus. Eine Emergenz hat viel mit Wahrheitsgenerierung zu tun, die Irrtümer beseitigen kann. Sie ist kommunikativ und ordnend und wird durch Verweigerungssysteme, die meinen etwas besser zu wissen über das eigene Selbst, rückgängig gemacht. Neue Erkenntnisse suchen nach neuen Gesprächspartnern, was auch meistens unter normalen Umständen gelingt, es sei denn, der Erwählte ist nicht bei sich selbst und versteht die Emergenz nicht als Emergenz, sondern als profane Banalität. Sein Fassungsvermögen reicht nicht aus und das kann niemand von außen ändern. Er versteht den Wunsch nach Synergie nicht und kapriziert sich auf Äußerlichkeiten. Der Systemwechsel wird ausgehebelt und damit auch die Chance auf Erhalt der Emergenz, die in überwundenen Systemen nur  verdorrt. Es gibt den architektonischen Aufbau des Geistgehirns bzw. des Bewusstseins, das sich nicht nur auf Qualia bezieht (Gefühle und Zustände aller Art), sondern mit deutlichen Erkenntnissen über die Wirklichkeit verbunden ist. Mit einer diffusen Allheit kann der Geist eher weniger anfangen, da er unterscheiden muss. Differenzierungen dürfen nicht regredieren, sondern sind die Grundlage für die richtigen Entscheidungen, die Entwicklung möglich machen und Blockaden aufheben. Für den Erhalt der Emergenz braucht der Mensch Klarheit und Direktheit. Jeder, der sich selbst gut kennt, ist auch dazu in der Lage mit welcher Wahrheit auch immer.

Es gibt nur ein Ausdifferenziertes, das ins Ganze führt

Wir brauchen die Differenzierungsmechanismen, um die Erkenntnisse aus der Emergenz fruchtbar zu machen und ihre gesunden Impulse umzusetzen. Sie strebt nach mehr Gesundheit durch Erkenntnis und darf nicht zersetzt werden durch informelle Desorientierung oder einem indifferenten Weiterso. Emergenzen aus einer verursachten Erkrankung heraus sind immer Ausdifferenzierungsprozesse, dessen Ganzwerdung nicht darin besteht, Unterschiede zu verwischen und ihnen dann zu resignieren, sondern sie zu begreifen als nicht integrierbar, weil sie das eigene und das andere Selbst nicht erfassen und virulent werden. Die Austauschfähigkeit ist da nicht gegeben, wo Menschen in der Selbstwerdung und Selbsterkenntnis schwer blockiert sind und andere dadurch blockieren. Eine integrale Psychologie muss immer berücksichtigen, dass das Eigene sich nicht auflöst in Fragmente, sondern zunächst bei der Integration von Erkenntnissen bleibt bis zur Erreichung einer Zugehörigkeit, die tragfähig ist und die Identität wieder stützt und nicht angreift. Nur jeder Einzelne kann sein Leben ändern vorerst für die Erreichung von mehr Gesundheit und Wahrheit für die Konstitution eines bewussten Wir. Der Bewusstseinsaufbau ist ein Ausdifferenzierungsprozess, der aber zu einer Verbundenheit zunächst unter Gleichen führt, um dann weiter wirksam werden zu können. Die Überforderung einer diffusen Verbundenheit als Ausdruck einer integralen Psychologie berücksichtigt den Erkenntnisprozess der Bewusstseinsstufen nicht. Der Gedanke eines naiven Wir ist unrealistisch und kann zum Abbau von Emergenzen führen und damit das Bewusstsein enorm schwächen, so dass es zu einer Orientierungslosigkeit bei Selbstverlust kommt und wieder in die Krankheit führt. An Emergenzen wird immer gerüttelt und ein Ganzes, das sich nicht in ausdifferenzierte Systeme konfiguriert, ist totalitär und hebelt das Urteilsvermögen aus. Wir müssen Vielfalt tolerieren, aber nicht integrieren. Gegen ein totalitäres Wir hilft nur die Bewusstmachung zunächst der Unterschiede. Die Kollektivität der Verantwortung und der Rücksicht gegenüber unseren Lebensgrundlagen muss ebenfalls geklärt werden.

Klarheit gegen Diffusion und Dissoziation

Wenn der hohe Klärungsbedarf von Emergenzen extern blockiert wird, hat der Mensch keine Chance, die aufgetretenen Probleme auch real zu lösen, so dass sie nicht mehr auftauchen und so Freiheit möglich wird. Die vorsätzliche Verweigerung solcher Klärungen hat etwas Unmenschliches und kann deshalb nicht integriert werden. Es sperrt sich und versperrt anderen den Weg aus der Krankheit und den Problemen heraus. Ein Gespräch oder ein direkter Austausch in welcher Form auch immer vermag die enormen Zeitverluste zu stoppen, die mit ungeklärten Problemen verbunden sind. Es ist auf Dauer eine anhaltende Emergenzzerstörungsmaßnahme, die nicht entschuldbar ist. Deklaratives schafft Handlungsfreiheit und Gesundheit. Hier gibt es keine Rückfälle in Vorstufen der Bewusstheit mehr, die immer auch Krankheit bedeuten können wegen einer Zurückentwicklung,  und das Leben kann wieder gelingen. Wahrheit ist nie reine Konstruktion, sondern eben auch Tatsache, der sich jeder  stellen muss, bevor etwas zum Positiven geändert werden kann. Und klare Identitätsbildung ist notwendig, um nicht zur Projektionsfläche für andere zu werden. Ohne deutliches eigenes Profil bleibt der Mensch ein Blatt im Wind. Profil zu zeigen kann Widerstand erzeugen, aber darf nicht zu Schädigungen führen. Aus schweren Fehlern kann man keine Tugend machen. Das Ganze kann sich nur weiterentwickeln, wenn der Einzelne bei sich anfängt und sich selbst durchschaut. Es gibt kein Aufgehen in einem Ganzen – kann pathologische Züge haben -, bevor der Mensch nicht ganz zu sich selbst gekommen ist.

 

Gehirnschutzrechte

Die Faktoren, die unser Großhirn angreifen, sind leider vielfältig. Erkenntnisse erfordern auch eine verbesserte Rechts- und Gesetzeslage

Wenn unsere Gesundheit, unser Wohlergehen, unser Glück, unser Erfolg und unsere Leistungsfähigkeit von der uneingeschränkten und individuellen Großhirnerarbeitung über Sinnerzeugung auch über neue neuronale Verschaltungen abhängen, dann müssen wir alles tun, um diese Funktionen und Fähigkeiten zu schützen. Eigene Produktivität und Kreativität bzw. Potenzialentfaltung auch im Selbstdenken verursacht nicht nur Glücksgefühle oder Glückseligkeit (was Sexualität niemals bewirken kann), sondern eben auch Gesundheit, da unser Großhirn über den Organismus wacht und diese Funktion nicht belastet und eingeschränkt werden darf.  Zunächst muss der Einzelne alles tun, um sein Großhirn zu schützen, aber auch Recht und Politik müssen die Erkenntnisse über unser Großhirn ernst nehmen und Reformen einleiten. Es ist nicht länger das Privileg einzelner, von seinen Großhirnleistungen zu profitieren. Jeder kann produktiv und kreativ werden und damit auch viel für seine gesamte Gesundheit tun. Entfaltung des Eigenen ist gottgewollt und darf nicht länger als gemeinschaftsfeindlich betrachtet und interpretiert werden. Es gilt, das Eigene zu erkennen und es zeigt sich daran, dass es glücklich macht. Das ist wie ein Lottogewinn, wenn der Mensch zunächst ganz zu sich selbst findet und jede Fremdbestimmung loslässt bzw, hinausschmeißt.  Es hängt viel davon ab, das Eigene so gut wie möglich zu entwickeln und ein Leben in Selbstbestimmung zu führen. Kreativität bezieht sich auf viele Bereiche des Lebens wie des Kochens (Ernährung) , der Kleidung, der Lebensführung, der Hobbies, der Gewinnung von Freunden usw. Alle Facetten wollen bedient werden, damit das Großhirn kontinuierlich wächst und sich manifestiert gegen alle möglichen Abbauprozesse, die bei Streit, Stress, Gewalt, Zwänge, Armut und unpassender Umwelt stattfinden. Unser Gehirn reagiert hier gnadenlos degenerierend, wenn wir irgendwo gegen uns selbst handeln oder eben misshandelt werden. Das Großhirn erkennt auch schnell die unlauteren Motive anderer und kann sich schützen.

Das entfaltete Großhirn ist objektiv

Der Soziologe Ulrich Beck behauptete wie schon vor ihm Goethe, dass es kein Wir ohne ein Ich gibt. Die Tendenzen, das Ich aufzulösen, weil man es für den Ort des Egoismus und der schlechten Eigenschaften hält, sind vorbei. Das Selbst sollte niemals aufgegeben werden und eine Meditation sorgt für Ordnung im Gehirn, darf aber nicht so weit führen, dass sich das Selbst auflöst. Die Zukunft sieht anders aus. Der vollkommen zu sich selbst gekommene Mensch schädigt nicht und beutet nicht aus, weil er das Höchste erreicht hat und die ganze Schöpfung in ihm wirksam wird. Gegen die Selbstverherrlichung finden interne Korrektur- und Regulationsmechanismen statt. Das Großhirn ist in alle Richtungen kritisch und kann auch die eigenen Produkte richtig einschätzen, dahingehend ob etwas gelungen ist oder eben nicht. Im hoch organisierten Großhirn findet eine Verbindung mit dem Einen und Höchsten statt.  Das ist kein Übervater und keine Übermutter, sondern das Vollkommene, das wir erreichen wollen in allen unseren Taten.  Sicher kann man einwenden, dass viele Menschen sich über sich selbst irren und ihre Urteilskraft sehr dürftig ist. Viele verstehen sich und ihre Motive nicht und sind dadurch auch belastend und kein Gewinn. Das gilt noch für einen großen Teil der Gesellschaft, die eben nicht das Ganze befördert, indem es die richtigen Dinge tut. Die Selbstverantwortung in Bezug auf den eigenen Geist und das Großhirn, die einem niemand abnehmen kann – auch kein Partner oder Therapeut – ist noch lange nicht so bewusst, wie es sein müsste. Auf Schule und Universität allein kann und darf sich keiner verlassen, da die ein flüchtiges Wissen im Auge hat, aber keine Selbstkonstruktion. Heilung erfahren wir nicht über das Andere, sondern zunächst über das Eigene. Auch von Abhängigkeiten gegenüber Autoritäten ist abzuraten, da hier Verunstaltungen aller Art drohen. Wer nicht in eine produktive und kreative Auseinandersetzung kommen kann – was das Großhirn beabsichtigt – der fange eben bei sich selbst an und erforsche das eigene Selbst, ohne sich von anderen beraten zu lassen, was nicht zielführend ist.  Der Mensch sollte so früh wie möglich wissen, worum es ihm im Leben geht und alles dafür tun, das er das auch realisieren kann.  Mit unserem Großhirn und seiner Individualisierung ist kein Subjektivismus verbunden, sondern zunehmende und wachsende Objektivität.

