Vipassana-Meditation

Zutreffende Wahrnehmungen fördern den Erfolg, unzutreffende können das eigene Leben gefährden. Deshalb ist es so wichtig zu meditieren. Wir erkennen die eigenen festgefahrenen Gedanken und hemmenden Prämissen und entwickeln eine klare Intuition für das, was wirklich wichtig ist gegen jede Art von Manipulation und Propaganda. Es ist der Weg in die Freiheit. Genau zu erkennen, worauf es wirklich ankommt im Leben, ermöglicht eine Abgrenzung von Unerträglichem und durchschaubaren Interessen, die dem entgegenwirken wollen. Wo der Mensch unterdrückt wird, da wird er in seinem Menschsein nicht anerkannt. Er wurde instrumentalisiert und muss sich nun fügen. Wurde seine eigene Entwicklung nicht befördert, wird er in der Rente als erstes krank. Angesichts der hohen Erkrankungsrate in einem vermeintlichen Wohlstandsland sollten wir uns fragen, woran das liegen könnte. Niemand muss im Alter pflegebedürftig werden – es sei denn, er hat sein ganzes Leben gegen sich selbst gelebt und hatte keine Chance, auf sich selbst und seine Gesundheit zu achten.

Die Gesellschaft hat sich zum Negativen entwickelt und die vielen Kranken in diesem Land bezeugen diesen Rückschritt.  Ein Gesundheitssystem, das nur Symptome bekämpft, ist Ausdruck einer menschenfeindlichen Politik. Der Mensch ist aus dem Fokus geraten. Und hier muss man an vielen Stellen mit einer Therapie beginnen, die oft gar nicht so kostspielig ist, aber eben auch nur von Universalisten umgesetzt werden kann. Die gibt es wegen zunehmend verblödender Spezialisierung immer seltener. Damit schwinden auch die Möglichkeiten auf Heilung. Wir können auch nicht gesunden, wenn wir die Grundlagen unseres Lebens derart zerstören, wie wir das schon lange tun. Angefangen von einer brutalen Massentierhaltung über die gefährliche Verschmutzung der Atmossphäre. Aber wir machen weiter wie bisher und Warner werden immer wieder als Spinner verunglimpft. Der Meditierende weiß um diese Zusammenhänge und wird vorsichtig in Bezug auf eine lähmende Politik, die immer denselben Kurs fährt und immer mehr Zwänge und Gewalt einsetzt, um diesen Kurs zu zementieren. Die Alternativen werden schlichtweg ausgesetzt.

Ein Buddhismus-Student meinte, dass durch die Vipassana-Meditation die Unzulänglichkeiten ans Licht kämen und das beinhalte ein (politisch nicht gewolltes) Veränderungspotenzial. Dafür müssen wir erkennen, was ist, um es besser zu machen gegen politisches Geschwafel. Die Scheinliberalität ist hier erschreckend. Auch Frauen haben die Emanzipation falsch verstanden, denn sie verhalten sich wie Männer und glauben, sie hätten damit viel erreicht. Eine fürsorgliche Haltung stünde aber uns allen besser auch in Bezug auf den  Organismus Erde. Hier haben alle versagt und so werden noch viele krank werden, weil ohne Liebe, Rücksicht und Zuwendung nun einmal nichts geht. Auch giftige Beziehungen hemmen die Kreativität. Und auf die Kreativität der Menschen kommt es an und nicht auf die Anpassung an das Bestehende. Diese Erstarrung im Konservativen ruiniert auch unser Inneres. Der innere Raum wird beschädigt und beschädigt dann andere – relativ gewissenlos. Die Meditation führt aus solchen virulenten Kreisläufen heraus. Ich weiß, wer ich bin und befreie meinen inneren verletzten Raum aus den Verhängnissen, aus den schlechten Erfahrungen mit Menschen, die nichts wirklich durchdacht haben, sondern zu Handlangern der (vermeintlichen) Macht wurden. Durch die Meditation entziehen wir uns diesen negativen Kräften und erwachen zum wahren Leben in Verbindung. So werden wir fähig, wirklich zu sehen, was wir anrichten, denn die Kosten müssen alle tragen.

Eine Hoffnung

Es gibt diese langsamen Tage, in denen man nichts erklären, nichts richtig-stellen will gegen die vielen Missverständnisse, Vorurteile und gegen das Nichtwissen. Man hat diese Anstrengungen manchmal satt. Auf Verleumdung erfolgt Verleumdung und kein Ende in Sicht. Wie sollte es auch: Es fehlt an Einsicht, an dem Einverständnis, dass wir alle eine humanere Welt wollen und keine grausame, brutale, rücksichts- und verständnislose.  Aber der Arbeitslose wird beschimpft, er wolle nicht arbeiten, der Kranke wird diskriminiert, er sei an seiner Krankheit selber schuld, flüchtende Familien werden als Eindringlinge beschimpft. Haben wir das nötig, so zu denken? Wir sollten nicht so tun, als wäre bei uns alles in Ordnung, nur weil es besser ist als an anderen düsteren Orten, an denen eben auch keiner bleiben will.

Es gibt viel Hass in der Bevölkerung und sehr viel Verachtung. Dem wird heutzutage ohne Scham Ausdruck verliehen. Dieser Umgangston ist unerträglich, er vergiftet die Seelen und lässt uns abstumpfen. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass wir andere Menschen beliebig verletzen könnten. Es ist etwas verloren gegangen und dafür mag es viele Ursachen geben. Aber das ist keine Entschuldigung für derart Herabwürdigendes. Die Solidarität schwindet. Verständnis wurde abgeschafft und durch Diffamierung ersetzt. Schon wer ein gesundheitliches Problem hat, wird ausgegrenzt und zusätzlich angefeindet. Was nur ist aus uns geworden? Die Kirchen kämpfen nicht mehr für den Zusammenhalt, sondern geben sich ihren eigenen Kriegen hin, verlieren sich im Unwichtigen und pochen auf moralische Hoheit.

