Die zeitlose Nähe der Intensität

Wir können uns nicht darüber hinwegtäuschen: Die wahre Liebe ist kein Resultat von vernünftigen Erwägungen, aber sie geschieht zu selten, deshalb schießen die Partnerschaftsportale wie Pilze aus dem Boden

Uns interessiert hier aber nicht die moderne geschäftige Suche nach einem Partner, sondern die reale Begegnung von zwei Gleichen, die oft ähnlich literarisch sozialisiert sind und es selbst nicht fassen können, dass sie sich begegnet sind und sich dadurch alles ändert, ändern muss. Diese Intensität ist unerbittlich, sie erträgt die alten Kompromisse nicht mehr, weil das höchste Glück eingetreten ist durch eine hohe Form der Übereinstimmung im Bewusstsein. Wir haben hier nicht die Wahl, ob wir uns hineinbegeben oder nicht. Diese Begegnung erfasst uns im Innersten und hebt unser Getrenntsein, unser halbherziges Abwägen und Überlegen auf. Sie ist weder unvernünftig noch vernünftig, sie schwingt einfach mit in der emotionalen Bewegung des anderen in der symbiotischen Verschmelzung mit dem Du, das sich als komplementären Teil des Eigenen entwirft und nicht mehr wegdenkbar ist. In der Literatur wird die wahre Liebe oft beschrieben, aber nur wenige erleben sie wirklich. Sie ist reines Gefühl und reine Liebe und reines Denken, was in die Verbindung will und die Trennung nicht erträgt. Zwei Menschen werden eins von Angesicht zu Angesicht und sehen sich für einen Moment auf den Grund der Seele. Es sind nicht die Äußerlichkeiten und nicht die Erwartungen, sondern das unverstellte Sein, das sich zeigt und ergreift. Für Momente ist alles klar und deutlich, in welcher realen Lage sich man auch befinden mag. Die ist nicht mehr wichtig, sie verschwindet im Hintergrund zur Fassade, die sich auch als solche begreift und zurücktritt.

Wahre Liebe versteht die Welt

Wir denken oft,  dass wir über solche Begegnungen hinwegkommen, dass wir sie überwinden könnten, wenn äußere Widerstände auftauchen. Diese Liebe ist hoch verletzlich und sie wird verletzt, wenn sie nicht als das bewusst wird, was sie ist: eine Ausnahmeerscheinung mit höchster Priorität. Es gibt kein Zurück in alte Rollen des Durchhaltens aus gesellschaftlicher Konvention. Diese Liebe verlangt Mut, damit sie nicht untergeht im täglichen Einerlei der Notwendigkeiten und falschen Auffassungen. Sie reißt aus den halbherzigen Vereinbarungen heraus in die Welt der Wahrhaftigkeit. Dieser Anziehung ist nichts entgegenzusetzen. Die eigene Machtlosigkeit ist kein Verlust an Kompetenz, sondern die Gnade der Erfüllung des Gemeinten, durch den anderen ganz zu werden in welcher Form auch immer. Das Defizit der alltäglichen Begegnungen mit ihren Korruptionen, Kompromissen  und Täuschungen ist überwunden. Die Sphäre der Unmittelbarkeit der Wahrheit erbebt in den Stand des tiefen Wissens und der Einsichten in die Wirkkräfte das Daseins. Es ist die Sphäre der Unschuld, der reinen Erkenntnis des Wesentlichen und Schönen. Wer diese Liebe erfährt, ist nicht mehr offen oder frei für die faulen und schalen Kompromisse dieser Welt, die sich in Foren und Plattformen zusammenraufen, um ihr Vergnügen zu vermehren. Die reine und wahre Liebe ist Seligkeit von Anfang, sie ist höchstes Glück allein schon durch die Begegnung und sie kennt kein Zurück in diese Welt der Halbheiten und Berechnungen, ob dieser Mensch nun etwas vermehrt oder nicht. Sie wägt nicht ab, denn sie ist, was sie ist und kann nicht anders.