Individualisierung ist die beste Gesundheitsmaßnahme

Ein unerkanntes, blockiertes, instrumentalisiertes und determiniertes Ich verliert seine Fähigkeit, das eigene Selbst zu erneuern und zu organisieren. Und es sind alles Organisationsprozesse, die immer höhere Ordnungen hervorrufen und sich auf das ganze Leben erstrecken wie eben auch der Gesundheitsvorsorge und der Lebensführung für die Erreichung der Selbstheilungskräfte, die sich jeder erarbeiten kann, wenn er nicht gegen sich selbst wirksam wird. Viele leiden unter diesen mentalen Autoimmunkrankheiten und kommen nicht weiter im Leben. Das einzigartig Individuelle ist kein Schreckgespenst, sondern die Chance auf lebenslanges inneres Wachstum ohne dauernden Appell an sein Gutsein. Das entwickelte Großhirn ist gut, empathisch und intuitiv und weiß um die eigenen Überforderungen. Der nicht zu sich selbst Gekommene hat allerlei Unsinn im Kopf, weil er den Schlüssel für das Eigene nicht findet, das eben auch der ganzen Gesellschaft in Kultur, Leben, Arbeit  und Wissenschaft zugute kommt.  Eine hoch entwickelte Gesellschaft besteht nur aus hoch entwickelten Individuen, die sich frei entscheiden können. Mentale Krankheiten bestehen in Entwicklungsstörungen in Bezug auf das voll entfaltete Großhirn wegen Verletzungen und Fehler in der Lebensführung, die zu wenig Selbsterkenntnis enthält. Wenn ich sehr glücklich bin mit dem, was ich tue und produziere, entstehen  neuronale Verschaltungen (nicht über den Hedonimus und ganz sicher nicht über Kriminalität und andere Degenerationen). Kein Mensch ist von Geburt an kriminell. Auch der Kriminelle muss in erster Linie etwas für sein Großhirn tun über Bildung, Selbstdenken und Produktivität, um ein besserer Mensch zu werden.  Reine Bestrafung ist kontraindiziert. Resozialisation ist auch hier nur über Entfaltung möglich. Selbst das Nachdenken oder Selbstdenken vermag also das Großhirn aufzubauen. Das darf man sich nicht abnehmen lassen. Therapien müssen genau das befördern, damit sich der Mensch selbst heilen kann durch Selbsttätigkeit. Je komplexer ein Großhirn ist,  desto wahrscheinlicher sind auch seine Selbstheilungskräfte, die vieles reparieren können, was das Leben  oder einfaches Fehlverhalten degeneriert.  Kein Mensch darf sich für eine Sache verzwecken lassen, da hier die Krankheiten vorprogrammiert sind. Das Großhirn kann seine Arbeit nicht leisten.

Das Geistgehirn muss entscheidungsfähig sein

Das Grundgesetz müsste dringend überarbeitet werden trotz der globalen Rückschrittlichkeit. Auch alle Vergemeinschaftung ist ein Rückschritt, wenn es das Eigene unterdrückt und eliminiert, anstatt es zu befördern als einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Komplexität, auf die wir immer mehr angewiesen sind auch angesichts der Digitalisierung. Damit verbunden ist eine höhere Kritikfähigkeit all dem gegenüber, was unser Dasein nur beschränkt und verunstaltet bzw. zu illusionären Vorstellungen über unser Zusammenleben und unserer Entwicklung führt.  Hier muss viel Mist aussortiert werden, der uns von außen aufgedrängt wird und niemanden befördert. Die Schule und auch die Universität belohnen die Anpassung und die Anpassungszwänge werden immer höher. Wer Bildung vermitteln will, muss es immer unter dem Aspekt tun, dass der Einzelne sie optimal ins eigene Leben integriert. Ohne Persönlichkeitsentwicklung ist diese Fähigkeit nicht zu haben.  Wer diese durch was auch immer okkupiert, stört die gesellschaftliche Homöostase, die wir ja auch durch unser optimales und spirituelles Geistgehirn herstellen können., um zu entscheiden, was wir ertragen und was nicht. Entscheidungen beinhalten immer eine Wahl und Auswahl aus der Vielfalt der Angebote. Gehirnschutzrechte und Aufklärung sind notwendige Maßnahmen gegen die schweren Folgen der vielfältigen Verletzungen und Unterlassungen – auch der eigenen aus Unkenntnis. Die Emergenzfähigkeit unseres Gehirns beweist, dass es aufwärts gehen muss in die volle Entfaltung. Und für den Fortschritt in der Entwicklung ist der freie Wille, der im Präfrontalcortex verortert ist und nicht durch Medikamente beschädigt werden darf, notwendig.

Fassen wir zusammnen: Potenzialentfaltung befördert das Großhirn, das so zu Gesundheit und Selbstheilung fähig ist und durch die damit verbundene Spiritualität objektiv und gut sowie  zu Erkenntnissen und Urteilsvermögen fähig ist. Er ist ent- und unterscheidungsfähig und er hat die Wahl.

Hypothese über das Großhirn

Wir sind den Selbstheilungskräften auf der Spur und müssen sie wohl im voll entfalteten Großhirn lokalisieren. Das hat Konsequenzen für die Behandlung von mentalen und organischen Krankheiten

Viele berichten über ihre spektakulären Heilungen selbst von vermeintlich unheilbaren Krankheiten. Die werden als Einzelfälle abgetan, da man sie nicht erklären kann. Nun sind wir eventuell ein Stück weiter gekommen und erkennen, dass die Selbstheilungszentrale das komplexe Großhirn ist, das sich entfalten will und muss gegen jede Form der Untätigkeit und Degeneration.  Es will sich lebenslang entfalten und kennt keine Altersgrenzen. Wie wichtig es also ist, sich entsprechend seiner Interessen, Fähigkeiten und Begabungen zu individualisieren, wäre damit bewiesen. Individualisierung hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist gesunde und notwendige Selbstwerdung für Arbeit und Privatleben sowie für eine aktive Mitgliedschaft in einer Gesellschaft. Höchstmögliche Integration ist so möglich und notwendig, damit Abbauprozesse unterbunden werden.  Wir müssen viel tun, um die Leistungsfähigkeit des Großhirns in Gang zu halten. Das gilt auch für Menschen mit nicht intellektuellen Tätigkeiten. Alzheimer und Demenz ist kein Altersschicksal, sondern vermeidbar bei entsprechender Einsicht und Vorsorge. Das Großhirn will und muss arbeiten, darf durch nichts stillgelegt werden. Es darf auch nicht durch Stress, Gewalt und Zwänge gegen die Entfaltung beschädigt werden. Hier können schwere Störungen entstehen, die aber reversibel sind, wenn man das Großhirn verstanden hat in seiner enormen Reparaturkapazität. Das Großhirn scheint die Schwächen und Degenerationen im Gehirn und im Körper zu erkennen und kann darauf reagieren, indem es zu einer gesunden Funktionalität zurückkehrt. Die höheren Stufen des Bewusstseins (Großhirnentfaltung bzw. -aufbau)  heilen die unteren. So können Traumata überwunden werden.

Es gibt keine genuinen Grenzen

Wir sind davon ausgegangen, dass alle mentalen Erkrankungen Großhirnleistungsstörungen sind, d.h. die Homöostase ist mehr oder weniger gestört. Von Großhirn selbst gehen keine Erkrankungen aus, es darf auf keinen Fall behindert oder determiniert werden, denn der Entwicklung sind keine genuinen Grenzen gesetzt, es ist unendlich konstruiert auch im Sinne einer evolutiven Schöpfung. Das hat Konsequenzen für die Behandlung von mentalen Erkrankungen. Psychopharmaka sind demnach eigentlich kontraindiziert, die Eingriffe ins Gehirn sind gefährlich, weil sie die Selbstheilungskräfte aussetzen bzw. das Großhirn in seinem kontinuierlichen Aufbau beschädigen und degenerieren. Zukünftige Behandlungen müssen so aussehen, dass das Großhirn wieder aktiviert und in seiner Kontrollarbeit unterstützt wird. Wie diese zukünftigen Behandlungen von Störungen konkret aussehen könnten, muss erarbeitet werden (z.B. sensorische Impulsgebung für die Aktivierung). Vieles, was wir tun, ist nicht förderlich für die freie Entwicklung des Großhirns und seiner Kompetenzen. Hoch individualisierte und hoch kreative Menschen wie der gestern verstorbene Pierre Cardin beweisen die Richtigkeit der Hypothese. Bis ins hohe Alter von 98 Jahren war er produktiv und natürlich sehr erfolgreich. Nur ein passives Lernen von etwas baut wohl nicht so intensiv auf wie die eigene Produktivität. Sie ist in uns angelegt. Die Conditio humana will tätig sein, aber hier auch immer gefordert und interessiert bleiben.  Ein Großhirn geht nicht in Rente und es steuert auch den Rest des Körpers, erkennt hier die aufgetretenen Fehler und mobilisiert die Gegenmittel. Es ist so oder so hoch intelligent.