Ja, wir werden immer roher und  merken nicht, wie sehr das allen schadet. Der Geist von Woodstock ist verweht. Damals wollten wir so viel bewegen und sind nun im 21. Jahrhundert in einer gnadenlosen Konkurrenzgesellschaft gelandet, die nach allen Seiten hin tritt.  Nie hätte man gedacht, dass so viele mitmachen und die Gewalt siegen würde. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sie kommt von denen, die die Menschlichkeit verraten und sich dafür auch noch rühmen. Wie konnte das geschehen?  Die Konkurrenz zerstört die Kultur. Wer kann, der rette sich von Zeit zu Zeit in den Elfenbeinturm mit ein paar guten Büchern und Musik. Von dort aus spüren wir dann noch manchmal die alten Hoffnungen: love, peace and understanding.

Korruption

Möglicherweise weichen wir aus, wenn wir Farbe bekennen sollten. Wir haben uns eingerichtet in der Komfortzone der Korruption. Eigentlich ging es uns mal um das Denken, sicher auch um die Wahrheit zumindest als Ausdruck des Authentischen. Wir wollten nie zu denen gehören, die nur nachplappern, was andere vorschreiben. Wir wollten selber denken und denen auf den Zahn fühlen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, anderen das Leben zu erschweren. Es gibt sie diese hinterhältigen Sadisten, die ihre Werte verraten haben, um gut zu leben. Es war mal Programm, sich nichts vormachen zu lassen, alles auf den Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen und vor allem skeptisch zu bleiben in Bezug auf Politik und dubiose Interessen.

Viele sehen sich nun Parteiprogramme herunterbeten, haben ihr Denken verbeamtet: Ich denke immer dasselbe, also bin ich sicher. Sie haben jede Sensibilität verloren, merken nicht wie sie zu Gehilfen von Interessengruppen mutieren und sich gegen die Menschlichkeit richten. Sie sind wirklich keine Menschenrechtler geworden, sondern ungerechte Wichtigtuer, die unbedingt auf der richtigen Seite stehen wollen. Eigentlich sind sie alt und langweilig, aber leider auch in ihrem Mitläufertum gefährlich und entsetzlich enttäuschend. Sie wollen uns nicht den Schutz der Vielfalt garantieren, sondern die selige Einfalt des Immergleichen. Sie haben sich geduckt und erwarten das nun von jedem. Kein Aufschrei der Empörung kommt mehr über ihre Lippen. Sie lassen die Dinge geschehen und suchen auch noch gute Argumente für ihre Verweigerungen. Ja, man hätte Ihre Hilfe gebraucht, die hätte nichts gekostet außer eben Zivilcourage. Es gibt eine Rationalität der kleingeistigen Mutlosigkeit. Wir sind zu schwach, wirklich mit ganzem Herzen Denkende zu sein. Deshalb werden faule Kompromisse eingegangen, die nichts ändern, die Sache eigentlich nur verschlimmern. Jetzt werden fragwürdig gewordene reaktionäre  Werte gepredigt gegen Menschen, gegen die Freiheit, gegen das Glück, gegen die Entfaltung und damit gegen das Denken.

Es kommt nicht mehr zu Interferenzen zwischen einem Gesetzten und einem, der gezwungen ist, die Ungerechtigkeiten und Unzulänglichkeiten zu durchschauen, damit er überlebt. Er kämpft um sein Dasein, während der Andere immer merkwürdigere Bekannte um sich herum ansammelt, die ihn in seiner Blindheit bestätigen. Er hatte einmal Augen zu sehen, was wirklich zählt. Jetzt kriecht er denen hinterher, die sich eingerichtet haben im Verschleiern von Tatsachen in der Hoffnung, dass das keiner merkt. Wir sind ein armes Volk von Dummköpfen geworden und nehmen so vielen Menschen die Chance auf Heilung von falschen Behandlungen, falschen Einschätzungen, falschen Ratschlägen und falschen Leben. Wir lassen die Konkurrenz hoch leben und vergessen die Kooperation, wo sie denn noch möglich ist. Die Kritik wird verteufelt. Sie aber will die Bewegung, die Entwicklung, die Besserung. Ohne sie dümpelt alles im Halbschlaf dahin. Ein betagter Mann wie Stéphane Hessel hatte zur Empörung aufgerufen, aber wir werden angehalten, froh zu sein über fließendes Wasser, ausreichende Nahrungsmittel und einem Dach über dem Kopf. In der Bildung hält der Geldadel Einzug, nicht aber die Geisteselite. Die zieht sich mehr und mehr aus dem akademischen Betrieb zurück. Wir finanzieren aufwendige Forschungen, um sie dann nicht in humanere Innovationen umzusetzen. So werden wir schon lange betrogen und viele müssen das mit ihrem Leben bezahlen.

Wir träumen aber weiterhin von Helden, die uns retten werden. Wann werden wir begreifen, dass wir diese Helden selbst sein müssen, damit wir uns morgen noch im Spiegel ansehen können. Die geistigen Schrebergärten nehmen überhand. Aus solchen Sackgassen soll der Mensch den Menschen befreien. Das wäre eine christliche Botschaft und ein Erwachen im westlichen Sinne. Wir führen keine informellen Kriege mehr, sondern reichen uns die Hand, um wieder ganz authentisch zu werden wie damals, als wir noch Flügel hatten und uns nichts aufhalten konnte, diese Welt zu einer besseren zu machen. In dieser Haltung leben wir die Idee von Jesus Christus weiter, hierin ist er unsterblich mit uns verbunden. Erinnern wir uns an diesen hohen Wert, bevor wir uns weiter hinter Wertlosem verschanzen und auf dem bestehen, was ins Unglück führt.