Das schale Los der Kompromisse

Wir wollen aber alles berechenbar machen und erkennen die Grenzen unserer eigenen Vermögen nicht an, die nicht selten in die Unwahrheit und die Uneigentlichkeit führen, wir werden regelrecht indoktriniert, Kompromisse zu machen und halten uns für aufgeklärt, obwohl wir eigentlich nur enttäuscht sind und aufgegeben haben, unserer Intuition zu vertrauen, die den Weg weist und uns führt in das Reich höchster Einsichten und Ergriffenheiten. Wir reden hier nicht über das gewöhnliche Verliebtsein, das vergeht und sich beruhigt, sondern über das Wissen über einen Menschen im Zulassen der höchsten Vermögen der bewussten Seelenschau. Dass diese Lieben oft tragisch enden, liegt an der Welt, ihrer oberflächlichen Auffassungen und ihren neidischen Vertretern, die Menschen verunsichern bezüglich ihrer Einsicht und Erfahrung. Und weil sie sich selbst nicht mehr trauen, werden sie zu höchsten Verletzern und Zerstörern unter Berufung auf Allgemeinplätze, als wüsste man, worum es geht. Aber niemand anderer kann in die Seele von zwei Menschen schauen, die sich erkannt haben und sich nicht ständig erklären müssen. Gegen diese Intensität ist kein Rat hilfreich. Wer sie nicht erlebt hat, wird sie negieren und sie in den Bereich des Gewöhnlichen und Vorübergehenden einordnen. Doch die Ironie des Geschehens beruht in der extremen Verunstaltung der Wahrheit und ihrer verheerenden Folgen für ein ganzes Leben. Wer die wahre Liebe verfehlt, bleibt ein Leben lang auf der Suche und reist er noch in den letzten Winkel der Welt. Sie hat sich eingebrannt und ist ein Teil von einem selbst geblieben und wehrt das Profane ab bis zur letzten Stunde.

Die Spiritualität der Liebe

Kirche und Staat möchten die Liebe gern in ein Korsett stecken, da  sie auch selten spirituell ist. Wer aber den Hauch des Überweltlichen gespürt hat. der wird hellhörig bezüglich des Banalen unserer Existenz und verweigert sich den Konventionen der Beschwichtigung. Wir Menschen sind fähig, wirklich hohe Gefühle zu entwickeln, die dann auch über die eigene Existenz wie bei der heiligen Elisabeth von Thüringen hinausführen. Es existiert der Wunsch, auch andere zu befähigen, höchstes Glück zu empfinden und vor allem die Not zu mildern. Wir sind hier nicht nur mit den privatesten Emotionen konfrontiert, sondern mit der Aufgabe, ein System zu heben und uns als Beförderer der Humanität zu verstehen. Wir können dann das Erlebte weitergeben als Auftrag für die Entdeckung des Menschenmöglichen. Das Banale und Profane kann den Hass in der Welt nicht besänftigen. Dafür bedarf es der höchsten Liebe, die immer auch eine Liebe in Gott ist. Diese Gesellschaft drängt auf das Funktionieren von Menschen und ihre Instrumentalisierbarkeit macht sie stumpf und unempfindlich. Die Versklavung von Menschen ist noch lange nicht beendet und ihre wahre Freiheit besteht in der Entdeckung von wahrer Liebe, die durch die Vermassung immer unwahrscheinlicher wird. Die Kultur und die Literatur erinnern uns an diese Möglichkeit von wahrhaftiger Existenz in Einklang mit der Schöpfung. Wer uns zu den höchsten Fähigkeiten führt, ist eine Begegnung in Gott. Die Hindernisse der Welt müssen davor die Waffen strecken, was auch für die Kirche gilt, die ihren Einfluss nicht selten gegen Menschen einsetzt, anstatt den spirituellen Raum tiefer Begegnungen zu öffnen und zu segnen.

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