Schädigungen des Großhirns und seiner Entfaltung sind Menschenrechtsverletzungen

Zu jeder Zeit ist also durch das Großhirn kontrolliertes (ist keine Beschränkung) und reguliertes Wachstum möglich und muss entsprechend unterstützt werden. Alles, was das Großhirn beschädigt, muss unterlassen werden, da die Selbstaufgabe durch Einschränkungen und Determinierungen auch durch Dequalifizierungen dasselbe unfähig macht, die Reparaturmechanismen in Gang zu halten und zu setzen. Wer dann auch noch zu Drogen greift, macht die Arbeit des Großhirns unmöglich wie auch einige Medikamente wie Neuroleptika, die eindeutig das Großhirn schädigen und einen Aufbau aussetzen. Wer sich frei entfalten kann, ist ein glücklicher und zufriedener Mensch. Er ist vor allem leistungsfähig für den Erhalt der Lebensgrundlagen und nicht auf Alimentation angewiesen. Das eher passive Schul- und Bildungssystem fördert das Großhirn nur bedingt. Für die volle Entfaltung des ganzheitlichen Großhirns bedarf es vor allem der Kreativität, der Ideenfindung, des Forscher- und Entdeckungsdrangs, was nicht nur wenigen zukommt wie Alexander von Humboldt, sondern der ganzen Menschheit. Eine Gesellschaft und Politik, die selektieren will, weil es wenig attraktive Berufe gibt, hat nicht verstanden, dass es hier ein Umdenken geben muss. Großhirnförderung muss die Pflicht werden auch aus volkswirtschaftlichen Gründen, um Krankheiten vorzubeugen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren für lebenslange Gesundheit, die nicht vor dem Fernsehapparat enden darf oder im Drogenmissbrauch, weil der Frust zu groß wird. Gesunde Lebensführung ist Bildungssache und Aufklärung über die Leistungen unserer höheren Vermögen Pflicht. Erkenntnisse über die wunderbaren Leistungen unseres Gehirns müssen zu politischen  Neuerungen führen. Verletzungen der Identität des Menschen können das ganze Leben zerstören und zu schweren Erkrankungen führen. Deswegen ist Hartz IV eine Menschenrechtsverletzung, denn es ist hier ein Abbauphänomen integriert, anstatt Menschen nach Kündigungen wieder aufzubauen und zu fördern für die Wiedergewinnung von Selbstbewusstsein und Kompetenz.

Das Wissen um sich selbst

Großhirnaufbauleistungen können meines Erachtens nicht allein durch Therapien gewährleistet werden. Wer schwer geschädigt ist, braucht Impulse von außen und soll sich seiner Fähigkeiten wieder bewusst werden. Bewusstseinsprozesse dürfen nicht von außen gestört und manipuliert werden. Es darf allerdings für den Erhalt des Urteilsvermögens vorsichtig korrigiert werden. Aber es gilt vor allem, das Ureigene zu entdecken und freizulegen und so zu initiieren, dass alle Fremdbestimmungen eliminiert werden, die ebenfalls das Großhirn behindern. Wo die Entwicklung des Eigenen unterbrochen wurde, kann es wieder aufgenommen werden gegen jede Resignation und auch Gleichgültigkeit der Umwelt. Die intrinische Motivation muss aktiviert werden für die Selbstorganisation und Selbstbestimmung. Hier sind wir immer noch mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Individualisierung entgesellschaftet. Das ist falsch, denn der Mensch braucht gute Beziehungen, um weiter zu wachsen und sich geborgen zu fühlen gegen jede Form der Isolation und Geworfenheit. Wenn also unsere gesamte Gesundheit und Leistungsfähigkeit vom Großhirn und seinen wundertätigen Leistungen abhängt, dann müssen wir umdenken. Der naive Hedonismus fördert nicht eine einzige neue neuronale Verschaltung und hat mit Gesundheit nichts zu tun. Menschen durch schädigende Medikamente zum Vegetieren zu verurteilen, ist eine Ungeheuerlichkeit im 21. Jahrhundert. Und reden wir nicht andauernd von Digitalisierung, sondern von der Entwicklung des Menschlichen, damit sie mit einer Digitalisierung auch human umgehen kann. Und zu allerletzt ist das Gute und Schöne und Wahre das entfaltetes Großhirn, das alle Unterzentren im Auge hat und Störungen selbst beheben kann, wenn es um sich selbst weiß. Und Komplexität wird vor allem durch Produktivität (Selbstdenken) erwirkt für eine offene Wachsamkeit und Lebendigkeit.

Integrale Psychologie

Es handelt sich bei dem Begriff der integralen Psychologie um einen interdisziplinären, der für das Verständnis und die Heilung von mentalen Erkrankungen maßgeblich ist

Ken Wilber versucht in seinem Buch Integrale Psychologie die Kombination aus Philosophie, Psychologie und Theologie. Hinzukommen sollte meiner Meinung nach auch immer die Soziologie, die gesellschaftliche Phänomene thematisiert. Diese Verbindung verschiedener Wissenschaften ermöglicht eine weitere Differenzierung gegen mystische Vereinfachungen eines nicht näher erläuterten Wir, das Wilber zwar beschwört, aber das so nicht durchzuhalten ist. Wenn von Verbundenheit die Rede ist, dann ist damit die Verbindung zu Gott gemeint und damit auch zu einer Mahnung der Entwicklung zu mehr Vollkommenheit und tieferen Wissens. Emergente Zustände sind keine momentanen Gipfelerfahrungen, wie sie Wilber identifiziert, sondern es sind Zustände höheren Wissens, die mit dem naiven Hedonismus nicht vereinbar sind. Auf dieser Stufe des Daseins werden wir nicht erleuchtet und durchdrungen von Erkenntnissen über uns selbst und über andere. Die Welt erschließt sich auch nicht über den horizontalen Eros. Weder reine Meditation noch Sexualität führen zu Heilungsprozessen, da hier die Vertikalität nicht erreicht wird. Der supramentale wissende Geist, der nicht mit dem freudianischen Über- Ich korreliert,  kennt keinen Trieb, der ein Abstiegsphänomen ist. Als Menschen sind wir nur dann verbunden, wenn Identifizierung möglich ist. Ein diffuses Wir ist kein reales und intentionales, denn es wäre totalitär.  Das Wir einer Kultur ist immer auch Produkt einer differenzialen Ethik. Vielfalt muss toleriert werden, aber Akzeptanz ist damit nicht verbunden. Und mit einer heterogenen Vielfalt können wir uns nicht identifizieren. Uns sind hier also Grenzen gesetzt. So bleibt eben nur die demokratische Auseinandersetzung, die durch nichts Mystisches ersetzt werden darf. Die Stufen des Bewusstseins entscheiden über das Leben (auch Arbeit) , das man dann führt.

Der Anstoß innerer Entwicklungen

Die integrale Psychologie der spirituellen Vertikalität erlaubt eine Neudefinition dessen, was mentale Krankheit und Gesundheit bedeuten. Durch die Vertikalitiät verlieren wir nicht an Realität, sondern wir gewinnen sie erst durch den höheren Blick von oben, den wir einnehmen können in Bezug auf die Selbsterkenntnis und in Bezug auf die Zusammenhänge unseres Daseins allgemein. Die meisten mentalen Krankheiten können nicht geheilt werden, weil deren Behandlung in einer horizontalen Pragmatik steckengeblieben ist und den materiellen Reduktionismus anstelle eines Geistparadigmas präferiert. Emergenzen sind nicht nur Ausdruck von Komplexität, sondern einer Gottgeistigkeit, die durchschaut und erschaut, was zur Verbesserung unseres Lebens beitragen kann. Sicher muss neues Wissen geprüft werden und begründet sein. Es ist hier nichts einfach zu behaupten. Es ist aber deutlich, dass es Selbstheilungskräfte gibt und dass sie für jedermann zugänglich gemacht werden sollten und könnten, wenn die Voraussetzungen erklärbar werden. Für die Selbstheilungskräfte müssen wir in die Emergenz und in emergente Entwicklungen, die sich mit dem Höchsten verbinden für die objektive Schau der Dinge. Raum und Zeit spielen hier keine Rolle. Wir treten also auch aus den Gefängnissen unserer Sinne heraus und kommen in das Reich des Denkens, des Geistes, des göttlichen Geistes als Möglichkeit vertikaler Verbundenheit, die wir als Erleuchtung bezeichnen. Es ist kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck intrinsischer Motivation, die aus der subjektiven Isolation befreit. Über diesen Weg kann man zu anderen finden für die eigene Identifikation, die der Mensch braucht, um sich wohlzufühlen und wachsen zu können. Die Systemtheorie besagt, dass dies eben nicht unter allen Umständen möglich ist oder sehr erschwert werden kann. Der zunächst immaterielle Aufstieg in die emergenten Sphären kann behindert und gestört werden, wenn er sich selbst nicht bewusst genug gemacht wurde. Bewusstheit ist ein Schutz gegen allerlei Angriffe auf den Tempel. Wie wir den Prozess der Emergenzentwicklung für die Selbstheilungskräfte von außen anstoßen können, muss noch erarbeitet werden. Der Aufbau eines emergenten Geistes für Gesundheit und Kompetenz ist aber kein Geheimnis mehr. Der emergente und entwickelte Geist nimmt Einfluss auf die körperliche Ebene der Epigenetik und steuert so den Organismus. Die innere Entwicklung ist höchst individuell, um beim überindividuellen Gottgeist ankommen zu können. Das komplexe Eigene ist Voraussetzung für die Möglichkeit von Emergenz, die aber das korrigierende und relativierende Überindividuelle thematisiert im Gott- und Weltgeist.