Ratlos stehen wir vor den Trümmern unserer Hoffnungslosigkeit. Wir haben alles getan, um den Traum zu zerstören und glauben, das sei Vernunft. Die Stimme der Nächstenliebe sagt nichts mehr. Sie ist zur hohlen Phrase geworden. Die Nächstenliebe handelt und spricht und verurteilt nicht, was sie gar nicht beurteilen kann. Sie redet nicht so viel von Gerechtigkeit, wo keine ist. Sie findet ihren eigenen inneren Weg zum anderen und lässt sich nicht beirren von fehlendem Menschenvertrauen. Vernunft ist der Mut, sich einzulassen, ohne seine Werte zu verraten. Niemand hat das erwartet und alles Erdenkliche wurde getan, damit es gut ausgeht und klare Verhältnisse herrschen. Der eine hat Ersatz gefunden, der Andere weiß, dass niemand durch einen anderen ersetzt werden kann. Nein, das ist nicht das Denken, das man im Sinn hatte und womit ein ganzes Lebensgefühl verbunden war. Die Briefe ach so vieler geistreicher Korrespondenzen, die Literatur, die vielen freien Denker, die sich keinen Zwang angetan haben – sie alle wollen wir um Rat fragen, wiederentdecken, damit sie uns helfen gegen den zunehmenden Irrsinn des ganz realen Lebens.

Mit Quantenenergie in die Heilung

Krankheiten entstehen dann, wenn es zu einem eklatanten Energieverlust kommt meistens durch Verletzungen. Das weiß man im buddhistischen Denken schon lange und mahnt zur Achtsamkeit, weil wir verbunden sind. Auch die Quantentheorie macht auf die komplexe Struktur von Zusammenhängen aufmerksam und erweitert das lineare Verständnis, das oft die Realität nicht angemessen erfassen kann. Wir können und sollten uns bemühen, uns diese Komplexität bewusst zu machen, damit wir unser Leben und unsere Krankheiten besser verstehen.

Geist ist Energie, die auf Materie einwirkt. Vor allem die Energie der Selbstreflexion ist von Bedeutung, da sie Konditionierungen im Unbewussten auflösen kann und so zu mehr Freiheit kommt gegen determinierende Mechanismen. Es kommt aber auch hier auf einen ganzheitlichen Ansatz an, der in Richtung Harmonisierung strebt. Wir wollen das Verletzende nicht ignorieren, aber wir sollten es in einem synthetisierenden Akt neutralisieren können. Glück hat der, der sich mit den Widersachern einigen kann, einen Konsens findet, ernst genommen wird in seinem Leid. Wer ignoriert  wird, hat es sehr schwer.

Alles befindet sich in einem ständigen Austausch von Informationen. Wir brauchen diese Kommunikation, denn selbst unser Organismus besteht aus einem lebensnotwendigen Informationsfluss. Über die wichtigen Dinge im Leben müssen wir uns verständigen, austauschen, sonst gerät etwas ins Stocken, wird zu einem Dauerproblem, das Folgen nach sich zieht. Ein plötzlicher Kontaktabbruch ist Gewalt, der großen Schaden verursachen kann, wenn man keine Gründe angibt (rechtzeitig). Denken bedeutet, Gründe zu suchen und mitzuteilen. Darin besteht unser vernünftiges Leben. Wir sind es dem Anderen schuldig, Gründe anzugeben, damit er sich orientieren kann und nicht einen Schaden davonträgt. Manchmal verirren wir uns, erwarten etwas, was nicht realisiert werden kann. Gerade hier muss man eine klare Sprache sprechen, denn alles Nichtgegenseitige und Unausgesprochene  ist eine Belastung, die nicht sein muss.

Viele Tragödien könnten vermieden werden, wenn man verständlich macht, was geht oder was nicht geht. Argumente sind oft eine Erlösung von Illusionen und Fehleinschätzungen. Klarheit eröffnet Alternativen. Wir haben die Pflicht, aus diesem Leben das Beste zu machen, es zu gestalten, auch wenn es schwierig wird. Wir haben nirgendwo das Recht, Sackgassen zu produzieren – für niemanden. Wir müssen uns der Verantwortung bewusst werden, dass wir  eine Gemeinschaft bilden, die sich weiterentwickeln will. Wenn wir kollidieren, müssen wir uns achtsam auch wieder entlassen nach direkter Zuwendung als Ausdruck der Achtung vor der Würde des  Individuums. Wir können auch von unseren Ängsten sprechen und von dem. was wir nicht integrieren können oder wollen. Wahrheit befreit und setzt die Energie für das Veränderbare frei.

Menschen, die glauben, die Dinge würden sich von selbst auflösen, begreifen nicht, wie konfrontativ und aggressiv sie oft bleiben. Sie haben ein seltsames Interesse daran, Verletzungen virulent zu halten. Sie finden keinen versöhnlichen Ton, wollen aber, dass man ihnen verzeiht. Das ist extrem widersprüchlich und erlaubt keine Ablösung, um die sie angeblich so bemüht sind. Eine Verletzung kann nicht durch eine Verletzung geheilt oder neutralisiert werden. Wer sich von etwas befreien will, geht auf den Anderen ein und löst so die Verstrickung auf. Er muss sich als Akteur dieses Verhängnisses begreifen und kann den Verletzten nicht zwingen, dieses Problem mit anderen zu bewältigen, die weder die Kompetenz noch die Einsichten haben. Auch das ist wieder eine Verletzung im Sinne der  Verleugnung von Relevanz.

Wir können Werte nicht benutzen, um uns gegenseitig zu schädigen, sondern wir sollten alles tun, damit unterschiedliche Werthaltungen (oft ist das aber gar nicht der Fall) verständlich werden. Ich achte den Anderen, indem ich ihm die eigenen Präferenzen erkläre und ihn nicht schlecht mache, damit ich einen Grund habe, ihm nicht erklären zu müssen, wie sich die Dinge verhalten. Viele Probleme ließen sich auflösen, wenn ich mich in den Anderen hineinversetze und ihn befreie aus seinem Verletzungsgefängnis. Wir brauchen diese Harmonie dringender, als uns das bewusst ist. Es gibt keine Furcht vor der Wahrheit, sondern eine Furcht vor der Ver- und Missachtung.

