Die Grenzen der Welt

Wittgenstein meinte, die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der individuellen Welt. Das indoktrinierte und dogmatisierte Ich kann diese Grenzen nicht aufheben, obwohl die Überwindung eigener Grenzen Reifung und Entwicklung beinhaltet. Die Sprache ist das Mittel der Erweiterung des Festgelegten und muss sich anstrengen, um Worte zu finden für Tatsachen, die vor allem psychologisch den Einzelfall betreffen. Philosophie ist eine Bewegung, diese Sprache zu entwickeln und nicht seine eigenen Grenzen auf andere zu projizieren.  Gesundheit impliziert diese Offenheit demgegenüber, das nicht schadet und bedacht sein will. Ich muss mich hier also anstrengen, um dem anderen gerecht zu werden und mich dem annähern, was der andere längst erfahren und verarbeitet hat. Mit gutem Grund entrüstet sich der Undogmatische über diese Grenzen, die bestenfalls philosophische Arbeit anstoßen. Hier können wir uns nicht auf schon Gedachtes und Gesagtes berufen, sondern sind aufgefordert, Worte zu finden. Es gibt kein Unsagbares, es sei denn man verschließt seine Welt gegen die Einsicht anderer.

 

Gegen das Schweigen

Wir sind in der Lage, diese Grenzen, die das Denken und die Sprache behindern, aufzuheben und uns auf Neuland zu begeben in der Hoffnung, einen Quantensprung in der Erkenntnis dessen, was ist, zu machen. Damit verbunden ist das Glück der Befreiung, wenn es um tiefere Einsichten geht in den Lauf und den Fall der Welt. Grenzen sind Gefährdungen der Erstarrung und des Fehlverständnisses auch der Mitmenschen, denen man nur gerecht werden kann, wenn man ihre Erweiterungen von Grenzen versteht, ohne aber alle moralischen Fragen zu ignorieren. Moral ist etwas hoch Verhandelbares, wenn man Menschen nicht unterschätzt und hier Dinge unterstellt, die jenseits der Moral auftauchen. Eine Ethik des Lebens muss sich dem Diskurs stellen und darf ihn nicht unmöglich machen.  Wenn meine Grenzen auf Glaubenssätzen bestehen, habe ich nicht das Recht, sie anderen aufzubürden, sondern bleibe in der Pflicht besonders als Philosoph diese Grenzen in Frage zu stellen  für ein besseres Verständnis dessen, was Sache und was möglich ist, ohne moralische Regeln zu verletzen. Das heißt auch immer, ich muss mich einlassen und darf nicht das Schweigen wählen, da somit auch  jeder allgemeine Fortschritt unmöglich wird. Wir haben es aber bitter nötig, um uns und die Welt besser zu verstehen, damit wir evolutionieren können und auch letztlich eine Sprache finden , die auch die Würde des Einzelnen nicht verletzt, sondern eine Perspektive eröffnet zu wachsen.

Wahrhaftiger Frieden

In jeder Begegnung finden wir diese Herausforderung, uns besser zu verständigen und zu verstehen. Das gelingt vor allem über die Sprache, die behutsam auf die Wahrheit hindeutet, die uns Orientierung vermittelt und uns aus dem Gefängnis der Beschränktheit herausführt. Wir müssen dabei immer von einer humanen Lösung ausgehen und von Menschen, die im Grunde ihres Wesens das Gute wollen. Daran können wir anknüpfen und eine Sprache entwickeln, die eine grundsätzliche Verbundenheit offenbart. Wittgenstein war im Irrtum und verursachte das Grundsatzproblem, das eigene sprachliche Unvermögen absolut zu setzen und sich hier hinein zu fügen. Wir sollten dagegen uns zu Erfindern machen, die Neues entdecken und somit alte Probleme auflösen können auch in einem psychologischen Sinne der Befreiung von Einschränkungen des Ratlosen. Es gibt kein Problem, für das wir keine Sprache hätten, es sei denn wir sind zu dogmatisiert und behindert in der Suche nach Lösungen. Wir alle wünschen uns eine offene Weltsicht und damit viele Erkenntnisse über uns selbst und über andere. Wir brauchen dieses Verständnis auch, um im wahrhaftigen Frieden zu leben. Es kann nicht sein, dass man sich auf das eigene Unvermögen beruft. Sicher sind wir als Einzelwesen beschränkt, aber wir streben teleologisch nach der Erweiterung unserer Erkenntnisse und begreifen so unsere Fehler, an denen wir nur wachsen, wenn wir sie sprachlich erfasst haben. Unser Geist entwickelt Formen der Erkenntnis, die sich in der Welt widerspiegeln, die wir in der Welt wieder finden, was uns versichert, dass diese Welt sinnvoll konzipiert ist. Sie ist nicht reine Konstruktion.  Ich kann also sicher sein, dass ich mit meinen Denken und meiner Sprache, zu der ich auch die Mathematik zählen würde, immer neue Räume eröffnen kann, die sich über alle negativen Erfahrungen hinwegsetzen. Die Schönheit dieser Ordnung formt die eigene Vernunft und das Gefühl einer göttlichen Ordnung. Das Gefühl geht dem Denken voraus, weshalb Intuitionen wichtige Orientierung vermitteln für das Finden von Sprache.

Verzeihung ist nur über die Sprache möglich

Vielleicht ist es sinnvoll, von einer Ethik der Rede zu sprechen, um die Gefahr der Aporie zu überwinden. Qua Mensch gibt es die Forderung, uns mitzuteilen, wenn wir auch in unserem Selbstverständnis angegriffen werden. Worte zu finden bedeutet, dem anderen die Würde zu lassen, dass er es verdient hat. Manch einer möchte nur den Hexenhammer wieder veröffentlichen, damit er sich nicht bewegen muss. Hintergrund ist immer derselbe Narzissmus der Unbelehrbarkeit, die sich oft als Oberlehrerhaftigkeit geriert. Letztlich können wir auch nur verzeihen, wenn wir uns sprachlich angenähert haben und den Punkt gefunden zu haben, wo wir wirklich verstehen, anstatt zu beschuldigen und zu verleumden. Dies ist nur der Einstieg in die Welt des ewigen Traumas. Das Rezept gegen Sackgassen: Suche das Gespräch!

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