Keine Spiritualität ohne Säkularität

Nur eine interdisziplinäre Sichtweise kann Aufschluss über die Möglichkeit des Heilungsprozess geben durch Differenzialismus und nicht durch Mystizismus, der immer eine sehr subjektive und persönliche Erfahrung bleibt ohne Konsequenzen für das reale Leben, dem wir entsprechen müssen, wenn der Mensch bestehen will als politisches und soziokulturelles Mitglied einer konkreten  Gesellschaft. Säkularität, also dem Wirken in der Welt,  wird mit Spiritualität verbunden – das Eine ist ohne das Andere blind und kann degenerieren. Gegen alle Formen der Regression schützt uns die vertikale Verbindung, die gleichzeitig aus den inneren Gefängnissen befreit – seien sie selbst- oder fremdverschuldet. Die geistigen Energien, die hier zufließen, können die Störungen und Krankheiten beheben, die auf rein körperlicher Ebene nicht heilbar sind. Es geht nicht um Körperfeindlichkeit, sondern um Transzendenz und Transformation, die in Verbindung mit dem höchsten Geist möglich wird, aber das Fundament nicht wegreißt. Auf den Körper ist immer zu achten in bewusster Ernährung und Bewegung. In der vertikalen Verbundenheit entwickeln sich auch Intuition für das Eigene und das Andere als Einsicht, die immer auch analysiert werden muss. Ganzheitlichkeit bezieht sich auf das Individuum, das die wesentliche Aspekte des Daseins integrieren muss, um zu einer stabilen Gesundheit zu gelangen. Diese Selbstverantwortlichkeit auch für die eigene Gesundheit muss mit einer differenzierten und personalisierten Medizin gestützt werden. Gesundheit bedeutet auch immer reale Verankerung in dieser Welt, die nicht aufgegeben werden darf, damit wir handlungs- und organisationsfähig bleiben. Es bleibt also auch immer eine Intentionalität zum Du, die aber ohne die teleologische Vertikalität unvollständig bleibt und damit nicht erfüllend ist. Die vielen Aspekte ganzheitlicher Gesundheit müssen im Einzelnen thematisiert werden gegen falsche Propaganda und falsche Prämissen. Mentale Gesundheit beinhaltet immer auch ein gutes Realitätsvermögen für die Bildung einer Urteilsfähigkeit, die auch die eigenen Kompetenzen erweitert. Überhaupt bietet die vertikale Emergenz eine Befreiung der eigenen Fähigkeiten. Reine Komplexisierung ohne vertikale Führung kann zu Dissoziation führen. Die Bildung eines supramentalen Geistes scheint die Voraussetzung für die Selbstheilungskräfte zu sein, da hier die gestörten mentalen Zustände überwunden werden können in ihrer Virulenz. Der Mensch besitzt diese Fähigkeit zur Selbstheilung durch Emergenz und kann sie sich erarbeiten, wenn sie ihm entfallen ist oder entzogen wurde. Die Evolution des supramentalen Geistes ist dann erreicht, wenn es keine Rückfälle in untergeordnete Zustände mehr gibt, also die materiale Entsprechung als Folge im Gehirn gebahnt bleibt unter den gewählten, möglichst optimalen Umständen auch in Beziehungen.

Das kulturelle Wir

Auch das kulturell Ganzheitliche bedarf der individuellen emergenten Entwicklungen und Einsichten auch  in die Belange von Natur und Welt. Das Menschenmögliche im Auge zu haben, heißt, die Chance auf einen Bewusstseinswandel zu erhöhen für den Erhalt der Lebensgrundlagen. Das kulturelle Wir steht also vorerst in der Verantwortung für das Ganze und in der Pflicht der Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit, damit ein kultureller Organismus wächst, der immer bewusster mit sich und mit anderen umgeht im Appell an die eigene Möglichkeit zur Emergenz. Das bedeutet Duldung, aber nicht Befürwortung, wenn die Eigenverantwortlichkeit nicht berücksichtigt wird. Sie darf auch durch keine Gewalt und keine Zwänge beeinträchtigt werden, da sonst Emergenz ausfällt. Alles muss dafür getan werden, dass diese höheren Funktionen unseres Geistes und auch des Gehirns geschützt werden, damit der Mensch gesund und leistungsfähig bleibt. Die Verantwortung liegt hier bei der Politik, die Voraussetzungen für Emergenzen zu schaffen, die die Menschheit vor schweren Erkrankungen schützen kann auch durch Einsichten in das Funktionieren des eigenen Organismus. Auch kann die Supramentalität (auch Freiheit von Affekten) durch unpassende Systeme und Beziehungen (keine Resonanz)  schwer beeinträchtigt werden. Emergenzen können auch durch Zufälle erzeugt werden, die aber nicht verwissenschaftlicht werden können sowie auch keine mystischen Erfahrungen. Ken Wilbers Buch ist wegen fehlender wissenschaftlicher Fundierung nur ein Anstoß in die richtige Richtung.

Ken Wilber: Integrale Psychologie. Freiamt. 5. Auflage 2016

Das Werden des Seins

 

 

 

 

Hegel hat in seinen Werken darauf hingewiesen, dass die Lebendigkeit unseres Daseins  in der Entwicklung des Geistes auch zum Weltgeist besteht, der den Fortschritt will und das Unvollkommene ablehnt

Wir nehmen es heute hin, dass viele Künstler und Kreative starke Stimmungsschwankungen haben oder gar den Verstand verlieren. Hintergrund sind die durch externe und interne Faktoren verursachten Großhirnleistungsstörungen, die den  hoch komplexen Geist aushebeln. Der Geist ist aus seiner vertikalen Verankerung geraten, die ihn konstant und aufrecht erhält. In Anlehnung an das Johannes-Evangelium sieht Hegel die einzige Möglichkeit der Wahrheit durch und in Gott als Linie: Gott, Geist, Wahrheit, Leben und Weg. Der Idealismus zeichnet sich dadurch aus, das er an eine objektive Wahrheit glaubt, die wir individuell erfahren können und so auch zu neuen Erkenntnissen über uns selbst und die Welt kommen. Die Beliebigkeit der Vielfalt allein eröffnet uns nicht den Weg zur Erkenntnis, den wir in der Sicherheit der Zuwendung und Suche nach Gott einschlagen und seine Wahrheit begreifen als ein ständiges Werden, das Sein und Nichts überwindet. Wir dürfen nicht verharren und nicht stillstehen. Es ist die Bewegung in eine Sphäre der Einsicht in die Dinge des Lebens und des Menschseins. Der Mensch, wie er gedacht ist, darf sich nicht begnügen mit einem Wissen, das eben nicht die Züge des Vollkommenen trägt. Hier ist der Mensch aufgerufen, sich erneut zu vergewissern, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. In der Befragung des Höchsten und Vollkommenen sehen wir auf den Grund des Eigenen und können so die Richtung einhalten für den Weg in die Erkenntnis des Allgemeinen wie des Besonderen. Ohne das Eindringen in die Tiefe des besonderen Einzelnen kommen wir nicht zu den richtigen allgemeinen Ergebnissen. Das Zusichselbstkommen ist der Ausgangspunkt für die Kritik am Bestehenden, das sich nicht mehr in der Entwicklung befindet und den Menschen als Geschöpf Gottes verfehlt. Wenn davon ausgegangen werden kann, dass der Mensch gottesebenbildlich ist, dann hat er auch Vermögen, die ihn durch sich selbst in die Achse des erhellenden Werdens bringen, ohne dass er andere zu Rate ziehen müsste.

Ich bin nicht mein Gehirn

Diese Selbsttätigkeit und das Wissen um die Selbstermächtigung ist eben keine isolierte und absolute Selbstverherrlichung, sondern immer im Dialog mit etwas Höherem, das sich zeigt und gehört werden und unnachgiebig die Wahrheit zur Wirklichkeit machen will. Sie lässt sich nicht verdrängen und nicht vergessen. So verhält sich Idealismus zur Realität als eine Einheit, die keinen Bruch erleidet, sondern beständig den Geist korrigiert, wo er sich irrt. Es bleibt bei einem vorsichtigen Tasten in die volle Erkenntnis von Geist und seiner materialen Struktur,  das Gehirn genannt wird, das aber wissenschaftlich untersucht keine ausreichenden Einsichten vermitteln kann, denn der Geist ist das immaterielle Vermögen, alle Dinge von Grund auf neu zu untersuchen und das infrage zu stellen, was wir bisher wissen. Er ist seinem Gehirn übergeordnet. Wenn von der Macht des Geistes die Rede ist, dann meinen wir nicht irgendwelche Rechen- und Operationsleistungen, sondern wir meinen das Vermögen, uns selbst so grundlegend neu zu organisieren, dass wir all das überwinden können, was fremd in uns einwirkt und die Geist- und Seelenkräfte schwächt bis in die Krankheit hinein. Wir können die Welt um uns herum nicht zurechtbiegen, aber wir haben die Macht, uns selbst so zu verbinden, so dass wir das Widersinnige und Unerträgliche erkennen und uns innerlich in die Kraft der vertikalen Bewegung einfinden, damit wir hier gelenkt und geführt werden und so den gnadenlosen Subjektivismus überwinden. Es ist ein Werden zu einem Gefäß der Erkenntnis. In dieser inneren und äußeren Formung verdeutlichen sich die falschen Wege, die nicht zur Erkenntnis und nicht zum Gelingen beitragen.

Einen Dialog mit Gott führen

Wer also die Wahrheit sucht – auch die Wahrheit über sich selbst-, der kann sie nur sehen, wenn er gleichzeitig von oben schaut auf das, was er ist. In dieser Selbstkritik sieht er die Schwäche und die Stärke und kann an sich arbeiten, so dass die Handlungen auch fruchtbar werden und nicht in sich zusammenbrechen, weil das Ganze nicht erreicht wurde als ein Zusammenspiel von verschiedenen inneren Vermögen, die jeden falschen Ton und jede falsche Absicht im Grunde beantworten, wenn man gelernt hat, auf sie zu hören. Gott ist hier nicht der Übervater, der ein Über-Ich konzipiert, sondern ein dialogisches und dialektisches Geschehen, das die Wirklichkeit nur in der Zustimmung verändern kann und nicht durch Gewalt. Es bedarf der Einsichten auch anderer. die die Wahrheit dieses inneren Dialogs begreifen als Chance für sich zunächst. Es ist oft ein Ringen, weil auch die Erreichung der Ganzheit immer auf ein Du abzielt, das in uns lebt durch Gott als die vorbereitende Abstraktion auch für die Realisierung von erarbeiteten Inhalten in Bezug auch auf eine mögliche Kooperation für die eigene und die allgemeine Erneuerung, die uns qua Schöpfung als Möglichkeit gegeben ist. Selbstorganisation ist immer ein Prozess aus gewählter Umwelt und dem Ich.  Es geht nicht um die Determinierungen, die uns nicht nur beschränken, sondern uns auch die Erkenntnisfähigkeit nehmen. Wir treffen vorerst eine Wahl, um etwas zur Wirklichkeit zu bringen, was wir Fortschritt nennen, dem besten Fall des Werdens. Das spezifische Zusichselbstkommen  ist immer Ausdruck auch des Ankommens bei etwas anderem, weil wir dialogisch konzipiert sind. Damit aus uns das Göttliche redet, müssen wir uns befreien von dem Unwahren und dem, das uns erschüttern kann. wenn wir es nicht eindämmen. Diese Störungsmacht muss gebrochen werden durch die Gewissheit einer vertikalen Verbundenheit für die Öffnung des Eigenen zum objektiven Sein und damit zu neuen Möglichkeiten.