Sehr viele Krankheiten wären vermeidbar, wenn wir uns bewusst machen würden, dass keiner wie Luft behandelt oder vollständig diskreditiert werden möchte, weil etwas Bestimmtes nicht realisierbar war. Das ist ein Zeichen für Nichtbewältigung, für Nichtheilung, für Nichtüberwindung. Und das bereitet Sorge, Ängste und ist Belastung. Wir können nicht mehr zu dem anfänglichen Positiven stehen und verleugnen so einen Teil von uns selbst. So fügen wir uns auch selbst einen Schaden zu. Es hat etwas Verbindendes gegeben, das uns befähigen sollte, uns zu verstehen. Das wäre ein heilender Ansatzpunkt.

Es ist nicht klug, sich in die Konfrontation zu treiben, sondern sich an den wahren harmonischen Augenblick zu erinnern, der so hoffnungsvoll eine Seelenverwandtschaft angedeutet hatte, wenn da nicht diese störenden und nebensächlichen Beurteilungen wären, die das Leben so erschweren. Eine starke Verbindung hätte sich darüber hinweggesetzt. Aber Oberflächlichkeiten und Äußerlichkeiten haben sich in den Vordergrund gedrängt: ein schmerzhaftes Erkennen. Trennendes soll nicht ignoriert werden, aber wir polarisieren oft übermäßig und treiben uns in Standpunkte hinein, die dann unversöhnlich konträr erscheinen. Insgeheim lieben wir das Verbindende und treten zu uns selbst in den Widerspruch. Daraus kann niemals Heilung werden. Erinnern wir uns also daran, dass wir als Wohlwollende dem Anderen das Beste wünschen und lernen wir, uns wieder wertzuschätzen. Wir können nur gewinnen.

https://psych-k.com

Von Büchern und Menschen

Die meisten Menschen schreiben Bücher, weil sie der Welt etwas Positives mitteilen wollen. Andere hingegen schreiben Bücher, weil sie andere Menschen denunzieren, demütigen, diffamieren und verletzen wollen -eine Art Bücher-Stalking mit verheerender Wirkung. Überzeugt von der eigenen Heiligkeit, sehen sie das Übel im Anderen und behandeln ihre miesen Unterstellungen wie Tatsachen. Der Mensch ist schlecht – ausgenommen derjenige, der dies feststellt. Misanthropie ist eine Krankheit, eine Art Zerstörungswut und vehemente Aggression. Dass solche Menschen zu struktureller und informeller Gewalt greifen, die sie entsprechend ihrer eigenen Veranlagung dann auch auf andere projizieren, verwundert niemanden.

Äußert man Kritik an solchen Versuchen der Unterminierung und Einschüchterung, führt das nicht in den demokratischen Diskurs, sondern zu weiteren Diffamierungen und Diskriminierungen. Damit will man den Kritisierenden mundtot machen, in die Ohnmacht treiben, ihm den Boden unter den Füßen wegziehen, ja ihn wieder nur schädigen bzw. krank machen. Dies gelingt nur, wenn der Betroffene diese Machenschaften nicht genügend durchschaut. Wird ihm bewusst, mit welchen Mitteln in manchen Kreisen gearbeitet wird, sollte er sich an die Öffentlichkeit wenden, denn im 21. Jahrhundert duldet man keine mafiösen Intentionen. Die werden immer dort eingesetzt, wo die Macht einer Gruppe von Menschen schwindet oder sich aufbläht, ihre Autorität infrage gestellt wird oder zementiert werden soll. Jede Institution muss sich heute aber bewähren. Mittel der Unterdrückung fliegen ziemlich schnell auf und schaden dem Image.

In diesen Milieus herrscht eine rigide Leistungsbesessenheit, die zu offenkundiger und verantwortungsloser Gedankenlosigkeit führt. Entlarvt man diesen Zusammenhang, kann man sich des Angriffs gewiss sein. Und hier schrecken diese Vertreter vor nichts zurück. Das geht bis zum Rufmord (s.o.) selbst in akademischen Kreisen, die ihren Einfluss schwinden sehen und sich vehement gegen neuere Forschungen einsetzen. Sie sind die Mitinitiatoren von repressiven Maßnahmen gegen Menschen im vollen Bewusstsein, dass andere dadurch geschädigt werden. Das ist sogar die Absicht. Eigentlich ist das Sozialdarwinismus, der hinter einigen „Reformen“ lauert. Der Öffentlichkeit soll dahingehend versichert werden, dass der sündige und natürlich faule Mensch eben unterdrückt werden muss. Da will man keine Zusammenhänge soziologisch und psychologisch verstehen und verbessern, da greift man zu den Mitteln der Macht, der Repression, der Aggression.  Das ist autokratisch primitiv und hebelt die Demokratie aus. Damit haben aber solche Menschenschinder nicht das geringste Problem. Sie feiern dann zu ihrer eigenen Selbstvergewisserung tridentinische Messen, anstatt sich zu entschuldigen oder ihre Bücher zu berichtigen. Sie heucheln öffentlich von der Gottebenbildlichkeit des Menschen und empfinden in Wahrheit nichts anderes als Hass und Verachtung für das, was sie sich nicht erklären können – gerade auch wenn es um Erkenntnisse anderer geht, die man lieber geheim halten wollte. Ganz allgemein kämpft das System der Reproduktion gegen das kreative. Reproduktion führt in die Dogmatik, die dann oft Tatsachen verschleiert gegen die erneuernde und aufdeckende Dynamik des Kreativen. Eigentlich müsste das kein Kampf sein, wenn man reproduzierende Systeme öffnet und nicht die Fehlerkorrektur verhindert. Verweigerte Differenzierungs-leistungen blockieren den Fortschritt.