Die Entwicklung zu mehr Vollkommenheit

Gott ist das Vollkommene und Wirksame, das uns mahnt, das Beste aus diesem Leben zu machen und die Unzulänglichkeiten nicht hinzunehmen. Diese Verbundenheit ist keine Bequemlichkeit und nichts Exklusives, sondern für jedermann erreichbar, der diese Verbindung sucht. Er wird angetrieben, die Dinge zu durchleuchten und sich selbst zu befragen und Evidenz zu erzeugen, damit wir mehr über uns selbst erfahren über die unbegrenzten Möglichkeiten unserer Vermögen, Dinge zum Besseren zu entwickeln. Wir haben uns nie endgültig erfasst und ausgeschöpft, wir sind in einem Prozess, der zu Korrekturen veranlasst. Der Mensch ist nicht erfasst, solange wir auf seine Defizite schauen. Das Defizitäre überwiegt vielleicht, aber Besserung ist nicht eine Frage des Erreichens, sondern eine Frage der Teleologie. Wir streben in die Unendlichkeit der Erkenntnisse, die uns vor den Bedrohungen der Zeit bewahren könnte durch ein Um- und Neudenken unseres Daseins überhaupt. Die Restriktionen determinieren unsere freie Sicht auf die Dinge des Lebens, die sich zu jeder Zeit ändern können, wenn wir uns selbst in Bewegung setzen und respektieren, dass die Grenzen des anderen auch meine Grenzen sind, ohne dass sie mich einschränken. Ich entscheide über die Permeabilität und bleibe in der Ordnung meiner Kräfte  für die Generierung von Zukunft, die immer dann mir Hoffnung verbunden ist, wenn ich mich gehalten fühle in einem universellen Werden des Seins, bis der Tod dem vorläufig ein weltliches Ende setzt. In uns wirken aber auch die Seelen der Toten.

Die sozialen Implikationen einer neurowissenschaftlichen Ethik

Die Zeiten eines eher diffusen Miteinanders und des Beschwörens von undifferenzierter Gemeinschaft sind vorbei. Wir müssen hier genauer betrachten

Es wird wieder viel von Solidarität und Gemeinschaftssinn gefaselt, ohne genauer zu erläutern, wie dies konkret aussehen soll. Wenn wir von Verbundenheit reden, so meinen wir eine ganz allgemeine mit einem Kosmos und nicht mit konkreten Menschen. Hier bleibt das Kriterium der Sympathie und der Auswahl ausschlaggebend für die Bildung von Wachstumssystemen, die wir im Grunde wollen, die aber nicht mit jedermann möglich sind. Das Gehirn will die lebenslange Entwicklung und muss sich dafür die entsprechende Nische suchen, denn im Allgemeinen kann kein Gehirn wirksam und produktiv werden. Es muss sich entscheiden für oder gegen etwas. Wir müssen also immer eine Auswahl treffen, um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben. Wer sich selbst gerne weiterentwickelt, wird in einem Umfeld der Nichtentwicklung nicht nur zutiefst unglücklich, sondern hoffnungslos in der Gefahr des Gehirninfarktes. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Stagnation, die die Entfaltung der neuronalen Schaltungen blockiert, so dass das Gehirn in sich zusammenbricht. Wer nach Emergenzen das determinierende und blockierende Umfeld nicht verlässt, der geht ein hohes Risiko einer Erkrankung ein, denn Höherentwicklungen treffen bei Nichtentwicklern auf keine Resonanz. Gehirne suchen andere Gehirne, die in selbstorganisierter Form den Austausch wollen für eine zunächst exklusive Formation im Sinne einer Neuorganisation in einer Peergruppe mit dem Ziel der Erweiterung von Einsichten. Diese Übereinkünfte können nicht alles integrieren, sondern müssen sich abgrenzen, um zu neuen Ergebnissen zu kommen. Es sind Forschungsgemeinschaften, die aus der Banalität des Alltags aussteigen, um den Gehalt von Erkenntnissen synergetisch erfassen zu können oder der Alleingang wird unabdingbar, um sich neu zu organisieren. Es gibt dysfunktionale Beziehungen und Systeme. Die müssen in ihrer Virulenz erkannt und verstanden werden.

Emergente Strukturen suchen nach anderen emergenten Strukturen

Synergie erfolgt nicht unter Ungleichen. Diese Gehirne reagieren nicht aufeinander, sondern führen zu Ausbeutungsverhalten. Man nimmt trotzdem, was der andere nicht geben will, und es entsteht die Schieflage, die ein erster Schritt ist zum Abbau neuronaler Verschaltungen. Wer nicht selbst intensiv an sich arbeitet, kann  nicht in Kontakt treten mit emergenten Gehirnen, die alles dafür tun, um Emergenzen zu erzeugen und zu erhalten für die eigene Gesundheit und Produktivität. Komplexität ist eine Frage von Impulsen, die die eigene Richtung verstärken und kein allgemeiner und beliebiger Prozess. Wenn man ein System bilden will, das hoch produktiv sein soll, müssen die subjektiven Voraussetzungen stimmen, d.h. die Voraussetzungen in die Entwicklung von Emergenzen und ihren Folgen müssen eingesehen werden können. Emergente Strukturen sind dann berechenbar und können das eigene Potenzial deutlich heben. Stimmen die Voraussetzungen nicht durch welche Faktoren auch immer, schaltet das Gehirn weitgehend ab bis in die Reaktion einer Depression, weil starke Differenzen keine Resonanz erzeugen, sondern Abwehr. Unter diesen Bedingungen arbeitet das Großhirn nicht mehr optimal und kann kollabieren. Intrinsisch aufgebaute Menschen suchen natürlich ähnlich Strukturierte, um die eigenen Fortschritte zu stabilisieren für weitere Prozesse der Entwicklung. Wenn wir verstanden haben, dass sich das Gehirn lebenslang entwickeln will und muss für den Erhalt der eigenen Gesundheit, bedarf es einer Ethik der Wahl gegen alle Zwänge der Gleichschaltung und Vergesellschaftung. Wir suchen zwar Gleiche, aber das ist ein höchst freiheitlicher Prozess. Wir können nichts erzwingen. Was nicht in die Synergie führt, ist meistens im Kern faul und Abwehr ist die Folge. Einseitigkeiten aller Art verletzen das Gehirn und können es so schwer beschädigen, dass es unfähig wird, sich selbst zu organisieren. Es driftet in die mentale Krankheit ab. Wir sind also gezwungen, auf uns selbst zu achten und das herauszuhalten aus dem Leben, was sich als unpassend und störend erweist. Das bedeutet keine Eindimensionalität, sondern zunächst einmal Sicherheit für das eigene Leben, von dem aus man agieren und sich die Nische sucht, in der das Gehirn dann uneingeschränkt produktiv werden kann, denn das ist unser Kapital für das Gelingen des Lebens und die Arbeit von morgen.

Wir brauchen die Kompatibilität

Wir haben also nichts davon, alle und jeden ins eigene Leben zu lassen, denn hier werden wir überfordert von den falschen Ansprüchen und Erwartungen, die wir nicht erfüllen wollen und können. Wir müssen nicht die Rede verweigern, aber wir müssen die Grenzen ziehen und festlegen, wohin sich etwas bewegen kann und wohin nicht. Für die eigene Orientierung ist es also wichtig, die eigenen Ziele so deutlich wie möglich zu thematisieren und zu erkennen, dass viele Ziele nicht kompatibel sind. Auf die Kompatibilität sind wir aber neuronal angewiesen. Sie lässt sich nicht korrumpieren und muss bei vollem Bewusstsein die Konsequenzen ziehen. Wer sich durch die Möglichkeit der Emergenzen öffnet, trifft auch auf offen Türen. Wo sie verschlossen bleiben, sucht man sich andere. Die Fokussierung auf Ziele an sich hat schon eine Ordnungsfunktion, die dann in Korrelation mit anderen entwickelten Systemen führt. Die Entwicklungsstufen sind variabel und Unterscheidungskriterien für die Bildung von Systemen und Beziehungen. Sprich: Wer auf die falschen Leute trifft nach einer Emergenzentwicklung kann schweren Schaden nehmen, denn die empfundene Ungleichheit des Unterlegenen wird dann gewalttätig ausgesetzt. Auf beiden Seiten führt dies zu großem Unbehagen. Viele Menschen sehen eine lebenslange Entwicklung nicht als ihr Ziel an und verharren in der Position der Stagnation als vermeintliche Sicherheit. Sie begeben sich nicht auf die Suche nach dem Innersten und der eigenen objektiven Wahrheit, die durch den vertikalen Weg erreichbar ist. Alles andere bleibt subjektiv und kommt nicht wirklich zu sich selbst und damit auch nicht zu anderen. Es bleibt eine Wand. Letztlich ist das emergente Gehirn auf der Suche nach anderen emergenten Gehirnen, die immer zu besonderen Erkenntnissen kommen und sich dadurch besser orientieren und Schwierigkeiten deutlicher benennen können. Wer Emergenzen gewalttätig behindert, begeht eigentlich eine Straftat, denn unser Gehirn ist so angelegt, dass es höhere Stufen der Entwicklung anstrebt, um untergeordnete Probleme besser auflösen zu können. Bekanntschaften benötigen also eine entsprechende Sorgfalt und Vorsicht, da unterschiedlich entwickelte Gehirne sich gegenseitig Schaden zufügen können. Dies gilt insbesondere für die Nichtentwickelten, die mit Aggressionen reagieren. Nichtentwicklung (aus welchem Grund auch immer) blockiert Höherentwicklung.

Besser keine Kollaboration

Selbstorganisation erfordert generisches Wachstum in Kooperation mit Gleichinteressierten, die zu einer hohen Koinzidenz fähig sind. Die Kollaboration ist und bleibt eine Gefährdung für die Eigenentwicklung, die nicht mehr zu Emergenzen führt und die Komplexität dadurch mindert, die wir für die Selbstheilungskräfte ausdifferenziert haben. System- und Beziehungsbildung unterliegen den Gesetzen möglichst höchster Resonanz und Verständigung, die zu einer inneren positiven Dynamik führen und damit zu tiefster Lebendigkeit im Erleben von Übereinstimmung. Wo dies alles fehlt, degeneriert das Gehirn und führt nicht mehr zu emergenten Lagen, die wir aber für den Selbsterhalt und die Erneuerung unseres gesamten Organismus benötigen. Nur hier können wir uns spiegeln und uns wohl fühlen in einer Wahlgemeinschaft. Wo diese Wahlmöglichkeiten stark eingeschränkt werden, wird die gesamte Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen und Krankheiten sind vorprogrammiert. Innere Selbstorganisation führt in die Selbstverantwortung gegen jede Form der Beratschlagung und Bevormundung. Ist es einmal angestoßen, wächst es aus sich selbst heraus in die Blüte der ausdifferenzierten Entfaltung für die freie Emergenzentwicklung in vertikaler Orientierung. Festlegungen in jeder Form gegen den Willen von Menschen sind Straftaten gegen die Entwicklungsteleologie des gesunden Gehirns. Für die Erkenntnis- und Gesundheitsgenerierung bedarf es der vertikalen Systemöffnung auch für die neue Systembildung nach emergenten Prozessen in der Selbstorganisation.

Komplexität für die Selbstheilung

Bisher wissen wir noch nicht genau, wodurch die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Komplexitätsentwicklung ist auf jeden Fall ein erster Schritt in diese Richtung

Für unsere mentale und organische Gesundheit braucht der Mensch kontinuierliche Entwicklung. Um deutliche Fortschritte machen zu können, bedarf es der Emergenz, die sich dann kristallisiert, wenn ein System immer komplexer wird. Diese Komplexität können wir durch intellektuelle Eigenarbeit hervorrufen oder uns von außen stark stimulieren lassen, was wahrscheinlich irgendwann auch die künstliche Intelligenz bewirken kann. Aber es gibt eben auch die intrinsischen natürlichen Möglichkeiten über die Auseinandersetzung mit den Inhalten des Denkens anderer Menschen für das eigene Denken. Passivität und reine Lernsituationen schaffen das nicht.  Für alle Großhirnleistungen brauchen wir die Eigenarbeit, die produktive Kreativität, die die Transformationsleistungen des Gehirns in Gang setzen können. Dem ist prinzipiell keine Grenze gesetzt – auch keine Altersgrenze. Es scheint so zu sein, als bräuchten wir die Komplexität und die Möglichkeiten von Emergenzen für die Gesundhaltung des Gehirns und des Körpers. Beides muss in Bewegung gehalten werden bei Entwicklung einer hohen Intuition für die eigene individuelle Gesundheit, die auch die personalisierte Medizin notwendig macht. Mentale Gesundheit besteht also nicht im Erhalt des Status quo, sondern gerade in der Überwindung von festgefahrenen Strukturen, die immer neu überdacht werden müssen. Systemtheoretisch zieht diese These eine hohe Flexibilität nach sich. Systemwechsel ist die notwendige Folge, wenn Systeme nicht kompatibel sind mit der eigenen Entwicklung von Emergenzen, die immer auch eine Bewusstheit zur Folge haben, die den Wandel notwendig macht. Um den Bewusstseinsschock zu vermeiden, sollte man sich gut neu verankern.

Neue „Therapien“

Alle mentalen Krankheiten sind möglicherweise Großhirnleistungsstörungen. Ist dies der Fall, können eben mentale Erkrankungen durch Entwicklung von Komplexität für die Möglichkeit von Emergenzen geheilt werden. Der Mensch kann so seine Kompetenzen erweitern und seine Einsichten, die entsprechende Handlungen nach sich ziehen sollten. Dafür bedarf es auch immer äußerer flexibler Strukturen., die solche Ereignisse auffangen können. Wenn mentale Krankheiten Großleistungsstörungen sind, darf das Gehirn nicht weiter beeinträchtigt werden durch Medikamente, sondern es muss aufgebaut werden durch Coaching in die Komplexität hinein oder durch gezielte Eigenmaßnahmen wie das Lesen von Büchern und anderer Möglichkeiten des Aufbaus des Gehirns für die Optimierung der Großhirnleistungen vor allem für die Gesundheit. Im Zuge von Emergenzen wächst auch die Selbsterkenntnis bezüglich der eigenen Bedürfnisse in geistiger, seelischer und körperlicher Hinsicht – hier insbesondere die Ernährung und Bewegung betreffend. Wir verhalten uns schlichtweg gesünder.  Emergenzen ereignen sich nicht in langwierigen herkömmlichen Therapien. Im Gegenteil, sie werden verhindert. Das Wissen um vergangene Verletzungen ist zwar notwendig, aber ohne Emergenzentwicklung eine Blockade und ein Rückschritt.  Da wir ohnehin durch die Emergenz zu mehr Einsicht kommen über die Zusammenhänge unseres Daseins ist ein gezieltes Bohren nach Verletzungen und Schädigungen nicht mehr angesagt. Wir wissen um uns selbst und sind gleichzeitig im sicheren Hafen der Emergenz, wenn wir uns neu organisieren. Emergenzen führen auch zu einer Neuorganisation des Körpers.

Neue Systeme

Bricht die Komplexität durch Überlastung zusammen, verflüchtigt sich auch die Emergenz, obwohl sie nicht so volatil ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Traumata aller Art haben die Eigenart, dass sie dann aktiviert werden, wenn Emergenzen keinen Ausdruck finden und wir sie nicht gut benennen können. Man kann sie aufschreiben und hier immer wieder nachvollziehen oder man kann sie aussprechen. Sie müssen aber auf irgendeine Weise bewusst gemacht werden. Es geht darum, Komplexität vor allem dann zu erarbeiten, wenn mentale Schwierigkeiten aufgetreten sind auch gegen jede Form der Demenz. Die Strategien dafür müssen ausdifferenziert  und eventuell auch durch fMRTs evaluiert werden.  Emergenzerscheinungen können auch plötzlich auftreten, aber wir wollen sie nachvollziehbar und damit verallgemeinerbar machen, damit Menschen zurück zu ihrer vollen Gesundheit finden und hier auch wesentlich resilienter werden gegen weitere Großhirnverletzungen, die uns immer wieder zugefügt werden auch durch eigenes Fehlverhalten. Der Einzelne wird hier auch selbstverantwortlich bzw. selbstwirksam, was den Erhalt und die Wiedergewinnung der eigenen Gesundheit betrifft. Heilung tritt dann ein, wenn sich das Wissen um die Selbstorganisationsfähigkeiten gefestigt haben und unsere Interessen aufrecht erhalten werden können gegen jeden Versuch der Sabotage. Die Autopoiesis ist in unpassenden Systemen nicht möglich und es bleibt bei einer Gefährdung der Gesundheit. Es geht aber nicht darum, Systeme zu meiden, sondern sie zu suchen und zu finden, eben eine neue Form der Zugehörigkeit für die Bewusstmachung auch von Identität. Die Bewusstseinsprozesse dürfen aber nicht von außen gesteuert werden, denn sie sind Ausdruck von emergenten Entwicklungen. Also der Prozess ist immer ein innerer, der  nach außen wirkt und der bei vielen mentalen Erkrankungen gestört wurde. Das Eigentliche findet wieder seine Sprache und damit zunächst zu sich selbst.

Neues Paradigma

Beratungen aller Art sind also kontraindiziert.  Es geht darum, die eigene Komplexisierung in Gang zu setzen, was andere Methoden notwendig macht. Damit verbunden ist ein Paradigmenwechsel, der auf jeden Fall ausdifferenziert werden muss. Es scheint so, dass es Hierarchien im Gehirn gibt, die wir an- oder ausschalten oder die ausgeschaltet werden und wir uns selbst verlieren durch Erschütterungen aller Art, die zum Abbau des Großhirns führen können und zu allerlei Symptomen der Desorganisation. Jedes Downsizing in Beruf und Privatsphäre muss vermieden werden. Fazit.: Förderung der Selbstförderung bis in die Evolution des Bewusstsein hinein, d.h. es gibt keinen Rückschlag mehr, die Identität ist sicher und kann sich frei und ungehindert entfalten für eine gute Leistungsfähigkeit, die immerhin auch eine Sicherheit im Leben darstellt. Zuversicht ist weniger Ausdruck des positiven Denkens, sondern Ausdruck der Entwicklung von Komplexität, durch die die Möglichkeiten wachsen.

Emergenzverhinderungssysteme

Viele sprechen von Neuanfang, Erneuerung und Veränderung. Das sind aber oft Prozesse, die systematisch behindert, unterminiert und gar ausgehebelt werden aus Interessen heraus, die wir als äußerst fragwürdig betrachten müssen

Die Hirnforschung weiß um die Möglichkeit der Emergenz. Emergenzen sind keine Gefahren, sondern sie sind die Chance auf Heilung und die Vorbereitung auf die Evolution des Gehirns, das nicht mehr zurückfällt in Vorstufen der Bewusstheit. Emergenzen können spontan auftreten und sie können erarbeitet werden durch intensive Konzentration in Verbindung mit einem kontinuierlichen Nachdenken. Meditation ist eine Möglichkeit der Beruhigung und der Vorbereitung auf die Kontemplation. Sie allein bewegt aber die Welt nicht. Das Herausnehmen aus dem Gedankenfluss mag eine Entlastung sein und ist für viele Menschen auch ratsam. Ohne dadurch aber tiefer und wahrhaftiger zu denken für die Veränderungen und den Wandel, bleibt sie eine Attitüde. Prozesse tiefen Wandels erreichen wir letztlich doch nur über das Denken. Unser Gehirn will die Entfaltung und erwirkt letztlich durch die Emergenz eine höhere Stufe des Daseins in Richtung Bewusstheit, die unterscheidet und sich auch von Systemen entfernt, die keine Entfaltung und Emergenz zulassen, beides behindern sie aus Interessen heraus, die wir kritisch betrachten müssen. Das Aushalten in unpassenden Systemen und auch Beziehungen kann zu schweren psychischen Schäden führen, wenn sich der Betreffende nicht bewusst macht, was seine Emergenz verursacht hat und wohin sie strebt: nämlich nach höherer Integration für mehr Verwirklichung im Privaten wie im Beruflichen. Dagegen wirkt ein autoritäres und reaktionäres System durch Leugnung von Emergenz und den Wirkungen von emergenten Zuständen, die Veränderung wollen für die Aufrechterhaltung von Gesundheit und Lebendigkeit.