Menschen möchten Bücher lesen, die sie persönlich weiterbringen, die ihnen helfen, das Leben besser zu bewältigen. Deshalb sollte man sich auch genau aussuchen, was man lesen will. Nicht jeder Professor hat wirklich etwas Positives zu sagen. Ein Professor hingegen, der  seinen Auftrag begriffen hat und die Menschheit befördert, ist Bruce Lipton: Intelligente Zellen – wie Erfahrungen unsere Gene steuern. Für alle, die von Menschen verletzt und geschädigt wurden, ist es ein wichtiges Buch gegen negative Einflüsse und ihre zum Teil schweren Folgen. Manch einem Schreiber ist die Verantwortung nicht bewusst, die er hat, wenn er negative Thesen in die Welt setzt. Die werden dann auch gegen den Diskurs abgeschottet. Hier liegt die Ursache für viel Verzweiflung und Krankheit. Gegen diese Form der demokratischen Degeneration (der Schreiber) helfen Bücher wie die von Bruce Lipton. Hier ist der Mensch ganz Gottes Geschöpf und kann seine Gesundheit in die eigenen Hände nehmen gegen alle schlechten Versuche, Menschen selbst in Büchern die Würde zu nehmen.

Werte

Es ist nicht Ausdruck einer großen geistigen Geste, wenn banale persönliche Abneigungen und Abweisungen zu einer Wertedebatte hochstilisiert werden. Der Verdacht erhärtet sich, dass man sich hinter einer vermeintlichen Moral versteckt und so einen Diskurs in Gang hält, der seltsam ins Leere läuft. Da hält jemand den Wert der Ehe hoch und daran fest, obwohl eine Ehe von den Betreffenden längst aufgekündigt wurde oft im gegenseitigen Einvernehmen. Der Wert der Ehe ist aber an eine Vereinbarung von zwei Menschen gekoppelt. Darüber hinaus hat sie keinen Wert an sich. Wer dies behauptet, möchte Menschen in die Knechtschaft zwingen, unerträgliche Verhältnisse auszuhalten, anstatt sie zu verändern. Dies unternimmt die katholische Kirche, indem sie die Wiederverheiratung von Geschiedenen verhindert und so eine Reihe von Tragödien verursacht.

Wir müssen anerkennen, dass sich zwei Menschen voneinander weg entwickeln können. Das hat intrinsische und extrinsische Gründe. Es sind nicht die Verlockungen am Rande, sondern die internen Zerwürfnisse, die zur Aufgabe einer Ehe zwingen. Mit Gewalt lässt sich kein Fremdwerden aufhalten. Und diese Fremdheit  kann eintreten. Es sind die Bücher, die wir lesen, die Aufklärung und Perspektiven, die wir durchmachen und einnehmen, die uns verändern. Der Mensch ist einer lebenslangen Entwicklung unterworfen und bestenfalls finden sich zwei Menschen immer wieder neu. Aber für diesen Prozess bedarf es eben beider Verständnis und nicht eines äußeren Vertrages. Menschen wollen wahrhaftig leben, weil sie sonst krank werden, wir sind offenbar darauf angelegt, authentisch zu sein. Wer dies ignoriert, der geht ein hohes Risiko für sich ein.

Es ist weniger der Streit, der Menschen entzweit, es ist die fehlende Nähe, die zur Einsamkeit in der Ehe führen kann und so ein Leiden entsteht, das einen Krankheitsprozess initiiert. Den kann man nicht wollen. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir bewusst zugrunde gehen. Der gesunde vitale Impuls wäre also die Aufgabe einer geistig unfruchtbaren Ehe, die jede Kreativität im Keim erstickt. Die Liebe war nicht stark genug, um die jeweilige Entwicklung des anderen zu befördern. Ehe ist nicht Unterwerfung oder Aufopferung, sondern sie ist ein Verband der gegenseitigen Förderung. Wer dem nicht zustimmt, der sollte lieber Single bleiben, denn alles andere führt zur Instrumentalisierung und behindert die individuelle Entfaltung, die die Genexpression braucht, um diese Energie nicht gegen sich selbst zu richten. Potenzialentfaltung ist auch hier eine Notwendigkeit und kein Luxus. Hier erfährt eine Gesellschaft auch eine sinnvolle Bereicherung, hat also darin auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Der sollte aber nicht an erster Stelle stehen, denn wir arbeiten, um zu leben.

Eine Gesellschaft kann sich nur insoweit entwickeln, wie sich der einzelne Bürger entfaltet. Dieser Zusammenhang ist deutlich und kann nicht geleugnet werden. Werte verändern sich entsprechend dieser Dynamik und müssen ständig hinterfragt werden. Wer an etwas festhält, was vor über 2000 Jahren einen Sinn hatte, aber heute nur noch schadet, der muss sich als Feind der natürlichen geistigen Evolution beschimpfen lassen. Wir sind ihr nicht unterworfen, wir gestalten sie und das ist Ausdruck unserer Einsichten und unserer Freiheit, die wir zum Guten einsetzen müssen. Und hier bleibt es bei einem der höchsten Werte überhaupt, niemandem zu schaden, nicht zu verletzen und nach Wahrhaftigkeit in allen Lebenslagen zu streben. Nichtauthentische Institutionen haben keine Zukunft. In diesem Sinn kann man nur jedem Menschen eine gute und konfliktfreie Entwicklung bis ins hohe Alter wünschen gegen die Zunahme mentaler Krankheiten durch Prozesse der Entwicklungsbehinderung. Arbeiten wir uns also  in die Freiheit und befreien wir uns gegenseitig zu einem höheren Miteinander. John Stuart Mill wusste um den hohen Wert der Freiheit (On liberty 1859) und freiheitlicher Entscheidungen. Ohne sie macht Demokratie keinen Sinn.