Der volkwirtschaftliche Schaden der Emergenzverhinderung  ist unverkennbar

Es ist noch nicht flächendeckend verstanden worden, was Menschen wirklich wollen und brauchen, um lebenslang gesund und aktiv zu bleiben bzw. produktiv und kreativ.  Ein Volk der Dementen und Kranken ist ein Zeichen für eine Degeneration durch Inkompetenz. Es werden heute Menschen mit schädigenden Medikamenten in Systemen und Beziehungen festgehalten und festgesetzt, die ihnen keine Entwicklung bieten können, nur um ein Gefüge zu bewahren, das man als tragend und stützend hochlobt, ohne die destruierende Wahrheit hinter der Fassade sehen zu wollen. Schlechte Ehen, falsche Berufe führen nicht nur zu großem privatem Unglück, sondern auch in die Krankheit bei hohem volkswirtschaftlichen Schaden. Wir leben zwar in einem Leistungssystem, aber nicht in einem Entfaltungssystem, das so früh wie möglich Fähigkeiten, Begabungen und Interessen fördert. Wir wissen so also nicht so richtig, wozu ein emergentes Gehirn eben positiv fähig ist. Wir schwärmen von künstlicher Intelligenz und haben das Potenzial des Gehirns auch in Bezug auf seine Selbstheilungskräfte nicht erfasst. Wir hätten eine andere Gesellschaft von weniger Radikalen, wenn den Potenzialen mehr Rechnung getragen und die Emergenzmöglichkeit des Gehirns gezielt gefördert werden würde für eine gesellschaftliche Konstruktivität, die alles verändert und Transparenz und Offenheit zum Maßstab der Wandlungsprozesse macht. Es gilt eben nicht länger, Menschen in ihrer Entwicklung zu behindern und sie dadurch gesundheitlich zu gefährden, sondern Systeme zu öffnen für die Stabilisierung von emergenten Zuständen für höchstmögliche Autonomie in der Selbstorganisation. Emergente Zustände bedürfen flexible Strukturen für eine reibungslose Neuintegration und damit für den Neuanfang in jedem Alter. Emergenzen kennen hier keine Beschränkungen. Sie haben auch den Effekt der Verjüngung bis in die Zellstruktur hinein und können Degenerationserscheinungen entgegenwirken.

Die neue Gesellschaft der Emergenten

Evolution ist hier kein biologischer Begriff, sondern ein mentaler. Wir erreichen den Höchststand durch diese Möglichkeit der Überwindung von Blockierungssystemen samt ihrer Virulenz. Für viele oder die meisten psychischen Erkrankungen gilt, diese Emergenzmöglichkeiten zu ergründen und sie gezielt einzusetzen in einem sehr individuellen Coaching, das die Zwangs-, Behinderungs- und Gewaltkontexte erkennt und verlässt.  Wer sich hier sehr viel Bildung aneignet, schafft das auch selbst. Der Vorteil ist, dass Ziele erkannt und umgesetzt werden.  Das durchweg Schädigende und damit natürlich schwer Blockierende wird so überwunden auch für eine freie Gestaltung des Lebens im Einklang mit den eigenen Interessen für die Etablierung einer bewussteren und damit gesünderen Gesellschaft. Hier kann man es nicht jedem recht machen, das wäre nicht nur Überforderung, sondern Selbstsabotage. Die Sabotageenergie insgesamt ist noch viel zu hoch. Eine qualitativ hoch entwickelte Gesellschaft muss keinen Raubbau betreiben oder Strukturen ausnutzen für den eigenen Vorteil. Wer sich mental ausbeuten lässt, der geht das Risiko des Zurückfallens ein, durch das er seine Selbstwirksamkeit verliert und als Gefangener mit Problemen kämpft, die nicht genuin die eigenen sind. Es handelt sich bei der Emergenz nicht um eine Utopie, sondern um das politisch und gesellschaftlich weitgehend unterschätzte Problem der falschen Anpassungen. Und es gibt sie die Aufstiegs- und Veränderungsverhinderer und ihre dubiosen Argumente.  Überall wittern sie das Böse und das Egomanische und halten kräftig gegen die gesunden Chancen der Emergenz. Theorien und Ideologien helfen hier nicht weiter. Sie legen fest und determinieren auf den Status quo, in dem oft kein Heil zu finden ist. Wir brauchen also insgesamt viel weniger Therapie, als vielmehr fundiertes Coaching für die positiven Ressourcen unseres Gehirns, ein Wunderwerk der Natur, das keine künstliche Intelligenz ersetzen kann, da es hier weitgehend  nur um Faktenwissen geht, aber nicht um Struktur- und Bewusstheitswissen, das eine ganz andere Qualität hat, gegen das aber oft opponiert wird, weil es Gefüge in Frage stellt, die wir als gegeben und selbstverständlich betrachten.  Die Digitalisierung kann die Revolution des Bewusstseins aushebeln und der Menschheit großen Schaden zufügen, wenn wir uns nicht entsprechend weiterentwickeln und der Emergenz einen ganz besonderen Stellenwert einräumen.

 

 

Gegen die Abgründe

Wir müssen analysieren, damit wir uns nicht den Hals brechen, aber wir sollten gleichzeitig immer die rechte Gehirnhälfte aktivieren für mehr Intuition, Kreativität und Gefühl aus Selbstschutzgründen

Es ist nicht immer leicht, der Wahrheit ins Auge zu sehen, sie auszuhalten und sie notfalls auch zu überwinden. Wer  nicht  in einem Resonanzumfeld lebt, bedarf der Analyse, damit es kein böses Erwachen gibt. Das ist die Tätigkeit der linken Gehirnhälfte, die sprachlich und analytisch organisiert ist, aber eben nicht ganzheitlich: Wahrheit erhalten wir nur durch beide Vermögen. Die Unerträglichkeiten und Unzulänglichkeiten sind für uns besser zu verkraften, wenn wir wieder vorerst mit uns selbst in Resonanz treten und die Intuition stärken. Wir brauchen ein besseres Lebensgefühl, wenn die Dinge um uns herum nicht so gut laufen oder wir mit Erkenntnissen konfrontiert sind, die uns erschüttern. Aber Erschütterung und Verzweiflung darf nicht so viel Raum gegeben werden. Wir müssen dagegen halten, um uns selbst zu schützen. Darauf zu warten, dass uns die richtigen Menschen begegnen, ist keine gute Strategie. Hier sei  angemerkt, dass wir vor allem auch durch das Lesen von Büchern mit Menschen in Resonanz treten können, die sich viele Gedanken gemacht haben, um andere zu inspirieren. Die lange Konzentration auf die durchdachten Gedankengänge in Büchern vermitteln uns schon das Gefühl der Erlösung, des Verstandenwerdens und hinterlässt einen Eindruck von Glück, Freiheit und Gelassenheit. Das Versagen anderer tritt in den Hintergrund.

Der ganzheitliche Weg liegt vorerst im eigenen Gehirn

Das Problem der Inselbegabungen besteht oft darin, dass nicht das ganze Gehirn „trainiert“ oder aktiviert wurde. Bestätigung erhalten wir oft nur durch das Aktivieren der linken Gehirnhälfte, die aber nicht nur  keine Vollkommenheit ermöglicht, sondern auch zu schweren Defiziten im Miteinander führen kann. Der ganzheitliche Mensch ist derjenige, der tiefer schauen und Menschen sowie Dinge auf sich wirken lassen kann, um besser zu erkennen, was oder wen er da vor sich hat. Eigentlich sind diese Fähigkeiten auf das ganze Gehirn verteilt, aber wir belassen es mal bei dieser räumlichen Einteilung. Die Linkslastigkeit unserer Gesellschaft will das Leben ausschließen und auch das, was uns bei Zeiten begegnet und bearbeitet werden will, damit wir als Menschen wachsen. Diese Chancen zu vertun, indem man sie ignoriert oder destruiert oder diskriminiert, kann sich zu einem lebenslangen Defizit auswirken und viele Einsichten versperren, die uns eigentlich zu wissenden und weisen Menschen machen könnten. Mit der Einfühlung und der Intuition kommen wir Menschen sehr nahe und vermögen hier viele Blockaden und Hemmnisse aufzulösen durch das intuitive Verstehen. Der Mensch wird dadurch befreit von falschen Vorstellungen, die andere an ihn herantragen, die nicht intuitiv die Identität eines Menschen begreifen und fördern. Wir leben in einer Zeit, in der man sich nichts mehr vormachen muss – weder seiner Familie noch der Gesellschaft. Zu sein, was man ist und sein will,  ist kein Privileg, sondern Menschenrecht.