Gerald Hüther, Michael von Brück, Konstantin Wecker und viele andere haben das wichtige Thema Potenzialentfaltung aufgreifend eine hilfreiche Organisation gegründet, die eben Forschungsergebnisse umsetzt. Die Frage sei erlaubt, warum akademische Forschung so selten gesellschaftliche Umsetzung nach sich zieht.

http://www.akademiefuerpotentialentfaltung.org/

Der heilige Schein

Der Theologe David Berger zeigt in seinem gleichnamigen Buch eine katholische Kirche, die man nur als bedenklich bezeichnen kann. Eine Kirche, die Liebende diffamiert, denunziert und diskriminiert, hat sich weit von der christlichen Kernaussage  entfernt. Fundamentalisten gehören eigentlich in die Mottenkiste und sind eine Gefahr für die Demokratie und das Wohlergehen von Menschen. Wer die Bibel heute noch wörtlich nimmt, will sich durch Ausgrenzung abgrenzen und das Schlechte im anderen sehen: Der Klerus gegen die vermeintlich sittenwidrige Zivilgesellschaft. Darin kann man keine christliche Botschaft mehr erkennen. Diese Haltung ist mehr als fragwürdig, denn eine Kirche sollte für Menschen da sein und sie auf ihren oftmals schwierigen Wegen spirituell begleiten. Dafür muss man aber die Menschen lieben, ihre Probleme verstehen, anstatt zu verurteilen. Menschen haben Gründe für ihre Entscheidungen, sie sind mündige Wesen, die man ernst nehmen muss.

Dass in diesem Männergesangsverein Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Antisemitismus immer noch salonfähig sind, ist für den aufgeklärten und denkenden Menschen nicht erträglich. Erstaunlich ist, dass sich nun gerade Homosexuelle von der katholischen Kirche angezogen fühlen. Man kann das nur als eine Art Masochismus verstehen, der dann zu einem Sadismus in Bezug auf andere führt. Wer sich in seinen Neigungen nicht angenommen fühlt, der kann auch andere nicht anerkennen. Ein zutiefst krankes System, das wenig Affirmatives hervorbringen kann. Erzkonservative klammern sich an Worte aus einer Zeit, in der Menschen noch nicht so sein konnten, wie das heute zum Glück möglich ist. Das ist eine Frage des Wissens und der Toleranz. Das heterosexuelle Modell zu verabsolutieren und zu glorifizieren ist nicht begründet. Wir sind nicht auf der Welt, um uns beliebig fortzupflanzen.

Die Kirche macht sich selbst überflüssig, wenn sie den Fundamentalisten hinterherläuft und sich nicht auf das besinnt, was sie positiv leisten könnte: eine Stütze für Menschen zu sein, die sich an die liebende Botschaft Jesus Christus halten wollen und dafür die Kraft einer annehmenden Gemeinschaft brauchen und suchen. Die Liebe in Gottes Liebe zu erkennen und zu leben ist der beste Weg des Gelingens und der moralischen Orientierung. Wo ich im Einklang mit Gott bin, da kann nichts Unrechtes geschehen. Und die Möglichkeit, eine reife Sexualität zu leben ist auch der beste Schutz vor krimineller Pädophilie.  Wer stark genug ist, kann auch den freiwilligen Zölibat leben. Auch dafür gibt es gute Gründe. Alles sollte aber ohne Gewalt und ohne Unterdrückung geschehen.

Der Mensch braucht heute weniger eine Moralagentur als eine Institution der Wahrhaftigkeit. Hier mangelt es. Das Leben verlangt viel Verstellung und Anpassung an unsinnige Gegebenheiten. Wie schön wäre es, wenn die Kirche ein Ort des Angenommenseins bedeuten würde gegen zunehmende Instrumentalisierung. Die Einzigartigkeit eines jeden könnte sie heiligen als Gottes Schöpfung und nicht den Mitläufer, der den oftmals schlechten Status Quo zementiert. Sie könnte Menschen ermutigen, ganz sie selbst zu sein und sie auf diesen Wegen der Gemeinschaftssuche begleiten gegen Vereinzelung und Isolierung. Es gäbe so viel zu tun für ein diesseitig glücklicheres Leben gegen Hass, Verleumdung und schwerste Diskriminierung. Bemühen wir uns  also um mehr Offenheit und wahre Nächstenliebe in den Kirchen.

Das Nachdenken über die Frauenpriesterschaft sollte kein Tabu sein, denn Frauen haben Eigenschaften, die das Zusammenleben befördern gegen Sektierertum und elitäre Zirkel. Vielleicht haben sie auch das bessere Verhältnis zur Wahrheit. Vieles spricht dafür. Uns täte mehr Wahrhaftigkeit gut in allen Bereichen unseres Seins. Ihre Rationalität ist nicht eine losgelöste, sie ist intentional gegen ein l’art pour l’art des meist selbstgefälligen männlichen Denkens, das oft Tatsachen schaffen will, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Sackgassenproduzenten braucht niemand, sondern Menschen, die immer wieder in der Lage sind, auf Menschen zuzugehen und Konflikte wirklich aufzulösen. Feminismus und Christentum sind vereinbar. Kann sich die katholische Kirche auch für diese Haltung öffnen?

Man muss sensibilisieren für die blockierenden Ambivalenzen gerade in der katholischen Kirche. Wo sich Menschen verstellen müssen und offenkundige double-bind-Strukturen herrschen, entsteht kein Klima der Entfaltung, der psychischen Reifung. Dieses Entwicklungshindernis führt dann zu einem fundamentalistischen „Traditionalismus“, der sich nicht mehr hinterfragt und sich abschottet gegen jede Veränderung. Die Psyche dahinter ist eine unterdrückte und unterwürfige, aber keineswegs der aufrechte Gang. Der führte in der Vergangenheit zum Rausschmiss vieler genialer Menschen, die die katholische Kirche hätten reformieren können. Dieses Klima der Abweisungen, der Diskreditierungen und Denunzierungen widerspricht einem christlichen Verständnis vehement. Hier verliert die Kirche auch ihre Glaubwürdigkeit. Sich gegen wohl begründete demokratische Prozesse abzuschotten ist ein Fehlverständnis dessen, was Christentum leisten soll. Die Kirche traut dem vermeintlich sündigen Menschen nichts zu. Mit dieser Haltung kann sich eben darum auch keiner mehr identifizieren. Verstehen wir den Sinn der christlichen Botschaft also richtig, dass Christus die Befreiung zum Glück wollte und nicht die Nachfolge seines Martyriums.