Die Wahrheit über sich selbst ermöglicht die Erkenntnis des anderen

Der nicht zu sich selbst gekommene Mensch bleibt überall eine Fragwürdigkeit, ein Problem, letztlich auch ein Ärgernis, denn er tappt zu oft im Dunkeln und projiziert sein Unvermögen, ja auch seine Aggression  auf andere.  Zu sich selbst kommt man nicht durch einen Partner oder einen Beruf, sondern durch Eigenarbeit und Orientierung im Selbsterkennen und Denken, das immer über das Eigene hinausweist und entsprechendes Orientierungsverhalten nach sich zieht.  Diese Selbsterkenntnis ist genuin und nichts Aufgesetztes und von außen Gewolltes, das doch nur wieder zur Verkennung der Welt führt, weil der innere Anker fehlt und nur das Außen zur Erfüllung der eigenen Wünsche herhalten muss. Karrierebesessene Menschen leben in der Welt der Außenansichten und bemerken ihre Irrtümer nicht. Man macht sich und anderen etwas vor und interpretiert die Welt in dieser oberflächlichen Sichtweise. Das Innenleben bleibt verschlossen, niemand darf da hinein und schauen. Diese grundsätzlichen Vorbehalte dem Leben gegenüber werden dann auf andere Menschen übertragen, denen man das Schlimmste unterstellt und natürlich vermeintlich sichere Daten zur Stützung ihrer Ressentiments heranzieht. Mehr und mehr verlieren wir so den Kontakt zueinander, weil der Kontakt zu sich selbst nie wirklich erreicht wurde,  ja in einigen Milieus auch verpönt ist als Ausdruck von Egozentrik. Dem ist nicht so. Weil es überall keine reinen Motive gibt, ist die Aufforderung da, die eigenen Motive bestens zu durchschauen, damit wir nicht anderen auf den Leim gehen. Da ist nicht nur Gutes, wir dürfen das benennen und uns klar positionieren, damit wir nicht aus der Fassung geraten. Was andere nicht sehen, muss hier völlig außer Acht gelassen werden, weil die nicht in der Lage sind, Wahrheit zu generieren aus verschiedenen Interessenlagen heraus. Interessen sind immer subjektiv und damit bedenklich.

Das Konventionelles muss hinterfragt werden

Abgründen sind wir dann nicht ausgeliefert, wenn wir uns in uns selbst zentrieren und die innere Führung nicht aufgeben. Dafür brauchen wir Gewissheit und Selbstvertrauen. Heute wird oft der Weg in die Außenlenkung gegangen (auch therapeutisch), die viele Erkenntnisse zunichte macht und das Haus ins Wanken bringt. Wenn es gelingt, das Innerste bewusst zu machen – auch die eigenen Irrtümer – dann ist die Möglichkeit da, sich von dem zu lösen, was sich widersetzt und nicht bereit ist, sich selbst zu befreien von irrsinnigen Glaubenssätzen, die aus reiner Anpassung eben keine Wahrheit freilegen. Menschen, die vorsätzlich verletzen und schädigen, sind zutiefst Gekränkte, die sich ihrer eigenen Wahrheit nicht stellen wollen. Sie bemerken ihren Irrtum nicht und verteidigen ihn bis in einen Bereich völliger Destruktion, den sie auch noch rechtfertigen. Wer ihnen begegnet , der wird krank, wenn er nicht rechtzeitig versteht, dass es sich hier um Menschen handelt, die nicht lieben können oder das lieben, was sie vermeintlich nicht lieben sollten. Ihre Liebesfähigkeit ist zutiefst gestört. Das Halten an Konventionen macht sie nicht liebe- und verständnisvoller, sondern härter. Ihr Innerstes hat keine Stimme mehr und weicht nur noch auf Plattitüden aus. Sie verwechseln Liebe mit Begehren und begreifen nicht ihren eigenen Irrsinn, der sich nach außen hin  überträgt und schlimmstenfalls in anderen virulent weiter wirkt in einem Kreislauf der Verfehlung von Wahrheit, die wir umkreisen oder eben verlassen. Das ganzheitliche Insichruhen ist keine Gnade, sondern die Auseinandersetzung mit hoch entwickelten Menschen, die ihre Erfahrungen zu Papier bringen. Wer sagt, dass Bücher nichts bewirken können, hat nicht verstanden, dass hinter jedem Buch ein Mensch steckt, der uns eben nicht verbiegen will, sondern uns die Freiheit lässt, das zu werden, was wir sind.

Unter vielen anderen:

Nina Ruge: Sei Du der Leuchtturm deines Lebens. Selbstbestimmt und frei durch innere Führung. München 1. Auflage 2019

Die arme Britney Spears und die Misere der Psychotherapie

 

 

 

 

Das Psychotherapeutengesetz von 2020 sieht vor, dass die Psychotherapie in einem Bachelor- und Masterstudiengang vermeintlich gelernt werden kann. Voraussetzung hier seien sehr gute Noten…

Britney Spears ist eine Sängerin, deren Vermögen auf 59 Millionen Dollar geschätzt wird. Es müsste sich doch hier ein ausgezeichneter Therapeut finden lassen, der ihr beim Wiederaufbau ihrer geistigen und psychischen Vermögen helfen könnte bzw. ihres Bewusstseins. Dies scheint aber nicht der Fall  zu sein. Britney bleibt beeinträchtigt durch Dinge, die wir nicht so ohne weiteres nachvollziehen können. Dafür bedarf es eines Spezialisten für Bewusstseinsforschung. Die derzeitige Lage im medizinisch-klinischen Milieu sieht nur medikamentöse Behandlungen vor, die allerdings meistens die Gehirntätigkeit einschränken und nicht befördern. Das gilt im Grunde für alle Psychopharmaka, auf die sich die heutige Medizin nur allzu leichtfertig verlässt. Die Tendenz ist hier steigend, da die Kompetenzen von Therapeuten und Ärzten nicht entsprechend der Zunahme von psychischen Erkrankungen angewachsen sind. Dieses Missverhältnis ist tragisch auch für die Volkswirtschaft, denn viele Medikamente schränken die Leistungsfähigkeit sehr ein oder können sie auch nicht wiederherstellen. Wirklich verstanden haben wir das Gehirn nicht, aber wir haben eine Möglichkeit, die Person zu verstehen und ihr jeweiliges Problem, das entstanden oder verursacht wurde.

Das neue Zeitalter der Therapie ist vertan

Es ist vor allem notwendig, dass der Mensch sich selbst versteht, auch seine Ziele, seine Wünsche, seine Fähigkeiten, ohne ständig die Erwartungen anderer zu erfüllen, die nicht zu einer klaren Struktur des Eigenen führen. Die aber ist unabdingbar, wenn es um eine Heilung einer psychischen Erkrankung geht, durch die sich der Mensch meist selbst verloren hat. Hier sind Ratschläge anderer Personen keine Hilfe. Die Person muss zu sich selbst kommen und ihr tiefstes eigenes Wesen verstehen. Das vermag oft selbst die derzeitige Psychotherapie nicht, die zwar unterstützend ist, aber bei komplexeren Problemen auch versagt. Sie muss in der Lage sein, an die Ursachen der Beeinträchtigung oder Krankheit zu kommen, die sehr individuell und komplex sind. Dafür muss ein Therapeut stark von sich selbst absehen können und sich wie in der Meditation frei machen von eigenen Beschränktheiten und Begrenzungen oder Vorurteilen. Es ist nicht nur die Empathie oder das Einfühlungsvermögen, sondern auch die Übernahme der Perspektive eines anderen – eine Fähigkeit höchster Selbstaufgabe für einen Moment des Verstehens in Kombination mit Kreativität und höchstem Vorstellungsvermögen. Diese Verstehensmöglichkeiten hat der Mensch und er hat sie sicher nicht durch sehr gute Noten, die im Grunde nur die Kompetenz dokumentieren, das gut zu erledigen, was andere vorgeben.  Hier ist keine Kreativität im Spiel, sondern Pflichterfüllung, die benotet wird. Die weitere Verschulung der Psychotherapie durch einen Bachelor- und Masterstudiengang ist ein weiterer Rückschritt auf dem Gebiet der Seelenheilkunde, die ganz andere Fähigkeiten voraussetzt. Gute Noten verraten nichts über einen weiten Horizont und nichts über Weisheit, die alles Menschliche durchschaut und auch erschaut. Psychotherapie ist eigentlich keine Aufgabe für 30-, 40- oder 50-jährige.  Das eigene Leben muss hier schon gelebt  und in seinen Tücken und Brüchen erkannt worden sein. Sicher, wir wollen keine Scharlatane in der Psychotherapie, aber die komplette Verschulung ist kontraproduktiv. Gute Noten sind etwas rein Quantitatives (inhaltliche Reproduktion), die wenig über die Qualität aussagt und schon gar nichts über menschliche Fähigkeiten.

Flächendeckende Inkompetenz

Wer also wirklich Heilung will, muss sich an sehr erfahrene Menschen wenden, damit er die Chance auf Gesundheit nicht sinnlos verfehlt. Wer sich intensiv weiterbildet durch das Lesen intelligenter Bücher kann sich auch selbst therapieren, wenn er die Kraft dafür findet. Die Außenwelt wird ihn eher nicht unterstützen, darüber muss sich der Betreffende im Klaren sein, wenn er dieses Projekt angeht. Eine ganzheitliche bzw. integrale Psychologie vertreten heute einige Ärzte und Psychologen, die aber einfach ein gewisses Alter erreicht haben müssen, um den Prozess der Heilung überhaupt in Gang setzen zu können. Was den einzelnen Menschen aus der Bahn geworfen hat, muss er selbst erkunden. Der Therapeut kann nur die Hilfestellung leisten, denn er steckt selbst nicht in der Person, auch wenn er sie erfassen kann. Dieses Erfassen des Leidens eines Menschens setzt viel Lebenserfahrung und tiefste Menschenkenntnis voraus. Hier darf nichts abgetan, beschönigt oder verharmlost werden.  Es gilt, sich der Sache, des Problems so weit zu nähern, dass man es beschreiben kann. Leid ist oft nicht genau thematisierbar. Aber genau das ist die Aufgabe. Wünschen wir Britney Spears an ihrem heutigen Geburtstag, dass sie einem Therapeuten begegnet, der ihr wieder zu sich selbst verhilft und sie ein freies und gesundes Leben führen kann. Dies gilt auch für die viel zu vielen Erkrankten, denen das derzeitige System nicht helfen kann, da die Immanenz des Problems nicht begriffen wird. Flächendeckende Inkompetenz bleibt wohl das Schicksal. Die Probleme, die heute verursacht werden, können so nicht gelöst werden. Qualifikation besteht eben nicht darin, dass ich Krankheiten benennen kann und fröhlich pathologisiere, sondern ist eine Frage besonderer persönlicher Befähigung, die Welt und den einzigartigen Menschen zu verstehen.