Positive Bewusstseinsarbeit

Ist uns im Leben Schlechtes widerfahren, kann dies die Epigenetik entscheidend verändern. Sie reagiert auf Veränderungen auch im Gedanklichen. Wir verlieren unseren Optimismus durch Verletzungen und Schädigungen aller Art und dies wirkt sich negativ auf die Genexpression aus. Bruce Lipton (Biologe) hat sehr eindrucksvoll diese Zusammenhänge in seinen Büchern beschrieben. Diese Einflüsse sollten uns hellhörig machen bezüglich der Möglichkeit von Heilung und Selbstheilung.

Eine Heilung ohne ein Verstehen, wie es zu einer Krankheit gekommen ist, ist deswegen kaum möglich, weil ich nicht weiß, wo ich bei einer Heilung ansetzen soll. Deshalb muss ich mir die Ereignisse und Ursachen bewusst machen. Aber dabei sollte es nicht bleiben, denn hier kann es ja immer wieder zu einer Retraumatisierung gerade bei mentalen Krankheiten kommen. Es ist deshalb wichtig, gleichzeitig zur Analyse des Problems neue Perspektiven zu erarbeiten, die in eine bessere Zukunft führen. Diese Wiederöffnung des Lebens ist notwendig, damit aus der Aufdeckung des Leidens nicht neues Leiden wird. Das wäre dann ein Teufelskreis der Wiedererkrankung.

Man sollte sich also nicht einreden lassen, dass eine mentale Krankheit genetische Ursachen hätte. Dies ist medizinethisch nicht vertretbar und fügt den Betroffenen zusätzlichen großen Schaden zu. Auch in Bezug auf sogenannte schwere mentale Krankheiten gibt es Geheilte. Damit wäre die Rede von genetischen Faktoren falsch und darf nicht weiter vertreten werden. Es ist allerdings harte Arbeit, sich von schweren Verletzungen zu heilen, aber wenn es gelingt, kann das sehr großes Glück bedeuten. Von den Verletzern distanziert man sich genauso wie den eigenen Verletzheiten gegenüber und widmet sich achtsam nur dem Zuträglichen, geht also von nun an sehr rücksichtsvoll mit sich selbst um. Es kann auch sehr hilfreich sein, die Umstände zu demaskieren, die Menschen dazu veranlassen, andere Menschen schwer zu verletzen. Sie haben das Verbindende verraten nicht selten zugunsten von Institutionen, die eben gerne in die private Organisation des Lebens eingreifen und Menschen das Recht auf Glück streitig machen.

Die Bewusstseinsarbeit kann jeder für sich leisten gegen die konventionelle Ansicht, das sei gar nicht möglich, weil man nur über einen Therapeuten an das eigene Unbewusste herankäme. Dieser Auffassung möchte ich vehement widersprechen. Man sollte den Menschen, den kranken Menschen nicht unterschätzen in Bezug auf seine Selbsterkenntnisfähigkeiten. Die Meditation kann helfen, sich nicht selbst zu über- oder zu unterschätzen. Zu sehen was ist, darf aber nicht in den Fatalismus führen, sondern sollte realistische Handlungsoptionen freilegen. Fremdansichten führen nur sehr bedingt zum eigenen wahren Selbst. Gespräche mit anderen, der Dialog kann aber auch sehr hilfreich sein für weiterführende Impulse. Sei Dein eigener Therapeut für eine bessere und wahrhaftigere Integration und eine klarere Realitätseinschätzung auch gegen Unterminierungen und Angriffe von außen. Schützen wir uns vor solchen Informationen aus dem Hinterhalt, die auch im Organismus großen Schaden anrichten können.

Prinzipiell gibt es für alles im Leben auch für Ablehnungen und Abweisungen einen verletzenden und einen achtsamen Weg. Wer den verletzenden wählt, der  muss sich auch mit Kritik auseinander setzen. Hinnehmen sollte keiner diese Variante, denn sie bindet an den Verletzer. Wenn man also die Trennung will, die Loslösung, dann wählt man den achtsamen Weg, der dem anderen nicht die Würde nimmt, so dass er sich einem Anderen zuwenden kann, um sein Glück zu finden. Ist er aber verletzt, wird er diesen Weg nicht gehen können, gerät selbst in unannehmbare Konstellationen, die das Leben behindern. Es geht also nicht darum, Werte nach Jahren im Nachhinein zu zitieren als vermeintliche Entschuldigung, sondern das Besondere einer Verbindung anzuerkennen und behutsam in einem Dialog aufzulösen, wenn sie nicht dem eigenen Denken entspricht. Das ist sagbar. Das Wie ist entscheidend.

Urteilsvermögen

Wir wissen nicht erst seit Daniel Kahnemann, dass gründliches Denken Zeit braucht gegen eine Schnelllebigkeit, die nicht tiefer blicken lässt. Leistung und Urteilsvermögen entwickeln sich nicht proportional, sondern das Innehalten, die Auszeit, der Ausstieg aus oft sinnlosem Leistungsdruck befördern das Denken. Viele Denker haben sich die Zeit genommen, um unser Leben zu durchdringen und bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Da wurde nichts aus Anpassung und Erfüllung von Pflichten, die eben das Denken unterbinden. Inhalte werden bei einem unerbittlichen Leistungsdenken zurückgestellt. Man genügt eben der Form und kommt so schnell weiter auf der Karriereleiter. Und ist man erst einmal dort, wo man hinwollte, macht man es sich bequem und bewegt sich auf ausgetretenen Pfaden. Menschlich allzu menschlich?

Für die Menschheit ist das oft tragisch, denn so wird der quantitative Fortschritt präferiert gegenüber dem qualitativen, der in der Lage ist, die Dinge zu ändern und zu verbessern. Ihm liegt ein innerer Reifungsprozess zugrunde, der zu grundlegenderen Einsichten führt und die Fehler, die wir auch im Umgang miteinander machen, korrigieren kann. Fehlerkorrektur ist das Ergebnis intensiven Nachdenkens und nicht extensiven Handelns, das wir so oft loben und bewundern. Aber es ist nicht zielführend, dient mehr der eigenen Selbstdarstellung und der Positionierung, aber nicht dem Gemeinwohl.

Wahrer qualitativer Fortschritt wird nicht selten angegriffen, weil er Kritik am Bestehenden impliziert. Wer sich in seinen Paradigmen eingerichtet hat, will keinen Diskurs. Seine Lorbeeren hat er erworben über die Bestätigung des Mainstreams, er gehört dazu, und das ist ihm wichtiger als die Infragestellung von Konventionen, die Menschen ja auch schädigen können, wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen. Wahrheit bedeutet, den Sachverhalten auf den Grund zu gehen. Dies ist natürlich möglich und der Anreiz jeder Forschung auch gerade im sogenannten postfaktischen Zeitalter, das einen bedenklichen Relativismus etabliert.  Wo offenkundige Mängel im Denken zum Schaden von Menschen auftreten, da muss dringend geforscht und nachgedacht werden. Hier kann man sich nicht auf dem oft fragwürdigen Stand der Dinge ausruhen.

Der Mensch neigt zum Dogmatismus, der das Urteilsvermögen einschränkt. Dieser Dogmatismus führt nicht selten in die Stagnation und zu autoritären und repressiven Tendenzen, kann sogar eine Demokratie aushebeln. Hier machen sich einige Wenige zu Repräsentanten der Macht, die anderen dann vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben im Wahn eines Einheitsdrucks, der Pluralität und Individualität verteufelt. Es gilt also wachsam und offen zu bleiben für wohl begründete Argumente, um den qualitativen Fortschritt nicht zu behindern, der für viele lebensrettend sein kann. Das Urteilsvermögen ist keine Rechenleistung, sondern ein besonnenes Abwägen von Gründen zugunsten von Menschen, wodurch eine Gemeinschaft immer profitiert.  Elite ist nicht die Vertretung des Establishments, sondern die begründete und begründende Kritik an diesem. Nicht jede Modernisierung ist  gelungene  Innovation, denn Opfer darf sie nicht hervorbringen.

Männliche Rationalität – eine weibliche Polemik

Denken ist nicht nur rational, sondern auch emotional und hat auch hier seine Gründe. Rationalität schützt nicht vor Fehlern und kann deswegen auch schlichtweg in die Irre führen. Das hören wir nicht so gern, ist aber leider ein Faktum. Manch einer bildet sich viel auf seine Rationalität ein und zitiert gerne Denker, die die Vernunft der Natur gegenüberstellen, als käme von hier das Übel. Wer sich ein wenig mit Ethnologie befasst hat, weiß, dass diese These falsch ist. Aber Thomas Hobbes wird immer wieder und gerne zitiert vor allem von Männern, denen natürliche Ordnungen oft fremd sind, weil sie die Bedingungen dafür einfach nicht erfüllen. Der Mensch soll im Naturzustand des Menschen Wolf sein. Das sagt ein Mann wohl über Männer, für die das auch oft genug gilt. Kritisiert man als Frau einen Mann gegenüber einem Mann, so wird dies misogyn als Fehlhaltung interpretiert, ja gar als Ausdruck einer Krankheit. Somit wäre dann geklärt, dass der rationale Mann natürlich immer richtig liegt und die vermeintlich moralisch minderwertige (weil nicht rein rational) Frau falsch. Die Frau hat aber gegenüber dem Mann den Vorteil, Sachverhalte und Menschen tiefer zu durchschauen mittels Intuition. Auch die Naturrechtsdenker Samuel Pufendorf und Hugo Grotius äußerten sich noch entsprechend frauenfeindlich und glaubten ebenfalls über Verträge und Regeln das Miteinander von Menschen ordnen zu müssen, weil der Mann eben nicht so gemeinschaftstauglich ist, nicht auf die denkende Intuition vertrauen kann und leider  immer wieder von sich ausgeht. Zwei Weltkriege haben wir dieser merkwürdigen Form der Rationalität zu verdanken – ganz abgesehen von der Ausbeutung und Schädigung der Erde, der Vernichtung der Artenvielfalt und wohl auch der Individualität als Ausdruck höherer Formen von Integration.

Obwohl in erster Linie Männer für das Elend in der Welt verantwortlich sind, betrachtet sich der Mann noch heute als das höhere Wesen, das allein etwas von Moral und Ethik versteht. Tatsache ist, dass der Mann berechnender, auf seinen eigenen Vorteil bedachter, eindeutig egozentrischer und unempathischer ist, sich aber besser durchsetzen und sich dadurch mehr Gehör verschaffen kann. Frauen sind immer noch das zweifelnde Geschlecht und weichen bei Angriffen zurück. Ihr Denken bleibt harmoniebedürftig und ist dadurch in einer schwächeren Position: Sie sucht den Konsens über Verständnis und nicht über den Kampf. Rationalität wird von einigen männlichen Zeitgenossen aber als Waffe eingesetzt, was nicht in den heilenden Dialog führt, sondern in die Konfrontation, die Frauen schlecht aushalten. Ein Mann, der eine Frau bekämpft, muss schon elementare Probleme haben, denn er begreift nicht, dass seine vermeintliche Rationalität nur eine Strategie ist, nicht verstehen zu müssen. Und hier wären wir dann an einem Punkt, wo nur noch das Mitgefühl zu einer Lösung führt. Jesus Christus und Buddha waren Männer, die sehr weiblich gedacht haben. Das macht ihre überwältigende Attraktivität aus. Wann wird die westliche Welt ihre auch geistesgeschichtlich zementierten (männlichen) Irrtümer endlich einsehen?